Aug 12
2009
Diesseits von Eden
News in Kultur- und Philosophiegeschichte 1 Kommentar »Keiner der vier Evangelisten hat Jesus persönlich gekannt. Thomas Mann ist Goethe nie begegnet. Frank Schäfer war nicht in Woodstock. Dennoch, vielleicht deswegen fabrizierten sie passable Texte zum jeweiligen Thema. Und nun mal langsam.
Frank Schäfer, Braunschweiger Jahrgang 1966, ist etwa Lesern des Rolling Stone als umtriebiger Flaneur zwischen Pop und Literatur bekannt. Auf ein Buch mit dem Titel Woodstock ´69. Die Legende hat man trotzdem nicht brennend gewartet. Ein Verdacht liegt nahe: Jubiläumsprosa. Das Woodstock-Festival respektive "die Legende" wird in diesem Sommer 40 Jahre alt. Man kennt den Film, die Musik von Jimi Hendrix & Co. und hat alles archiviert unter "liebgewordene Erinnerung". Und nun kommt einer und rekonstruiert das Festival noch mal, dass man sich festliest, als wäre man dabei. Warum?
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Weil man dabei war. Woodstocks kulturgeschichtliche Bedeutung ist ungebrochen, seine audiovisuelle Prominenz immer noch gegenwärtig. Jeder Rockfan über vierzig hat Woodstock in seiner Biografie. Unzählige ließen diese Musik ganz nahe an sich heran; später spürten sie Abstand und mit dem eigenen Altern auch das der Musik. Irgendwann enden Ich-Findung und Selbstausdruck via Rockmusik, doch als juveniles Fronterlebnis bleiben die wilden Zeiten ein Kernstück der Lebensgeschichten. Woodstock machte sie simultan sie und schuf damit eine Generation.
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Frank Schäfer, Braunschweiger Jahrgang 1966, ist etwa Lesern des Rolling Stone als umtriebiger Flaneur zwischen Pop und Literatur bekannt. Auf ein Buch mit dem Titel Woodstock ´69. Die Legende hat man trotzdem nicht brennend gewartet. Ein Verdacht liegt nahe: Jubiläumsprosa. Das Woodstock-Festival respektive "die Legende" wird in diesem Sommer 40 Jahre alt. Man kennt den Film, die Musik von Jimi Hendrix & Co. und hat alles archiviert unter "liebgewordene Erinnerung". Und nun kommt einer und rekonstruiert das Festival noch mal, dass man sich festliest, als wäre man dabei. Warum?
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Weil man dabei war. Woodstocks kulturgeschichtliche Bedeutung ist ungebrochen, seine audiovisuelle Prominenz immer noch gegenwärtig. Jeder Rockfan über vierzig hat Woodstock in seiner Biografie. Unzählige ließen diese Musik ganz nahe an sich heran; später spürten sie Abstand und mit dem eigenen Altern auch das der Musik. Irgendwann enden Ich-Findung und Selbstausdruck via Rockmusik, doch als juveniles Fronterlebnis bleiben die wilden Zeiten ein Kernstück der Lebensgeschichten. Woodstock machte sie simultan sie und schuf damit eine Generation.
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12. Aug 2009 um 23:31
Interessant ist, dass Woodstock finanziell ein Desaster gewesen sein soll. Legendär machte das Festival die Stimmung.
Von den Dokumentarfilmen fand ich den über das Altamontfestival mit dem desaströsen Auftritt der Rolling Stones (Hells' Angels prügelten sich in der Menge, ein Mann aus dem Publikum, der eine Pistole zog, wurde erstochen) stärker. Altamont fand nur dreieinhalb Monate später statt; für viele war es der Wendepunkt der Hippiebewegung in den USA. Der Film "Helter Skelter" lässt die düstere Stimmung schon vor dem gewalttätigen Finale deutlich werden.
Zu "Helter Skelter" und dem Altamont-Festival scheint das zu passen, was Hunter S. Thompson erst einige Jahre später schrieb:
"Es herrschte Wahnsinn in jeder Richtung zu jeder Stunde. Man konnte überall Funken erzeugen. Es herrschte ein fantastisches, universelles Gefühl, dass, was immer wir taten, richtig war, dass wir gewinnen würden. Und das, denke ich, war der Haken. Dieses Gefühl des unvermeidlichen Sieges über die Kräfte des Alten und des Bösen. Nicht in einem fiesen oder militärischen Sinn - das hatten wir nicht nötig - unsere Energien würden sich ganz einfach durchsetzen. Wir hatten den Moment auf unserer Seite. Wir ritten auf dem Kamm einer hohen und wunderschönen Welle. Und jetzt, nicht ganz fünf Jahre später, kann man auf einen steilen Hügel klettern in Las Vegas und nach Westen sehen. Und wenn man die richtigen Augen hat, kann man die Hochwassermarke sehen, den Ort wo sich die Welle schließlich brach, und zurückrollte."