Nov 23
2009
Churchill: Bomben auf die Schweiz
News in Der Zweite Weltkrieg 8 Kommentare »Winston Churchill wird als Freund der Schweiz gefeiert, der die schweizerische Neutralität hoch geschätzt hat. Eine Episode aus dem Jahr 1941 verändert das Bild. 1941 wollte Churchill die Eisenbahnlinie für den Kohletransport durch die Schweiz bombardieren.
Am 27. Januar 1941 schickte der britische Premier Winston Churchill dem Luftfahrtministerium eine Anweisung: Es bestehe anscheinend ein intensiver Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Italien. Mindestens 200 000 Tonnen würden wöchentlich transportiert: «Es ist offensichtlich äusserst wichtig, dass dies auf jede mögliche Weise verhindert werden soll. In Anbetracht der gebirgigen Natur des Landes» – der Name der Schweiz wird nicht genannt –, «durch das die Züge fahren, sollte dies machbar sein. Bitte lassen Sie mir einen Bericht zukommen, was getan worden ist und was getan werden muss.» Das Dokument findet sich in den im Britischen Nationalarchiv hinterlegten und bereits 1970 freigegebenen
persönlichen Akten Churchills. Die Geschichte ist bisher auch in Fachkreisen kaum beachtet worden.
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Am 27. Januar 1941 schickte der britische Premier Winston Churchill dem Luftfahrtministerium eine Anweisung: Es bestehe anscheinend ein intensiver Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Italien. Mindestens 200 000 Tonnen würden wöchentlich transportiert: «Es ist offensichtlich äusserst wichtig, dass dies auf jede mögliche Weise verhindert werden soll. In Anbetracht der gebirgigen Natur des Landes» – der Name der Schweiz wird nicht genannt –, «durch das die Züge fahren, sollte dies machbar sein. Bitte lassen Sie mir einen Bericht zukommen, was getan worden ist und was getan werden muss.» Das Dokument findet sich in den im Britischen Nationalarchiv hinterlegten und bereits 1970 freigegebenen
persönlichen Akten Churchills. Die Geschichte ist bisher auch in Fachkreisen kaum beachtet worden.
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23. Nov 2009 um 17:58
Nun ja, sehr interessant zu lesen. Aber das passt zu Sir Winston...
23. Nov 2009 um 22:26
Was ist daran Besonderes?
Schließlich wurde auch überlegt, kaukasische Ölquellen zu bombardieren.
23. Nov 2009 um 23:47
Schließlich wurde auch überlegt, kaukasische Ölquellen zu bombardieren.
Diese französischen Pläne, im Frühjahr 1940 erbeutet, wurden offenbar Stalin gesteckt...
24. Nov 2009 um 13:48
Was ist daran Besonderes?
Schließlich wurde auch überlegt, kaukasische Ölquellen zu bombardieren.
Überlegungen gibt es viele.
Von daher stimme ich Dir zu.
24. Nov 2009 um 16:59
Vielleicht sollte man die Situation Großbritanniens zur Jahreswende 1940/41 nicht unberücksichtigt lassen, was solche Pläne fast in die Nähe von Verzweifelungsaktionen rücken läßt:
Nach dem Ausfall des Verbündeten Frankreichs steht man im Kriegszustand mit Deutschland und Italien allein da. Im Atlantik und in den narrow waters tobt der Zufuhrkrieg, die Eskalation des Luftkrieges (nimmt man die systematische Bombardierung von Städten) ist wenige Monate fortgesschritten. Es verbleibt bei den USA, die Hilfslieferungen zulassen. Eine Option, irgendwo entscheidend Aktivitäten zu entwickeln (bis auf die Traktierung Italiens im Mittelmeer und das Festsetzen in Griechenland nach dem italienischen Angriff) besteht erkennbar nicht. Im Fernen Osten wird zudem die Situation bezgl. Japans zunehmend bedrohlicher (auf Druck schließt man sogar die Burma-Straße zur Versorgung Chinas). Rumänien und die Sowjetunion, daneben Schweden schicken zudem die Rohstoffe, die die Achsenmächte für die Kriegsführung benötigen.
Die einzige Perspektive bestand darin, irgendwie durchzuhalten, bis die USA in den Krieg verwickelt werden oder Hitler die Selbstablenkung in den Osten vollziehen würde (soweit Churchill dazu seine Militärs damals befragt hatte, wurden auch der Sowjetunion im Landkrieg nur wenige Monate bis zum Zusammenbruch gegeben).
25. Nov 2009 um 19:24
Diese französischen Pläne, im Frühjahr 1940 erbeutet, wurden offenbar Stalin gesteckt...
Kleiner Nachtrag:
die erbeuteten Pläne stammten zwar vom französischen Oberkommando, die Planung war jedoch Diskussionsgegenstand des [I]Supreme Command[/I], also dem gemeinsamen Allierten Oberkommando.
dazu:
Hans-Joachim Lorbeer: Westmächte gegen die Sowjetunion
1939-1941, Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges des MGFA Band 18
J. R. M. Butler: Grand Strategy, Vol. II: Sept. 1939-June 1941.
P.s. ich meine übrigens, dass Überlegungen bzgl. der Schweiz bereits bei Butler dargestellt worden sind, in 1957!
26. Nov 2009 um 11:53
Was ist daran Besonderes?
Für uns die sich mit dem Thema beschäftigen ist es nichts Besonderes.
In der Schweiz wurde Churchill immer als eine Art Held oder besser gesagt als Freund der Schweiz angesehen. Dies hatte mit der bekannten Europarede in Zürich zu tun.
Ich denke es geht einfach darum die Geschichte einwenig klarer zu machen und die Realität in die Forschung zu bringen.
26. Nov 2009 um 13:23
Der Brief Churchills an Sinclair (Secretary of State for Air) und Hugh Dalton (ab 1940 Minister für Kriegswirtschaft und geheim, als Minister of Special Operations, Leiter des SOE) vom 27.1. 1941:
"There must be a very great deal of railway traffic from Germany to Italy, coal alone should account for nearly 200.000 tons a week averaged over a year. It is obviously most important that this should be impended in every way. In view of mountainous nature of the country through which the railways run, this should be feasible. Please let me have a report on what has been done and is being done."
Im Januar 1941 konzentrierten sich britische Aktivitäten gegen Italien, da die deutsche Festlands-Position nicht erkennbar erschüttert werden konnte. In Nordafrika hatte Italien bereits schwere Rückschläge einstecken müssen, die Cyrenaika war unter hohen Verlusten verloren gegangen. Die Flotte hatte ebenfalls empfindliche Ausfälle. Als nächste Aktionen wurde das Bombardement von Rom bzw. von Genua durch Seestreitlkräfte erwogen. Diese Aktionen sollten den italienischen Kriegswillen weiter erschüttern, wozu auch die Unterbrechung der Energieversorgung gepaßt hätte.