Zwei Leichen in einer Villa am Starnberger See. Waffenhandel. Geheimdienst. Schmiergeld. Der Mord an Otto Praun und Elfriede Kloo vor 50 Jahren gibt bis heute Rätsel auf.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-04/vera-bruehne-gericht/vera-bruehne-gericht-540x304.jpg[/IMG]
Das Archivbild zeigt Vera Brühne 1962 mit ihrem Verteidiger Franz Moser im Gerichtssaal in München

Am Morgen des Dienstags nach Ostern, 19. April 1960, kommt Otto Praun nicht in seine Praxis. Die Sprechstundenhilfe des Gynäkologen, Renate M., ruft ihn in seiner Villa in Pöcking an; er nimmt nicht ab. Abends fährt sie an den Starnberger See. Im Keller liegen zwei Leichen: Dr. Praun und Elfriede Kloo, seine Haushälterin, womöglich Geliebte.

Eine Pistole liegt neben beiden. Die Polizei glaubt, Praun habe Elfriede Kloo und sich selbst erschossen. Auch Prauns Sohn Günther geht von einem "erweiterten Suizid" aus. Das sagt er Vera Brühne, als er sie in Bonn anruft, wo sie ihre kranke Mutter besucht.

Die 1,78 Meter große, schlanke, elegante Blondine ist ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse der biederen Adenauer-Republik. Die Blätter beschreiben sie als geldgierige "Lebedame". In der Tat begleitet Brühne oft großzügige Herren, aber Nachbarn bezeugen, nie habe einer bei ihr übernachtet.

Zurück ins Jahr 1960. Das Testament wird eröffnet. Als Günther Praun hört, dass sein Vater Vera Brühne lebenslanges Wohnrecht in der spanischen Villa in Lloret vermacht, wird er misstrauisch. Er lässt die Leichen exhumieren. Ein Gerichtsmediziner entdeckt in Prauns Schädel eine zweite Kugel – Suizid unwahrscheinlich.
Weiterlesen »