Mär 31
2010
So war es nicht
News in Der Zweite Weltkrieg 5 Kommentare »[b]
Ein neues Buch will den Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs zum Widerständler stilisieren.[/b]
Warum heute den General wieder zum Leben erwecken, der in den Jahren 1939 bis 1945 die Schweizer Armee befehligt hat und vor 50 Jahren gestorben ist? Ein Teil der Antwort ist bereits in der Frage gegeben. Es steht ein Jubiläum an, das eine publizistische Präsenz zum Thema ermöglicht, ja erfordert. Ein anderer Teil der Antwort ist inhaltlicher Art. Es geht um die Werte, die man mit diesem Gedenken pflegen kann. Dies ruft freilich noch weitere Fragen auf den Plan: Ob diese Wertezuschreibung richtig ist und was man mit ihr bezweckt. Das von Weltwoche- Redaktor Markus Somm vorgelegte Buch ist der jüngste Beleg für diese instrumentalisierende Gedenkindustrie.
Aus der Sicht der historischen Forschung ist es ein überflüssiges Buch.
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Ein neues Buch will den Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs zum Widerständler stilisieren.[/b]
Warum heute den General wieder zum Leben erwecken, der in den Jahren 1939 bis 1945 die Schweizer Armee befehligt hat und vor 50 Jahren gestorben ist? Ein Teil der Antwort ist bereits in der Frage gegeben. Es steht ein Jubiläum an, das eine publizistische Präsenz zum Thema ermöglicht, ja erfordert. Ein anderer Teil der Antwort ist inhaltlicher Art. Es geht um die Werte, die man mit diesem Gedenken pflegen kann. Dies ruft freilich noch weitere Fragen auf den Plan: Ob diese Wertezuschreibung richtig ist und was man mit ihr bezweckt. Das von Weltwoche- Redaktor Markus Somm vorgelegte Buch ist der jüngste Beleg für diese instrumentalisierende Gedenkindustrie.
Aus der Sicht der historischen Forschung ist es ein überflüssiges Buch.
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31. Mär 2010 um 13:47
Hier noch was der Bund zum Buch schreibt:
Er war kein Held... - News Wissen: Geschichte - derbund.ch
31. Mär 2010 um 14:05
Interessant ist gerade diese Fragestellung aus der Verlinkung:
"Im Zentrum steht die alte Frage, ob die militärische Abwehrbereitschaft oder die wirtschaftliche Kooperation die Schweiz »gerettet« habe."
Die Optionen sind nicht vollständig beschrieben.
Ausweislich der Tagebuchaufzeichnung des Generalfeldmarschalls Ritter von Leeb hat dieser als Urlaubsbeschäftigung im Sommer 1940 die Aufgabe gehabt, den Einmarschplan für die Schweiz zu erarbeiten. Parallel wurde die OKH-Planungsmappe "Schweiz" 1940 erstellt (Kartenwerke und militärgeographische Beschreibung). Die Leeb-Planungen sind detailliert bis hin zu Divisionsnummern (Kräfteansatz: einige mot.- sowie Gebirgsdivisionen), und Aufmarsch- sowie Vormarschräumen.
Wenn man den Gründen nachforscht, wieso es dazu nicht kam, ist doch die deutsche Motivlage nicht auszublenden. ME kann man hier die weiteren Entwicklungen (Planung Operation MARITA sowie Barbarossa) nicht ausblenden, die wohl eher ursächlich für die "Verschiebung" waren. Das war eine Frage von Hitlers Prioritäten.
31. Mär 2010 um 14:21
Wenn man den Gründen nachforscht, wieso es dazu nicht kam, ist doch die deutsche Motivlage nicht auszublenden. ME kann man hier die weiteren Entwicklungen (Planung Operation MARITA sowie Barbarossa) nicht ausblenden, die wohl eher ursächlich für die "Verschiebung" waren. Das war eine Frage von Hitlers Prioritäten.
Nein natürlich nicht. Die deutsche Motivlage finde ich zentral.
Wenn man den beiden Zeitungsberichten glauben schenkt, dann ist das eine weitere Biographie die auf dem Mythos des General Guisan aufbaut. Denn in der Schweiz, darf man keine Kritik am General äussern. Für meinen Grossvater war der General der väterliche Freund und so sehen das immer noch sehr viele Zeitzeugen und auch Nachgeborene.
Wenn ich das hier aus dem Link "Der Bund" lese, dann hat es wohl nicht soviel mit historischer Wahrheit zu tun.
Das Problem des Buches liegt darin, dass sich Somm damit nicht begnügt: Er nutzt sein Werk zum Feldzug gegen alle ganz und halb linken Historiker, die sich getraut haben, die Bedeutung des Reduits zu relativieren. Somm versucht mit seiner Guisan-Biografie die alte, bürgerliche, das Militärische stark gewichtende Geschichtsschreibung zu rezyklieren und so die linken 68er-Historiker zu diskreditieren.
Dazu muss man aber wissen, dass Somm bei der Weltwoche stellvertretender Chefredaktor ist. Die Weltwoche, einige kennen sicher Roger Köppel, ist eine Wochenzeitschrift die eher bei den politisch Rechten zu finden ist (Sprich SVP).
Scheinbar stuft er jeden der den General und das Reduit kritisch anschaut als linker Historiker ein. Solch eine Pauschalisierung finde ich nicht sehr förderlich für eine objektive historische Arbeit.
Allerdings entsteht der Eindruck, dass der Autor vor allem dann deutlich wird, wenn es darum geht, die ReduitSkeptiker zu kritisieren. Geht es um die Wertung der historischen Ereignisse, bleibt Somm dagegen vorsichtig. Er räumt ein, dass sich die Frage, weshalb die Schweiz vom Krieg verschont geblieben sei, letztlich nie werde eindeutig beantworten lassen – war es das Reduit? Waren es andere Gründe? Solche Fragen würden «zur Spekulation» zwingen.
Somms Vorsicht zeugt von der Redlichkeit des Historikers. Offen bleibt, weshalb er im Urteilen über jene, die zu anderen Schlüssen kommen wie er, nicht ebenso nuanciert ist.
01. Apr 2010 um 10:42
Ich ergänze den Zeit-Artikel mit weitern Artikel aus der NZZ von heute 1.04.2010
Des Volkes General
«Im Land der Zwerge wuchs Guisan zu einem Riesen»
Dann ein Video von SF DRS aus dem Jahr 1960:
Abschied von Guisan
NZZ vom 13.6.1960
Bilder aus der NZZ
03. Apr 2010 um 13:06
Wer sich ernsthaft damit befassen möchte, sollte sich mal diese Doku ansehen und die anschliessende Diskussion mit dem Historiker Jakob Tanner:
Schweizer Fernsehen: SF Videoportal - Sternstunde Philosophie - Ganze Sendung