Jun 05
2010
»Ich sehe lauter frohe, ruhige Tätigkeit«
News in Französische Revolution & Napoleonische Epoche Noch keine Kommentare »Erfolgreicher Handel und soziales Engagement gehören für viele Hamburger Kaufleute in der späten Aufklärungsphase zusammen. Einer von ihnen ist Caspar Voght: Im Dorf Flottbek gründet er einen Gutshof, auf dem er seine Ideale realisiert.
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''Der Menschenliebe von Menschenfreunden'' Stahlstich von L. Wolf aus dem Jahre 1805 Idealisierte Ansicht des Hamburger Schul- und Arbeitshauses (1800)
Ihre Stimmen hallen über das graugrüne Wasser, das sich hier vor den Toren der Stadt zur äußeren Alster gestaut hat. Mit Tränen in den Augen singen sie – fast achtzig Frauen und Männer, festlich gewandet, fröhlich gestimmt, feierlich gerührt. »Freie Deutsche, singt die Stunde, / Die der Knechtschaft Ketten brach. / Schwöret Treu dem großen Bunde / Uns’rer Schwester Frankreich nach«, so klingt es aus voller Kehle und voller Seele.
Die jungen Damen tragen lange weiße Kleider, welche die Knöchel nur manchmal den männlichen Blicken freigeben. Um die geschnürten Taillen haben sie sich Schärpen in den französischen Nationalfarben gebunden: [I]bleu, blanc, rouge,[/I] ihre Strohhüte sind mit Schleifen geschmückt. Die ausgelassenen Frauen und Männer bejubeln, was vor einem Jahr, am 14. Juli 1789, geschah – den Beginn der Französischen Revolution, den Sturm auf die Bastille in Paris, den Ruf nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Was für Ideale – die gilt es zu feiern, auch in Hamburg, während das »glückliche Jahr« 1790 in Paris beim Föderationsfest auf dem Marsfeld zelebriert wird.
In der naturbelassenen Schönheit des Alsterufers – keine Prachthäuser, keine versailleschen Gärten – feiert die Gesellschaft sich und die Revolution und ist für kurze Weile fern der städtisch-ständischen Konventionen.
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