Zufälle sind Teil der Wirklichkeit. Manchmal bedarf es eines Zufalls, um ein Tor aufzustoßen, das ganz neue Erkenntnisse ans Tageslicht fördert. So erging es dem Leipziger Verleger Joachim Jahns. Er veröffentlichte die Autobiografie einer 93-jährigen Frau. Ein 92-jähriger Mann, einst Angehöriger der Waffen-SS und im Warschauer Ghetto eingesetzt, erfährt davon und zieht gegen den Verlag und die Autorin Lisl Unger vor Gericht.

Unger war 1942 von einem Polizeioffizier schwanger geworden, der danach nach Warschau versetzt wurde. Im beschriebenen SS-Mann glaubt sich nun Jahrzehnte später der in der Nähe von Hannover lebende Erich Steidtmann wiederzuerkennen. Von dessen Klage wird Jahns aufgeschreckt, denn es geht um die Existenz des kleinen Verlages. Der Herausgeber vertieft sich in Archive in mehreren Ländern und fördert Erschreckendes zutage. Steidtmann war nach Überzeugung Jahns an der Liquidierung der jüdischen Bevölkerung in Warschau beteiligt. Bei seiner Herkulesaufgabe stößt Jahns – vor allem bei der Einsicht von Stasiakten – auch auf das Schicksal eines anderen SS-Angehörigen. Franz Konrad heißt der Mann, einst der „Ghettokönig von Warschau“ genannt. Jahns zeigt sich von Konrad, einem Unmenschen, der versucht hatte, menschlich zu bleiben, fasziniert.
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