Vier Historiker nehmen Flick und seinen Konzern neu in den Blick.

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Friedrich Flick auf der Anklagebank während der Nürnberger Prozesse 1947

Es ist eine unrühmliche Wahrheit der Wirtschaftsgeschichte, dass Friedrich Flick der erfolgreichste deutsche Unternehmer des 20. Jahrhunderts war.
Dieser Industrielle wird heute, wenn überhaupt, nur als Monstrum erinnert: ein gewissenloser Ausbeuter Zehntausender Zwangsarbeiter, ein skrupelloser Profiteur sogenannter Arisierungen, ein in Nürnberg verurteilter Kriegsverbrecher. Flick, der Hitler-Förderer. Flick, der Himmler-Freund. Sein Konzern: ein Musterbeispiel für parasitären Kapitalismus und politische Korruption. Wir kennen Friedrich Flick, der von 1883 bis 1972 lebte, nur als Friedrich den Bösen.

Der Name Flick sei »zu einem dunklen Mythos geworden, und als solcher wirkt er bis heute fort«, schreibt der Jenenser Historiker Norbert Frei in der neuen Studie [I]Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht[/I]. Das Buch ist die Gemeinschaftsarbeit von vier Zeithistorikern. Es ist der gelungene Versuch, die wechselvolle Geschichte Flicks, seiner Unternehmen und seiner Nachfahren im 20. Jahrhundert zu erzählen, zu durchleuchten und ihn »als Unternehmer ernst zu nehmen«. Den Autoren gelang eine anschauliche Darstellung, gründlich recherchiert, fast durchgängig gut geschrieben. Es ist nach Kim Christian Priemels Flick-Konzerngeschichte und der Gemeinschaftsarbeit über den Konzern im »Dritten Reich« bereits das dritte wissenschaftliche Werk über Flick in zwei Jahren, mit seinem weiter ausgreifenden Ansatz ist es für den gewöhnlichen Leser aber auch das gewinnbringendste. Das Buch nimmt den gesamten Flick-Komplex ins Visier und erzählt nichts weniger als eine Jahrhundertgeschichte.
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