Jun 11
2010
Jenseits von Asterix
News in Geschichtsmedien und Literatur 4 Kommentare »In Frankreich und den USA haben historische Comics Tradition. Jetzt ziehen die deutschen Zeichner nach.
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Elender Krieg: Der erste Teil von Jacques Tardis Comic erschien 2006
Eben noch paradierten sie in ihren Uniformen unter dem Jubel der Bevölkerung durch die Straßen von Paris, Berlin und Wien, im nächsten Bild sind sie nur noch verwesende Körper, die an einem sonnigen Tag des Jahres 1914 auf einem namenlosen Feld von Krähen zerpickt werden – mit dieser Sequenz eröffnet der französische Zeichner Jacques Tardi seinen Comic Elender Krieg. Der erste Teil, 1914–1915–1916, ist 2006 erschienen, Teil zwei ist für dieses Jahr angekündigt.
Auf einem Szenario des Historikers Jean-Pierre Verney beruhend, der außerdem eine militärhistorische Analyse sowie Fotodokumente beigesteuert hat, führt Tardi vor Augen, welche Folgen die auf hohe Opferzahlen und Profit gerichtete Modernisierung der Kriegsmittel hatte: Er zeigt das Leiden und Sterben der Soldaten in aller Drastik, zeigt die zerfetzten, zerstückelten Leiber und kontrastiert diese Bilder mit den kriegsverherrlichenden Reden der mächtigen »alten Männer«. Das ist nicht besonders subtil, seine aufklärende Wirkung aber verfehlt es nicht: Elender Krieg ist, trotz seiner nicht unproblematischen Schreckensästhetik eine hervorragende Lektüre für den Geschichtsunterricht.
Tardis Bildromane – darunter weitere Werke über den Ersten Weltkrieg und eine Schilderung der Pariser Kommune – zählen zu einem Genre, das zwar nicht neu ist, aber seit einiger Zeit geradezu boomt: Von Marjane Satrapis Erinnerungen an ihre Kindheit in Iran (Persepolis) bis zu Flix’ Cartoons über die Wendezeit (Da war mal was…) sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Comics erschienen, in denen historische Ereignisse nicht bloße Kulisse, sondern das eigentliche Thema sind.
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11. Jun 2010 um 19:03
Danke El Quijote für das Vorstellen dieses Artikels. Ich habe heute noch im Auto meiner Freundin erzählt, dass ich auf ARTE einen Beitrag über gesellschaftskritische und vor allem Anti-Kriegs-Comics gesehen habe. Leider konnte ich mich an keinen Namen mehr erinnern... jetzt weiß ich wieder mehr. Auf jeden Fall eine sehr spannende Sache, die dem Genre Comic auch mal "Ernsthaftigkeit" erlaubt.
16. Jun 2010 um 16:18
Eigentlich wird die Ankunft des Comics in der "Ernsthaftigkeit" seit meinem Studium 1988-92 verkündet, und das ist nur das was ich in meine Hörweite bekam.
Leider funktioniert die Entwicklung auch in die andere Richtung: mit Comic-Adaptionen wie "300" wird natürlich auch das Medium [I]Historischer Film [/I]verunernsthaftet, aber [I]lustig[/I] ist das Ergebnis auch nicht.
16. Jun 2010 um 16:25
Hier gibt es auch historische Comics:
Vindonissa Museum - Prisca und Silvanus. Die Zerstörung von Augusta Raurica 50012
16. Jun 2010 um 17:11
@ Mummius Picius
Bei mir kam die Verkündung sowieso generell spät an, da ich mich erst seit zwei Jahren überhaupt mit Comics beschäftige. In dieser Zeit habe ich aber auch gelernt, dass auch in Comics wie der Asterix-Reihe wenigstens ein wenig mehr steckt als nur lustige Unterhaltung.