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1627 wurde der Auerochse ausgerottet. Seit Jahrzehnten versucht man ihn "zurückzuzüchten" – vergeblich. Ein Beispiel, das zeigt, was beim rasenden Verlust unserer Artenvielfalt auf dem Spiel steht.[/b]

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Ein nachgezüchteter Auerochsbulle auf den Ilkerbruchwiesen bei Wolfsburg

Dunkle, archaische Gestalten blicken den Besucher an. Ihre kräftigen Hörner zeigen nach vorne, scheinen auf den Betrachter zu zielen. Sieht man sie zum ersten Mal, denkt man sofort an die schnaubenden [i]toros[/i] in der spanischen Arena. Dabei grasen sie vollkommen friedlich in der Spreeaue zehn Kilometer nördlich von Cottbus. Im Vordergrund stehen die beiden Stiere, bemuskelt wie die Klitschkobrüder, den mächtigen Schädel von ein paar Locken umspielt. Aus den Augen blitzt eine kräftige Dosis Testosteron. »Das macht die regelmäßige sexuelle Aktivität«, sagt Wolfram Hotzler, Geschäftsführer der Auerochsenreservat Spreeaue GmbH, dem die Herde gehört.

Man sieht den Tieren das Alter der Art nicht an. Doch sie ist Tausende Jahre alt – zumindest sind es einige Gensequenzen des Erbguts. Hier grast auf deutscher Au die Kopie des einst größten Landsäugetieres Europas: Bos primigenius, der Auerochse oder Ur. Er war der mächtige Herrscher der Wiesen und Wälder, Inbild der Kraft und der Wildheit, bis zu einer Tonne schwer, mit fast zwei Metern Stockmaß und gewaltigen Hörnern von bis zu achtzig Zentimetern Länge. Der Stammvater unserer Hausrinder.

Die Cottbusser Nachfahren der Ure sind ein wenig kleiner, aber immer noch Ehrfurcht gebietend. 40 Tiere leben hier auf 52 Hektar Weideland, zwischen Birken- und Kiefernwäldchen. Die Herde ist bildschön und hat doch ein Identitätsproblem. Eigentlich sind dies gar keine Auerochsen, sondern nur Aueroxen, so heißt die neue Kompromissvokabel. Sie liegen irgendwo in der Mitte zwischen Original und Fälschung. Manche nennen sie auch einfach Heck-Rinder.
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