Auch in England mussten die Juden lange um Glaubensrecht und Bürgerfreiheit kämpfen. Davon erzählen die Chroniken des Mittelalters genauso wie Shakespeares Dramen.


[I]Kanaph ha’aretz[/I], »Winkel der Erde«, nannten die Juden die Insel jenseits des Ärmelkanals, als der neue Herrscher dort sie rief. Es ist die sehr wörtliche hebräische Übersetzung des französischen Begriffs [I]Angleterre[/I] – zugleich ein Verweis auf Jesaja 11,12, wo prophezeit wird, dass der Tag kommt, an dem der Herr die Verstreuten aus allen vier Winkeln (oder Enden) der Erde versammeln wird.

Der neue Herrscher in [I]Kanaph ha’aretz[/I] ist der Normannenfürst Wilhelm, Wilhelm der Eroberer. 1066 war ihm die Invasion von Frankreich aus geglückt, bei Hastings schlug er das Heer der Sachsen unter ihrem König Harald. Der englische König aus Frankreich will sein Reich von Grund auf neu errichten.

Dazu holt er auch Juden aus Rouen ins Land. Sie haben nur zwei Aufgaben: Sie sollen als Bankiers die Naturalwirtschaft auf Geldwirtschaft umstellen und als Ärzte Kranke heilen. Sie dürfen sich »wie Eigentum des Königs« im ganzen Land frei bewegen, haben vor Gericht Anspruch auf eine paritätisch mit Juden besetzte Geschworenenbank und können ihren Eid nach eigener Formel leisten.

Anfangs geht alles gut.
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