[b]Der Fund von Schmuck und Kosmetika rüttelt weiter am Bild des tumben Neandertalers. Der Urgeschichtler Nicholas Conard über die Bedeutung der Entdeckung.[/b]

Schon seit Jahren bröckelt das Bild, wonach der Neandertaler ein primitives Wesen war. Aber eine Bastion blieb dem modernen Menschen immer noch: die Kunst. Doch jetzt präsentiert der Wissenschaftler João Zilhão von der englischen Universität Bristol von Neandertalern bemalte Muscheln, die belegen sollen, dass auch der Vetter des Homo sapiens ein Gefühl für Ästhetik und Symbolik hatte. Vier Muscheln haben eine Öffnung, so dass man sie an einer Schnur um den Hals tragen konnte, zwei von ihnen sind in Rot- und Ockertönen bemalt. Entdeckt wurden die Muscheln in zwei Höhlen nahe Murcia im Südosten Spaniens. Das Erstaunliche: Die Muscheln sind 50000 Jahre alt, stammen also aus einer Zeit, als der moderne Mensch noch gar nicht in Europa heimisch war (PNAS, online). In einer fünften, nicht durchbohrten Muschel fand Zilhão schließlich kleine, gelbliche Farbklümpchen. Die Muschel sei als Behälter für die Pigmente verwendet worden, vermutet der Anthropologe. Entweder um sie darin zu lagern oder für die Anwendung vorzubereiten. Die Zusammenstellung lege nahe, dass die Neandertaler sie als eine Art "Glitzer-Make-Up"verwendet hätten.
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