Johannes Calvin – Reformator und Eiferer, genialer Kirchenorganisator und Dogmatiker des Gehorsams. Seine Theologie war wirkungsmächtig, sein Wesen aber bleibt beängstigend.

War der Genfer Scharfrichter nur ein Pfuscher oder ein besonderer Sadist im Auftrag seiner Gerichtsherren, die sich vielleicht erinnerten, dass der Delinquent zuvor schon von der französischen Inquisition zum Tode durch ein »langsames Feuer« verurteilt worden war? Jedenfalls steckte er am 27. Oktober 1553 seine Brandfackel vor den Toren der Stadt in einen Stapel feuchten Holzes. Drei grauenhafte Stunden dauerte es deshalb, bis Michel Servet qualvoll den Tod dort fand, wo sich heute in Genf die Avenue de la Roseraie und die Avenue de Beau Séjour schneiden; ein Denkmal für den scheußlich Hingerichteten markiert die Stelle beim »Rosengarten« und »Schönen Aufenthalt«. An die Ohren Johannes Calvins, der diesen Tod am heftigsten gewünscht hatte, drang nichts von den grässlichen Schreien des Gemarterten; er saß derweil einen guten Kilometer entfernt bei geschlossenen Fenstern in seiner Studierstube.
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