Okt 08
2009
Der Anfang vom Ende der DDR
News in BRD | DDR 32 Kommentare »[b]Die SED-Oberen wollen sich zum 40. Jahrestag noch einmal bejubeln lassen. Doch die Menschen gehen längst mit geballten Fäusten auf die Straße. In Plauen, Dresden und Leipzig erobern die Massen am 7., 8. und 9. Oktober die Macht – friedlich.[/b]
[img]http://images.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/leipzig/leipzig-540x304.jpg[/img]
Der Anfang vom Ende der DDR: Protestmarsch am 9. Oktober 1989 in Leipzig mit mindestens 70.000 friedlichen Demonstranten
Den Herrschenden lief das Volk weg, der Unmut in Kirchen und auf Straßen wurde immer lauter, der Staat hatte abgewirtschaftet. Doch am 7. Oktober 1989 will der alte Parteiapparat noch einmal seine Macht demonstrieren. Der 40. Jahrestag der DDR soll mit Parolen und Fackeln die Errungenschaften des Sozialismus preisen – aber den meisten Menschen ist nicht zum Feiern zumute.
So wird die verordnete Jubelfeier unversehens zum Abgesang auf das SED-System. Denn in vielen Städten und Dörfern gehen die Bürger mit geballten Fäusten auf die Straße. In Berlin werden zahlreiche Menschen verhaftet. Und in Schwante nördlich von Berlin legt ein kleiner Kreis um Markus Meckel und Martin Gutzeit ausgerechnet am 7. Oktober die Keimzelle der neuen Sozialdemokratie in der DDR: Sie gründen die SDP, die Sozial-Demokratische Partei.
Vor allem in Sachsen, damals noch gegliedert in die drei Bezirke Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, brach sich der Protest auf den Straßen Bahn. Drei Demonstrationen an drei aufeinanderfolgenden Tagen – am 7. Oktober in Plauen, am 8. Oktober in Dresden und am 9. Oktober in Leipzig – prägten die friedliche Revolution in der DDR. Der Mauerfall war am 9. November schließlich das Ergebnis des Druckes von der Straße. In der sächsischen Landesvertretung in Berlin berichteten dieser Tage Protagonisten der Demonstrationen aus allen drei Städten über ihre damaligen Erlebnisse.
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[img]http://images.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/leipzig/leipzig-540x304.jpg[/img]
Der Anfang vom Ende der DDR: Protestmarsch am 9. Oktober 1989 in Leipzig mit mindestens 70.000 friedlichen Demonstranten
Den Herrschenden lief das Volk weg, der Unmut in Kirchen und auf Straßen wurde immer lauter, der Staat hatte abgewirtschaftet. Doch am 7. Oktober 1989 will der alte Parteiapparat noch einmal seine Macht demonstrieren. Der 40. Jahrestag der DDR soll mit Parolen und Fackeln die Errungenschaften des Sozialismus preisen – aber den meisten Menschen ist nicht zum Feiern zumute.
So wird die verordnete Jubelfeier unversehens zum Abgesang auf das SED-System. Denn in vielen Städten und Dörfern gehen die Bürger mit geballten Fäusten auf die Straße. In Berlin werden zahlreiche Menschen verhaftet. Und in Schwante nördlich von Berlin legt ein kleiner Kreis um Markus Meckel und Martin Gutzeit ausgerechnet am 7. Oktober die Keimzelle der neuen Sozialdemokratie in der DDR: Sie gründen die SDP, die Sozial-Demokratische Partei.
Vor allem in Sachsen, damals noch gegliedert in die drei Bezirke Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, brach sich der Protest auf den Straßen Bahn. Drei Demonstrationen an drei aufeinanderfolgenden Tagen – am 7. Oktober in Plauen, am 8. Oktober in Dresden und am 9. Oktober in Leipzig – prägten die friedliche Revolution in der DDR. Der Mauerfall war am 9. November schließlich das Ergebnis des Druckes von der Straße. In der sächsischen Landesvertretung in Berlin berichteten dieser Tage Protagonisten der Demonstrationen aus allen drei Städten über ihre damaligen Erlebnisse.
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08. Okt 2009 um 20:53
Der Anfang vom Ende der DDR...
Heute wissen wir zwar, daß es der Anfang vom Ende des SED-Regimes und damit auch der DDR war, aber ich kann mich erinnern, daß man als normaler DDR-Bürger in der Zeit um den 7. Oktober herum noch nicht absehen konnte, wie das mit den Demos ausgehen würde - insbesondere mit Blick auf Peking. Erst mit dem Rücktritt von Honecker atmete man dann etwas auf.
09. Okt 2009 um 08:38
Heute wissen wir zwar, daß es der Anfang vom Ende des SED-Regimes und damit auch der DDR war, aber ich kann mich erinnern, daß man als normaler DDR-Bürger in der Zeit um den 7. Oktober herum noch nicht absehen konnte, wie das mit den Demos ausgehen würde - insbesondere mit Blick auf Peking. Erst mit dem Rücktritt von Honecker atmete man dann etwas auf.
"Rücktritt" ist in Bezug auf Honecker schon eine starke Beschönigung, Rücktritt klingt so freiwillig. Wobei ich nicht ganz verstehen kann, warum Honeckers Verdrängung zum Aufatmen animierte, war doch Egon Krenz, der Apologet der Massaker vom Tiananmen-Platz, sein Nachfolger.
09. Okt 2009 um 08:55
"Rücktritt" ist in Bezug auf Honecker schon eine starke Beschönigung, Rücktritt klingt so freiwillig. Wobei ich nicht ganz verstehen kann, warum Honeckers Verdrängung zum Aufatmen animierte, war doch Egon Krenz, der Apologet der Massaker vom Tiananmen-Platz, sein Nachfolger.
Ja, der Egon Krenz, ewiger FDJ Parteisekretär....aber er war einer der wenigen, die nach dem Ende der DDR gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurden und in Haft kam.
Widersprüchlich war allerdings, dass er die Anklage wegen Totschlags und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR als „verfassungs- und völkerrechtswidrig" bezeichnete.
War doch die DDR und das SED-Regime im höchsten Maße Völkerrechtswidrig.
Gerechtigkeit haben die Hinterbliebenen der Opfer des SED-Regimes nicht wirklich erfahren, zumal viele ehm. Funktionäre heute wieder wichtige Positionen in Wirtschaft und Politik besetzen.
09. Okt 2009 um 11:42
Die wöchentlichen und sich ausweitenden Montagsdemos nahmen nach Abdankung von König Erich I. am 18. Oktober 1989 an Intensivität zu. Der Flüchtlingsstrom über Ungarn wurde nicht weniger.
Und lt. DDR-Zeitungen und DDR-Fernsehen schlug Honecker persönlich seinen Prinzen aus dem SED-Hofstaat als Nachfolger vor. Somit war bereits der personelle Machtwechsel kein Zeichen von Reform sondern eine Würdigung der "Leistungen" des scheidenden Honeckers.
09. Okt 2009 um 18:42
"Rücktritt" ist in Bezug auf Honecker schon eine starke Beschönigung, Rücktritt klingt so freiwillig. Wobei ich nicht ganz verstehen kann, warum Honeckers Verdrängung zum Aufatmen animierte, war doch Egon Krenz, der Apologet der Massaker vom Tiananmen-Platz, sein Nachfolger.
Das kann ich dir erklären.
Offiziell ließ sich Honecker selbst von seinen "Funktionen entbinden". Was nun wirklich in der "obersten Etage" ablief, wissen wohl nur die, die dort dabei waren. Schabowski müßte es z. B. wissen.
Aber egal ob nun Rücktritt oder Sturz, Honecker war weg und auf Krenz setzten nun viele die ich kannte ihre Hoffnungen, daß sich einiges ändern würde. Man hoffte, daß Krenz eine Art ostdeutscher Gorbatschow werden könnte und obwohl in seiner Antrittsrede zunächst nicht viel gescheites rüber kam, begann sich tatsächlich dennoch vieles zu verändern:
Die Medien fingen sofort an, offener zu berichten - der verhaßte "Schwarze Kanal" wurde abgesetzt und Anfang November ´89 wurde sogar eine Großveranstaltung in Berlin live übertragen, auf der Bürgerrechtler offen ihre Forderungen vortrugen. So etwas wäre unter Honecker nie möglich gewesen. Vor allem hatte man den Eindruck, daß unter Krenz die Demontrationen nicht mehr so gefählich waren, daß man seine Freiheit und seine Gesundheit dabei auf´s Spiel setzte. In dieser Zeit kam einmal sogar meine Mutter mit mir auf eine Demo mit, was sie sich sonst nie getraut hätte. Eine "Pekinger Lösung" traute ich persönlich Honecker noch zu, aber nicht mehr Krenz - so unsympathisch, wie er mir ansonsten war.
Na ja - und das mit der Maueröffnung steht wieder auf einem anderen Blatt, denn die war ja nicht so geplant, wie sie abgelaufen ist.
09. Okt 2009 um 19:58
Ja, der Egon Krenz, ewiger FDJ Parteisekretär....aber er war einer der wenigen, die nach dem Ende der DDR gerichtlich zur Verantwortung gezogen wurden und in Haft kam.
Widersprüchlich war allerdings, dass er die Anklage wegen Totschlags und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR als „verfassungs- und völkerrechtswidrig" bezeichnete...
[I]Egon Krenz[/I] lehnte nicht nur die moralische Verantwortung bzw. Mitverantwortung ab, sondern akzeptierte auch das Urteil nach der verworfenen Revision vom 8. November 1999 nicht.
Und was den Strafvollzug betrifft, so saß er von den ausgesprochenen 6½ Jahren nicht einmal ganze 4 Jahre ab (der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt) und befand sich zudem während nahezu der ganzen Haftzeit im offenen Vollzug incl. Freigang (so daß er lediglich nur noch nachts, also quasi zum Übernachten in die Haftanstalt mußt - tagsüber arbeitete er ganz normal bei der [I]Germania Fluggesellschaft[/I] am Flughafen Berlin-Tegel).
Anm.: Das Abstreiten der Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR wie auch überhaupt der Existenz eines Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze hält er bis heute aufrecht ("Es hat einen Tötungsbefehl oder – wie Sie es nennen – Schießbefehl, nicht gegeben. Das weiß ich nicht aus Akten, das weiß ich aus eigenem Erleben. So ein Befehl hätte den Gesetzen der DDR auch widersprochen." Egon Krenz, 13. August 2007).
Schabowski müßte es z. B. wissen...
Er dürfte in der Tat einiges wissen...
[I]Günter Schabowski[/I] - den ich nun auch alles andere als sympathisch finde - hatte übrigens das Urteil vom August 1997 nach der verworfenen Revision vom 8. November 1999 akzeptiert und sich zu seiner moralischen Verantwortung bzw. Mitverantwortung bekannt.
Was den Strafvollzug betrifft, kam auch er recht glimpflich davon: Er erhielt eine Haftstrafe von 3 Jahren, von der er jedoch nur ein knappes Jahr im offenen Vollzug absitzen mußte, nachdem er im November 2000 vom damaligen Berliner Regierenden Bürgermeister [I]Eberhard Diepgen[/I] begnadigt und demzufolge am 2. Dezember 2000 dann aus der Haft entlassen wurde.
09. Okt 2009 um 20:08
Anm.: Das Abstreiten der Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR wie auch überhaupt der Existenz eines Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze hält er bis heute aufrecht ("Es hat einen Tötungsbefehl oder – wie Sie es nennen – Schießbefehl, nicht gegeben. Das weiß ich nicht aus Akten, das weiß ich aus eigenem Erleben. So ein Befehl hätte den Gesetzen der DDR auch widersprochen." Egon Krenz, 13. August 2007).
Einfach nur erbärmlich.
Auch ohne schriftlichen "Schiessbefehl" wusste jeder DDR-Bürger, was ihm bei einem Fluchtversuch blühte. Genauso wusste jeder Grenzsoldat, was von ihm erwartet wurde. Absichtliches Danebenschiessen war ein Fall für den Militärknast in Schwedt.
09. Okt 2009 um 20:20
Einfach nur erbärmlich.
Auch ohne schriftlichen "Schiessbefehl" wusste jeder DDR-Bürger, was ihm bei einem Fluchtversuch blühte. Genauso wusste jeder Grenzsoldat, was von ihm erwartet wurde. Absichtliches Danebenschiessen war ein Fall für den Militärknast in Schwedt.
Das ist wohl wahr.
Man musste die Befehle erst mal begreifen lernen.
Es hiess ganz klar, es ist in den unteren Extremititen zu schiessen, wenn es denn sein muss.
Bei der Vergatterung ging das aber anders rüber.
Zum Glück durfte ich nicht an der Grenze dienen, weil zu viel Westverwandtschaft.
Ich hatte die Schützenschnur. Wenn ich danebengeschossen hätte, währe der Militärstaatsanwalt gekommen.
Ein Mord habe ich allerdings begangen damals. Mit 10 Schuss Dauerfeuer eine Wildsau erschossen.
Der Papierkrieg danach war viel schlimmer.
09. Okt 2009 um 20:24
Dazu noch einige evt. ganz interessante Links bzw. Dokumente:
Dienstanweisung an Angehörige der Spezialeinheit des MfS innerhalb der Grenztruppen der DDR (Schießbefehl) ? Wikisource
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/8/83/Gesetze.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e7/Schiessbefehl_03.jpg
DDR-Schiessbefehl: Am 15. September 1961 gab es den ersten Erlass- Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e.V.
http://www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de/de/rtf/Schiessbefehl.pdf
Aber eigentlich ist der Schießbefehl hier nur ein beigeordnetes Thema...
09. Okt 2009 um 20:50
Noch eine Anmerkung zum eigentlichen Thema...
Wobei ich nicht ganz verstehen kann, warum Honeckers Verdrängung zum Aufatmen animierte, war doch Egon Krenz, der Apologet der Massaker vom Tiananmen-Platz, sein Nachfolger.
... auf Krenz setzten nun viele die ich kannte ihre Hoffnungen, daß sich einiges ändern würde. Man hoffte, daß Krenz eine Art ostdeutscher Gorbatschow werden könnte und obwohl in seiner Antrittsrede zunächst nicht viel gescheites rüber kam, begann sich tatsächlich dennoch vieles zu verändern...
Exakt; und nicht wenige - mit Honecker während der Jahre bereits unzufriedene - Genossen (Basis der SED) waren dabei offenbar sogar der Meinung, daß Krenz' vorherige Aussagen de facto nicht mehr und nicht weniger als die Wiedergabe von Honeckers Meinung - dem er als "Kronprinz" bis dahin nicht zu widersprechen wagte - gewesen seien, Krenz selbst aber einige Dinge ändern würde, wenn er Honecker ablöste.
09. Okt 2009 um 20:51
2. Verhinderung von Grenzdurchbrüchen
Es ist Ihre Pflicht, Ihre Einzelkämpfer- und tschekistischen[COLOR=#0000ff][7][/COLOR] Fähigkeiten so zu nutzen, daß Sie die List des Grenzverletzters durchbrechen, ihn stellen bzw. liquidieren, um somit die von ihm geplante Grenzverletzung zu vereiteln. Handeln Sie dabei umsichtig und konsequent, da die Praxis die Gefährlichkeit und Hinterhältigkeit der Verräter mehrfach beweist.
Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schußwaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben.
Nach erfolgter Anwendung der Schußwaffe haben Sie entsprechend der unter Punkt 1. genannten Maßnahmen zu handeln.
http://de.wikisource.org/wiki/Dienstanweisung_an_Angehörige_der_Spezialeinheit_des_MfS_innerhalb_der_Grenztruppen_der_DDR_(Schießbefehl)
Also gab es einen [U]geschriebenen[/U] Scheißbefehl. Das ist schon bemerkenswert.
09. Okt 2009 um 21:10
Also gab es einen [U]geschriebenen[/U] Scheißbefehl. Das ist schon bemerkenswert.
Ja Klar, aber nie einen Tötungsbefehl.
Das musste jeder mit sich selbst ausmachen.
In einer Wachbelehrung hiess es.
Halt stehen bleiben, oder ich schiesse am tage. In der Nacht war es, Halt wer da, stehen bleiben oder ich schiesse.
Dann war angewiesen ein Warnschuss in die Luft abzufeuern. Blieb der dann nicht stehen, einen geziehlten Schuss in den unteren Extremitäten, sprich Beine.
Wir waren doch auch nur Menschen und keine Monster.
09. Okt 2009 um 22:29
Scheißbefehl
.... und jetzt kann es nur noch ein Mod richten....
[I](Sorry fürs OT)[/I]
09. Okt 2009 um 22:49
.... und jetzt kann es nur noch ein Mod richten....
[I](Sorry fürs OT)[/I]Nein. Mods sind auch nur Menschen.
Und wenn Barbarossa da mal daneben geschrieben hat, mich stört es nicht.
09. Okt 2009 um 22:53
Ja Klar, aber nie einen Tötungsbefehl.

Das musste jeder mit sich selbst ausmachen.
In einer Wachbelehrung hiess es.
Halt stehen bleiben, oder ich schiesse am tage. In der Nacht war es, Halt wer da, stehen bleiben oder ich schiesse.
Dann war angewiesen ein Warnschuss in die Luft abzufeuern. Blieb der dann nicht stehen, einen geziehlten Schuss in den unteren Extremitäten, sprich Beine.
Wir waren doch auch nur Menschen und keine Monster.
Ich denke, du warst nicht an der Grenze...
Insofern hast du natürlich Glück gehabt. In meiner Klasse gab es allerdings zwei, die haben auch erzählt, daß sie an der Grenze waren und dort auch einige festgenommen haben - arme Teufel. In deren Haut mochte ich nun wirklich nicht stecken.
:(
Ich hab alles dafür getan, daß ich dort nie eingesetzt worden wäre - aber das habe ich schon des Öfteren hier im Forum geschrieben: http://www.geschichtsforum.de/396915-post4.html
Übrigens hab ich gerade einen Tippfehler von mir entdeckt:
Also gab es einen [U]geschriebenen[/U] Sch[U]ei[/U]ßbefehl. Das ist schon bemerkenswert.
Daß ich nun gerade diese beiden Buchstaben vertauschen mußte...
Edit: ach ihr habt es auch schon bemerkt...
09. Okt 2009 um 22:55
Daß ich nun gerade diese beiden Buchstaben vertauschen mußte...

...und ich dachte, das war Absicht.
09. Okt 2009 um 22:58
Ich denke, du warst nicht an der Grenze...
War ich auch nicht, aber die Wachbelehrung war gleich.
Und ich hatte auch 60 Schuss dabei.
30 pro Magazin.
Einmal habe ich eine Patrone verloren, weil ich mit der Knarre nachts rumspielte.
Zum Glück hat mir einer eine Schwarzpatrone gegeben.
Sonst wäre der Staatsanwalt gekommen.
09. Okt 2009 um 22:59
...und ich dachte, das war Absicht.

...na du nun wieder...
10. Okt 2009 um 08:14
Ich habe in der taz einen interessanten Artikel gefunden, in dem die bürokratische Vorbereitung der Grenzöffnung nachgezeichnet wird. Spannend, wie schon vor dem 9. November "hinter den Kulissen" auf den Fall der Mauer vorbereitet wurde.
Die Planung des Mauerfalls Sie aßen Bockwurst und konferierten bis in die Nacht. Schon vor dem 9. November arbeiteten Westberliner Beamte daran, dass die Öffnung der Grenze nicht ins Chaos führt. Sogar die Ostkollegen bekamen Tipps. Rückblick 1989: Die Planung des Mauerfalls - taz.de
10. Okt 2009 um 08:42
Na ja, da macht die taz aus einer Mücke einen Elefanten. Bereits zuvor, nach Honeckers Sturz war der Entwurf eines Reisegesetzes vorgestellt worden. Es war mit der heißen Nadel gestrickt und wurde als unzureichend vom Volk abgelehnt. Die Mauer hätte es nicht angetastet.
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/dokumente/11402823_9611382/142bd3f9/Reisegesetz%20der%20DDR.jpg
Wie überraschend es dann am 9.11.89 kam, beweist die Tatsache dass Helmut Kohl ausgerechnet da in Polen weilte und auch Gorbi und Bush sen. aus allen Wolken fielen. Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Schabowski gar nicht klar war, was er da auf der Pressekonferenz verkündete.
10. Okt 2009 um 14:58
Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Schabowski gar nicht klar war, was er da auf der Pressekonferenz verkündete.
Ich habe auch jedesmal diesen Eindruck, wenn die bewussten Fernsehaufnahmen von Schabowski auf der Pressekonferenz gezeigt werden. Eine derart dramatische Kehrtwende in der Reisepolitik muss doch tagelang im Politbüro diskutiert worden sein, doch Schabowski erwähnt es eher beiläufig und fragt sogar kurz zurück.
Er behauptet aber tapfer bis heute, ihm sei die Tragweite klar gewesen und er hätte auch nicht irrtümlich etwas falsches verkündet. Es glauben nämlich etliche, dass Schabowski sich verhaspelt hätte und ihm erst später klar geworden wäre, dass seine Ankündigung der Reisefreiheit der Anfang vom Ende war. Das aber wollte er - so die Hypothese - nie öffentlich zugeben.
10. Okt 2009 um 15:24
Ich habe auch jedesmal diesen Eindruck, wenn die bewussten Fernsehaufnahmen von Schabowski auf der Pressekonferenz gezeigt werden. Eine derart dramatische Kehrtwende in der Reisepolitik muss doch tagelang im Politbüro diskutiert worden sein, doch Schabowski erwähnt es eher beiläufig und fragt sogar kurz zurück...
[/FONT][/FONT]
Ja ich weiß es auch nicht. Schon dieses genuschelte herunter lesen, des Intaltes dieses ominösen Zettels - ich muß sagen, ich habe das damals in den Nachrichten um 19.30 Uhr gesehen, habe es gar nicht für voll genommen und bin dann, ohne mir was dabei zu denken, zur Nachtschicht gefahren. Und dann... - ach, das könnt ihr hier nachlesen:
[FONT=Arial][FONT=Verdana]Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte - Einzelnen Beitrag anzeigen - Emotionen und Ängste am 9.11.1989 [/FONT][/FONT]
[FONT=Arial][FONT=Verdana]
10. Okt 2009 um 15:31
Wer weiß, woher er den Zettel hatte. Vermutlich guckte er erst während der Pressekonferenz zum ersten Mal darauf.
10. Okt 2009 um 17:54
Wer weiß, woher er den Zettel hatte. Vermutlich guckte er erst während der Pressekonferenz zum ersten Mal darauf.

Also nach meiner Info, hat Krenz ihm den Zettel kurz vor der Pressekonferenz zugesteckt und folglich hat er dort vermutlich tatsächlich zum ersten mal einen Blick darauf geworfen...
Hier noch ein Artikel dazu:
Auf Nachfrage des italienischen Journalisten [COLOR=black]Riccardo Ehrmann[/COLOR] holt [COLOR=black]Günter Schabowski[/COLOR] um 18.53 Uhr einen Zettel aus seiner Tasche heraus, den er vor der Pressekonferenz von [COLOR=black]Egon Krenz[/COLOR], dem Nachfolger [COLOR=black]Erich Honeckers[/COLOR], bekommen hat (2) und liest stockend vor:
"Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen - Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse - beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.
Die zuständigen Abteilungen Paß- und Meldewesen der VPKÄ (der [COLOR=black]Volkspolizeikreisämter[/COLOR]) in der DDR sind angewiesen, Visa [U]zur ständigen Ausreise[/U] unverzüglich zu erteilen, ohne daß dabei noch geltende Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen." (3)
Schabowski ist sich nicht sicher, was er da verlesen hat und wird schon mit einer weiteren Frage konfrontiert: "Gilt das auch für Westberlin?".
Er zuckt mit den Schultern und antwortet:
"Also, doch, doch" und liest dann weiter vor:
"[U]Die ständige Ausreise[/U] kann über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD bzw. zu Westberlin erfolgen."
Schabowski wird gefragt: "Wann tritt das in Kraft?" und er antwortet:
"Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." (4)
Die DDR-Nachrichtenagentur ADN verbreitet den von Schabowski verlesenen Text um 19.04 Uhr, der dann um 19.30 von der [COLOR=black]Aktuellen Kamera[/COLOR] im DDR-Fernsehen und um 20.00 Uhr von der [COLOR=black]Tagesschau[/COLOR] mit der Meldung "DDR öffnet Grenze" (5) gesendet wird.
Mauerfall und Grenzöffnung am 09. November 1989, das Ende der Berliner Mauer
Edit:
Wenn ich mir den Text so durchlese, dann ist da tatsächlich mehmals von "ständiger Ausreise" die Rede. Da ist es ja kein Wunder, daß ich das damals nicht auf mich selbst bezogen habe, sondern dachte, es wären diejenigen damit gemeint, die z. T. schon seit Jahren einen Ausreiseantrag zu laufen hatten. Das fällt mir jetzt erst mal so richtig auf! Ich hab das mal unterstrichen, was ich meine...
:grübel:
10. Okt 2009 um 18:17
Wenn ich mir den Text so durchlese, dann ist da tatsächlich mehmals von "ständiger Ausreise" die Rede. So war es wohl auch gedacht. Manchen der ersten Grenzgänger wurde noch der Ausweis entwertet. Alle "Querulanten", also ein paar tausend Leute , rauslassen und dann ist Ruhe - so war wahrscheinlich der ursprüngliche Plan. Damit es keine kompromittierenden Bilder wie von den Botschaften und Sonderzügen mehr gibt. Prag und Budapest werden da auch Druck gemacht haben.
Dass die Leute lediglich ein bisschen feiern gingen und am nächsten Morgen wieder pünktlich im Osten zur Arbeit erschienen, das ging über jedes Vorstellungsvermögen der SED-Bonzen.
10. Okt 2009 um 19:22
So war es wohl auch gedacht. Manchen der ersten Grenzgänger wurde noch der Ausweis entwertet. Alle "Querulanten", also ein paar tausend Leute , rauslassen und dann ist Ruhe - so war wahrscheinlich der ursprüngliche Plan. Damit es keine kompromittierenden Bilder wie von den Botschaften und Sonderzügen mehr gibt. Prag und Budapest werden da auch Druck gemacht haben.
Dass die Leute lediglich ein bisschen feiern gingen und am nächsten Morgen wieder pünktlich im Osten zur Arbeit erschienen, das ging über jedes Vorstellungsvermögen der SED-Bonzen.
Das ist doch mal eine ganz andere Sichtweise der Dinge und ich dachte damals schon, ich wäre blöd - ich hab die Pressekonferenz doch um 19.30 Uhr in den Nachrichten gesehen...
:S
10. Okt 2009 um 20:45
So war es wohl auch gedacht. Manchen der ersten Grenzgänger wurde noch der Ausweis entwertet.
Anzuschauen ist der Vorgang z. B. hier (ab Min. 2:15): YouTube - The opening of the Wall at Berlin Bornholmer Strasse 1989
10. Okt 2009 um 20:58
@Barbarossa: ... ich hab die Pressekonferenz doch um 19.30 Uhr in den Nachrichten gesehen...Wohntest du denn damals im Osterzgebirge? Um die Zeit lief doch nicht die "Tagesschau", sondern "Die Aktuelle Kamera"...:still:
10. Okt 2009 um 21:08
Anzuschauen ist der Vorgang z. B. hier (ab Min. 2:15): YouTube - The opening of the Wall at Berlin Bornholmer Strasse 1989
Ein Klasse Video! Damit bestätigt sich meine Vermutung, nur daß die große Masse der Menschen, die dann rüber wollten - und zwar nur mal, um zu gucken (!) - auch dieses Vorhaben vereitelt hat.
Danke @floxx78!
:yes:
Wohntest du denn damals im Osterzgebirge? Um die Zeit lief doch nicht die "Tagesschau", sondern "Die Aktuelle Kamera"...:still:
Ja, ich hab das ja auch in der Aktuellen Kamera gesehen. Die haben das da gezeigt.
Und vorher hab ich um 19.00 Uhr die Nachrichten im ZDF gesehen - hab ich so ab September ´89 täglich so gemacht.
11. Okt 2009 um 23:13
Ja, ich hab das ja auch in der Aktuellen Kamera gesehen. Die haben das da gezeigt.
Die Pressekonferenz wurde live mW ab 18 Uhr auf DDR 2 übertragen. Ich saß zufällig vorm Fernsehgerät und sprang ans Fenster gegen 19 Uhr, wer auf dem Parkplatz vorm Haus zu seinem Auto stürmte. Aber ich war wohl der Einzige der grade DDR 2 schaute.
Und die große Kundgebung in Berlin am 4. November 89 war zwar eine großartige pluralistische Sache, aber da sprachen keine Bürgerrechtler (Ausnahme Marianne Birthler) sondern neben verschiedenen Künstlern u.a. Lothar Bisky, Markus Wolf und Günter Schabowski.
November 1989/Reden
11. Okt 2009 um 23:44
@hurvi: ...sondern neben verschiedenen Künstlern u.a. Lothar Bisky, Markus Wolf und Günter Schabowski.
...und wurden gnadenlos ausgepfiffen.
12. Okt 2009 um 00:42
Die Pressekonferenz wurde live mW ab 18 Uhr auf DDR 2 übertragen. Ich saß zufällig vorm Fernsehgerät und sprang ans Fenster gegen 19 Uhr, wer auf dem Parkplatz vorm Haus zu seinem Auto stürmte. Aber ich war wohl der Einzige der grade DDR 2 schaute.
Und die große Kundgebung in Berlin am 4. November 89 war zwar eine großartige pluralistische Sache, aber da sprachen keine Bürgerrechtler (Ausnahme Marianne Birthler) sondern neben verschiedenen Künstlern u.a. Lothar Bisky, Markus Wolf und Günter Schabowski.
November 1989/Reden
Also ich kann mich insbesondere an Jens Reich erinnern und der war ja wohl Bürgerrechtler - Friedrich Schrlemmer auch - und einige andere, die ich so eigentlich nicht kannte, haben auch gute Reden gehalten.
An Pfiffe bei einigen SED-Leuten kann ich mich aber auch erinnern...
:pfeif: