[b]So geschickt es Adenauer zunächst noch verstand, die Medien zu lenken – bald schon entwickelte sich eine neue, kritische Öffentlichkeit.[/b]

»Kritik scheint das oberste Gebot«, empörte sich im Herbst 1962 ein Referent des Bonner Bundespresseamtes. In aller Breite listete er die »Entgleisungen« einer Redaktion auf, die mit »einseitigen« Berichten versuche, die »Maßnahmen der Bundesregierung zu torpedieren«. Das interne Papier war nur der Auftakt. Kurz darauf setzten mehrere Spitzenbeamte energische Protestschreiben an die Verantwortlichen auf.

Ihre Empörung gipfelte in der Behauptung, die Arbeit der Journalisten erinnere »bestürzend an Methoden der Nationalsozialisten und Kommunisten vor 1933«. Gemeint war das Fernsehmagazin Panorama, mit dem der Norddeutsche Rundfunk im Juli 1962 ins Hauptprogramm der ARD gekommen war und das nicht nur Politiker oder Ministerialbeamte reizte. Erst kurz zuvor hatte die Polizei im niederrheinischen Geldern ein Panorama- Team verhaftet, das einen Beitrag über einen Lehrer und dessen Vergangenheit als KZ-Aufseher drehte.
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