Jun 28
2010
Hölle auf Wellen
News in Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.) 14 Kommentare »[b]
Stolz und schnell kreuzten sie das Mittelmeer: Die Galeeren Venedigs, Frankreichs, Spaniens und des Osmanischen Reichs. Doch das Leben an Bord war grausam.[/b]
Schweiß rinnt über die Rücken. Die Sklaven auf den Ruderbänken stöhnen. Sie drücken die Riemen nach vorn. Die Ruderblätter gleiten auf das Wasser herab, tauchen ein. Dann lassen die Männer ihren Oberkörper nach hinten fallen und reißen die Riemen wieder zu sich heran. Dabei ziehen sie die Ruder aus dem Wasser. Ohne Pause stemmen die ausgemergelten Gestalten die Riemen erneut nach vorn. Alle schuften in einem Takt, arbeiten wie eine Maschine. Paukenschläge geben den Takt vor. Wer das Tempo nicht halten kann, bekommt die Peitsche zu spüren. Die Aufseher dreschen mit voller Kraft auf die nackten Rücken ein.
Mit solchen Szenen prägt William Wylers 1959 gedrehtes Hollywood-Epos Ben Hur noch heute unser Bild von antiken Galeeren. Doch der Regisseur hat sich ganz offensichtlich in den Jahrhunderten vergriffen. Denn bei Römern und Griechen waren Sklaven auf den Ruderbänken eine absolute Ausnahme. Prügelnde Aufseher, sadistische Kapitäne, angekettete Sklaven – das alles gab es erst viele Jahrhunderte später: in der christlichen und islamischen Seefahrt.
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Stolz und schnell kreuzten sie das Mittelmeer: Die Galeeren Venedigs, Frankreichs, Spaniens und des Osmanischen Reichs. Doch das Leben an Bord war grausam.[/b]
Schweiß rinnt über die Rücken. Die Sklaven auf den Ruderbänken stöhnen. Sie drücken die Riemen nach vorn. Die Ruderblätter gleiten auf das Wasser herab, tauchen ein. Dann lassen die Männer ihren Oberkörper nach hinten fallen und reißen die Riemen wieder zu sich heran. Dabei ziehen sie die Ruder aus dem Wasser. Ohne Pause stemmen die ausgemergelten Gestalten die Riemen erneut nach vorn. Alle schuften in einem Takt, arbeiten wie eine Maschine. Paukenschläge geben den Takt vor. Wer das Tempo nicht halten kann, bekommt die Peitsche zu spüren. Die Aufseher dreschen mit voller Kraft auf die nackten Rücken ein.
Mit solchen Szenen prägt William Wylers 1959 gedrehtes Hollywood-Epos Ben Hur noch heute unser Bild von antiken Galeeren. Doch der Regisseur hat sich ganz offensichtlich in den Jahrhunderten vergriffen. Denn bei Römern und Griechen waren Sklaven auf den Ruderbänken eine absolute Ausnahme. Prügelnde Aufseher, sadistische Kapitäne, angekettete Sklaven – das alles gab es erst viele Jahrhunderte später: in der christlichen und islamischen Seefahrt.
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30. Jun 2010 um 14:07
Dazu fällt mir eine Skurrilität ein: Luzern unterhielt extra auf dem Vierwaldstättersee eine Galeere, um Kriminelle zur Galeerenstrafe verurteilen zu können.
30. Jun 2010 um 14:14
Dazu fällt mir eine Skurrilität ein: Luzern unterhielt extra auf dem Vierwaldstättersee eine Galeere, um Kriminelle zur Galeerenstrafe verurteilen zu können.
Hast du da eine Quelle?
Edit: Hab es selber gefunden.
http://www.thata.ch/tagungfreiheitsentzug3nov2009moosseedorfreferatthomashuonker.pdf
30. Jun 2010 um 14:19
Dazu fällt mir eine Skurrilität ein: Luzern unterhielt extra auf dem Vierwaldstättersee eine Galeere, um Kriminelle zur Galeerenstrafe verurteilen zu können.

Bring Obama nicht auf Gedanken ......
Die haben dort Grosse Seen........
.
30. Jun 2010 um 14:41
Dazu fällt mir eine Skurrilität ein: Luzern unterhielt extra auf dem Vierwaldstättersee eine Galeere, um Kriminelle zur Galeerenstrafe verurteilen zu können.Hoi zäme
Mich dünkt das eigenartig. Ich weiss natürlich, dass damals in den Zentralschweizer Kantonen Galeeren-Strafen verhängt wurden. Allerdings wurden die Verurteilten zur Verbüssung der Strafe „auswärts“ gegeben. Wenn Luzern eine geeignete Geleere gehabt hat, weshalb gab man sie nicht dahin?
Zahlten die anderen besser?
Siehe auch hier: http://www.geschichtsforum.de/382300-post8.html
Gruss Pelzer
.
30. Jun 2010 um 14:56
So kurios ist die Existenz von Galeeren auf Binnenseen gar nicht. Da hier der Wellengang eher mäßig ist kamen sie unter Rudern sehr schnell voran. Sie erfüllten teilweise Polizeiaufgaben gegen Schmuggler aber schlugen auch echte Seeschlachten, wie die Venezianer auf dem Gardasee.
Auch auf dem Genfer See waren Galeeren im Einsatz. Ein Nachbau einer Solchen aud dem 18. Jh. schwimmt dort heute als Touristenschiff, allerdings mit Dieselmotor..La Galère - Accueil
30. Jun 2010 um 15:00
Hast du da eine Quelle?
Ich hatte das aus einem Buch über den Strafvollzug zur Zeit der Aufklärung, das ich während meines Jus-Studiums für eine Arbeit gelesen hatte. Titel und Autor weiß ich natürlich nicht mehr.
30. Jun 2010 um 16:03
Neben dem in dem Zeit-Artikel erwähnten Buch von dem französischen Galeerensträfling Jean Marteilhe gibt es noch den über 100 Jahre älteren Bericht des Michael Heberer aus Bretten, der Ende des 16. Jh. in osmanische Gefangenschaft geriet und 3 Jahre auf einer Galeere rudern musste. Ob auf muslimischen oder christlichen Schiffen, die Behandlung der Rudersklaven war überall gleich schlimm. Besonders die schlechte Verpflegung reichte kaum zum Überleben. Als wegen eines Krieges die Brotpreise in Istanbul sehr hoch waren nahm Heberers Patron keinen Proviant mit auf eine längere Fahrt . Da die Sklaven vor Hunger und Schwäche kaum noch rudern konnten befahl er sie kräftiger zu schlagen . Das war selbst dem Aufseher zu viel und er weigerte sich den Befehl auszuführen ,da er sah in welch kläglichen Zustand die Ruderer waren. Da musste der Pascha selbst zur Peitsche greifen. Deshalb versuchten die Sklaven sich auf verschiedene Weise Geld zu verdienen um sich zusätzliche Nahrung kaufen zu können. Meist mit dem Stricken von Strümpfen und Mützen, die über Zwischenhändler, die die Wolle besorgten weiterverkauft wurde. Das machte Marteillhe in Frankreich, ebenso wie Heberer auf der osmanischen Galeere.
Es gab auch einige sehr prominente Figuren der Geschichte die das Leben auf der Ruderbank am eigenen Leibe erfahren mussten. So der Korsar Turgut (Dragut) in genuesischer Gefangenschaft und Uluji Ali (Ochialli) der eigentlich Italiener war und als Jugendlicher von Korsaren entführt wurde war bis zu seinem Übertritt zum Islam Rudersklave. Arudj(Harudsch) einer der Barbarossa-Brüder schuftete auf einer Ordensgaleere der Johanniter und Jean de la Valette, der berühmte Großmeister saß auch über ein Jahr am Ruder einer Galeere der Osmanen. Uluji, der spätere Kapudan-Pascha(Flottenminister) hatte offenbar seine Sklavenzeit nicht vergessen denn er soll seine Ruderer einigermaßen menschlich behandelt haben.
30. Jun 2010 um 16:05
Zu Heberer auch hier: Michael Heberer ein Galeerensklave in der Türkei - der Kaperkrieg im Mittelmeer
30. Jun 2010 um 16:47
Zu Heberer auch hier: Michael Heberer ein Galeerensklave in der Türkei - der Kaperkrieg im Mittelmeer
Ich hatte einmal das Buch "aegyptiaca Servitus" von Heberer, der übrigens ein Neffe oder Großneffe von Melanchton war. Es gab es auch als ,in leserlichers Deutsch übersetztes Büchlein namens :" der kurpfälzer Robinson".Das kann ich wirklich empfehlen. Heberer beschreibt sehr schön und teilweise recht amüsant Orte und Bräuche, von Marsaille, Malta, Alexandria, Kairo und Istanbul, das er übrigens Stamboli nennt. Auch von seinem Leben als Sklave oder dem miesen Verhalten des deutschen Botschafters in Istanbul, seinem in Not geratenen Landsmann gegenüber. Geholfen hat ihm letztendlich der französische Gesandte der den Freikauf organisierte. Auf seiner Reise war er bei dem Bau der Rialtobrücke in Venedig und bei der Aufrichtung des Obelisken vor dem Petersdom anwesend Als ich einmal in der Nähe von Bretten war, wollte ich mir das Heberer-Haus mal ansehen. Leider war es zwei Tage vorher restlos abgebrannt:weinen:.
30. Jun 2010 um 19:44
Wer Interesse an den Memoiren des hugenottischen Ruderers hat -ich habe es mal auf den Scanner gelegt. Es ist aber nur noch gebraucht zu bekommen da es in der DDR erschienen ist.
30. Jun 2010 um 22:03
Wer Interesse an den Memoiren des hugenottischen Ruderers hat -ich habe es mal auf den Scanner gelegt. Es ist aber nur noch gebraucht zu bekommen da es in der DDR erschienen ist.
Ich hab das mal antiquarisch gefunden. Ist gut lesbar und hoch interessant.
30. Jun 2010 um 23:22
Erschien aber auch bei CH. Beck, München (allerdings ebenfalls vergriffen).
01. Jul 2010 um 22:55
Man liest immer vom sicheren Untergang der Rudersklaven-und sträflinge und das ist auch vollkommen richtig, da sie an ihre Bank gekettet waren. Den Söldnern in der Renaissance ging es aber auch ohne Kette kaum besser. Durch ihre schweren Panzer wurden sie erbarmungslos in die Tiefe gezogen, wenn sie im Gefecht über Bord gingen. Da sie auch keine ausgebildeten Seesoldaten waren(bei Lepanto waren eine große Anzahl deutscher und schweizer Landsknechte auf den Galeeren der Liga) und in ihrem bisherigen Leben das Meer noch nie gesehen hatten ,waren auch viele von ihnen Nichtschwimmer. Zitat Michael Heberer: " ...Daher stellten sich verschiedene von den Unseren auf den Sporn(Rammsporn), um in das feindliche Schiff hineinzuspringen. Aber der Sporn wurde dadurch so beschweret, dass er abbrach und viele ins Meer fielen und jämmerlich ertrinken mussten.... ich sah unter den Hineingefallenen meinen Reisegefährten aus Frankreich, den Ritter de Maidle. Ich warf ihm ein Seil zu..., aber er war ein master, dicker Mann, dazu mit Sturmhut und Brustharnisch beschweret, und so musste er leider ersaufen."
02. Jul 2010 um 03:38
Sollte es jemand neu suchen und es sich auf englisch antun wollen: Das Buch wurde gerade in GB neu aufgelegt, unter dem Namen "Seafarers Voices No 1: 'Galley Slave: The Autobiography of a Protestant condemned to the French Galleys'" # ISBN: 9781848320703 # Publisher: Seaforth Publishing, und ist auch über einen Internetvertreiber von Büchern, auf deren deutscher Seite zu einem relativ zivilen Preis zu haben.