Dez 21
2009
Spalier am Mördergraben
News in Der Zweite Weltkrieg 3 Kommentare »Der Musikwissenschaftler Hans Heinrich Eggebrecht gehörte im Zweiten Weltkrieg der Feldgendarmerie-Abteilung 683 an, die auf der russischen Halbinsel Krim Greueltaten verübte.
[IMG]http://images.zeit.de/kultur/musik/2009-12/simferopol/simferopol-540x304.jpg[/IMG]
Deutsche Truppen marschieren durch Simferopol – ein Foto vom 22. November 1941. Hans Heinrich Eggebrecht ist nicht zu sehen
Am 9. Dezember 1941 begann in Simferopol, der Hauptstadt der Halbinsel Krim, eine der größten Massenexekutionen von Juden in der südlichen Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs. Bereits in den Tagen zuvor wurden die Juden in mehreren Gebäuden der Stadt zusammengetrieben. Sie mussten, in dem Glauben, umgesiedelt zu werden, zu dem zentral in Simferopol gelegenen ehemaligen Hauptsitz der KP marschieren.
In Kolonnen von Lkw transportierte man sie an die Exekutionsstätte, einen noch von der Roten Armee angelegten Panzergraben, rund 11 Kilometer außerhalb der Stadtgrenze. Dort wurden die Menschen durch ein Spalier von Wachposten getrieben. Sie mussten ihre Schuhe ausziehen, Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt.
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21. Dez 2009 um 22:01
3 Buchempfehlungen dazu:
Die Herrschaft der Wehrmacht ... - Google Bcher
Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militarbesatzung und einheimische Bevolkerung in der Sowjetunion 1941-1944 Band 71 von Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte
Besatzungspolitik und Massenmord ... - Google Bcher
Andrej Angrick: Besatzungspolitik und Massenmord: die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941-1943
Die Krim unter deutscher Herrschaft ... - Google Bcher
Norbert Kunz: Die Krim unter deutscher Herrschaft (1941-1944): Germanisierungsutopie und Besatzungsrealität
Band 5 von Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart
Insbesondere das Buch von Angrick behandelt die Ereignisse auf der Krim, um Simferopol und die Einsätze der Feldgendarmerie der Wehrmacht.
24. Dez 2009 um 10:05
Beim Artikel fällt auf, dass der Name Manstein (OB 11. Armee) übergangen wird. Nach einer Aussage im Strafprozess in München (22 Js 204/61) hatte Manstein die "Einsatzgruppe D" durch den Verbindungsoffizier HStuf. Seynstahl gebeten, die Liquidierung aller "verdächtigen Personen" im Rückraum der Armee bis Weihnachten 1941 durchzuführen. Dass die Einsatzgruppe D Massenexekutionen von Zivilisten in den Dörfen und Städten durchführte, war der 11. Armee bekannt.
Ein zweiter Hinweis bezieht sich auf den Ablauf: wie in anderen Städten wurde dir Bevölkerung unter der Täuschung zusammengezogen, es würde eine Umsiedlung durchgeführt. Zusätzlich war Kennzeichnungszwang eingeführt. Die Menschen ließen sich ahnungslos registrieren, wurden in öffentlichen Gebäuden gesammelt und ohne Gepäck abtransportiert (dem Jüdischen Ältestenrat wurde die Umsiedlung ebenfalls vorgetäuscht). Die Mit-Ermordung der Zigeuner wurde wohl vorgenommen, weil es Vorgaben der 11. Armee gab, dass diese Gruppen ebenfalls ein "Sicherheitsrisiko" darstellten (IMT, NOKW-2535).
Beteiligt waren neben Feldgendarmerie 683 und Geheime Feldpolizei 647 auch einzelne Kompanien der Polizei-Reserve-Bataillone 3 und 9 (3. und 4. Kompanie) - Berliner Polizei. Von der Einsatzgruppe D waren Teile der Sonderkommandos 10b und 11b eingesetzt. Die Ermordungen nahmen Ausmaße an, dass sogar Sanitäter der Polizei-Btl. und der Feldgendarmerie eingesetzt wurden. Die 3. und 4./Polizei-Reserve-Btl. 9, bereits vorher bei solchen Aktionen eingesetzt und mit einigen Ausfällen von "Durchgedrehten", wurde anschließend nach Norwegen geschickt. Die Berliner Polizisten des PRB 3 wurden nach dem Einsatz auf Kommandos verteilt.
Bei den Ermordungen war Ohlendorf persönlich anwesend.
26. Dez 2009 um 15:42
[I]In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ veröffentlichte der Musikwissenschaftler und Journalist Boris von Haken einen Artikel, worin er den Musikhistoriker Hans Heinrich Eggebrecht als Mittäter bei einer Massenerschießung von rund 14.000 Menschen nennt.
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Der Artikel basiert auf einem Vortrag, den Haken am 17. September auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung in Tübingen gehalten hat. Der Vortrag löste heftige Reaktionen aus, viele Musikwissenschaftler waren erschüttert: Eine ihrer Koryphäen, bisher vollkommen unverdächtig, scheint als Mörder enttarnt. Die Stimmen derer, die sich nun von Eggebrecht und seinem wissenschaftlichen Werk distanzieren, mehren sich. Doch auch skeptische Töne sind zu vernehmen. ...[/I]
Nationalsozialismus und Musikwissenschaft: Im langen Schatten deutscher Musik - Debatten - Feuilleton - FAZ.NET