Feb 10
2005
Von des Kaisers Bagdadbahn bis zum Transrapid
News in Die großen Kolonialreiche 5 Kommentare »Die Kolonialisierung war stets erfolgreich, wenn sie technokratisch daherkam, wenn auf militärische Mittel verzichtet wurde. Zu diesem Befund kommt der Historiker Dirk van Laak in seiner jetzt vorliegenden Habilitationsschrift: "Imperiale Infrastruktur. Deutsche Planungen für eine Erschließung Afrikas 1880 bis 1960".
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10. Feb 2005 um 10:36
[COLOR=DarkRed]Die Kolonialisierung war stets erfolgreich, wenn sie technokratisch daherkam, wenn auf militärische Mittel verzichtet wurde. Zu diesem Befund kommt der Historiker Dirk van Laak in seiner jetzt vorliegenden Habilitationsschrift: "Imperiale Infrastruktur. Deutsche Planungen für eine Erschließung Afrikas 1880 bis 1960".[/COLOR]
Also ich bin kein Akademiker, aber wie kommt er bei dem Titel seiner Arbeit und mit dem weiten Bogen, den er da von der Bagdadbahn bis zum Transrapid spannt, zu diesem Ergebnis?
Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst ansetzen soll.
1) Weder das osmanische Reich noch China ist zum jeweiligen Zeitpunkt ein Kolonie.
2) Beide Länder liegen nicht in Afrika...
und so weiter.
Allein die Erwähnung des Transrapid im Zusammenhang mit Kolonialismus lässt mir die Haare zu Berge stehen. Soll denn jede Investition in einem anderen Land eine Form von Wirtschaftskolonialismus sein? Der sogenannte "Dollar-Imperialismus"? Das hört sich an, als wäre die Arbeit von einem Anti-Globalisten auf Kuba geschrieben worden. :S
Aber zum Kern seiner Aussage. Ist ja durchaus eine vernünftige These, daß eine "wirtschaftliche Kolonisation" erfolgreich sein kann. Das war ja auch der ursprüngliche Ansatz von Bismarck, als er die Kaufleute in den Schutzgebieten erstmal selbst zur Verwaltung verdonnerte. (Deutsch-ostafrikanische Gesellschaft, Neu-Guinea-Compagnie etc.)
Das Problem war aber, daß die Gesellschaften irgendwann in der Situation kamen, daß (warum auch immer) ihre Investitionen in Gefahr waren und drohten verloren zu gehen. Obwohl es nicht kleine Gesellschaften waren, waren sie mit der Verwaltung und Sicherung eines ganzen Landes einfach überfordert. Das Ende: Sie riefen den Staat um Hilfe, der einspringen mußte.
Gerade bei einer so großen Investition wie einer Eisenbahnlinie hätte doch damals keine AG angefangen zu bauen, wenn sie keine militärischen Garantien als Schutz für die Investitionen bekommen hätten. Das zeigen ja auch die Beginndaten der Eisenbahnplanung/ bzw. des Baus (1891 DOA, 1897 DSWA, 1905 Kamerun, 1904 Togo)
Die Schlußfolgerung könnte also eigentlich nur lauten "Kolonialisierung war stets erfolgreich, [U]solange[/U] sie technokratisch daherkam, wenn auf militärische Mittel verzichtet wurde."
Aber was war das für eine Kolonisation bis zu diesem Punkt? Die Kaufleute, ihre Verwaltungsgesellschaften wurschtelten auf dem tiefem Niveau des Handels mit der indigenen Bevölkerung herum und als diese merkten, daß die Fremden sie übervorteilten oder ausnahmen, da wollten sie die wieder aus dem Land bekommen.
Ist das [U]erfolgreich[/U] ?
Also ich hoffe, daß dieser Artikel die Arbeit des Doktoranten nur verkürzt und verfälscht wiedergibt, denn nach dem, was dort steht, sollte er den Hut nach meiner Meinung nicht verdienen. :runter:
10. Feb 2005 um 22:40
Also ich hoffe, daß dieser Artikel die Arbeit des Doktoranten nur verkürzt und verfälscht wiedergibt, denn nach dem, was dort steht, sollte er den Hut nach meiner Meinung nicht verdienen. :runter:
Laut dem Artikel handelt es sich nicht um die Arbeit eines Doktoranden, sondern um eine Habilitationsschrift.
So schnell kann's passieren, daß etwas verfälscht wiedergegeben wird...
10. Feb 2005 um 22:49
Laut dem Artikel handelt es sich nicht um die Arbeit eines Doktoranden, sondern um eine Habilitationsschrift.
So schnell kann's passieren, daß etwas verfälscht wiedergegeben wird...
Stimmt. Mein Fehler. Da habe ich die Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde mit der "zum Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung für eine Dozentur" verwechselt. :sorry:
Vom Inhalt her steh ich aber zu meiner Kritik.
11. Feb 2005 um 00:04
sachte sachte, sollte man so eine fundamentalkritik nicht eher auf grundlage der habitilationsschrift und nicht auf eine "zusammenfassung" in irgendeinem e-zine gründen?
11. Feb 2005 um 08:49
Lieber Collo,
natürlich stimme ich dir zu. Eine sachgerechte Besprechung kann nur nach einer Durcharbeitung dieser Arbeit erfolgen und nicht aufgrund einer Zusammenfassung von Dritten, deren Qualifikation man nicht einschätzen kann. Ich hoffte das durch den letzten Satz auch deutlich gemacht zu haben, stelle das aber gern hiermit nochmals klar.
Das, was ich gestern hier von mir gegeben habe, entsprang meinem Entsetzen und Ärger über die in der Pressemeldung wiedergegebene (scheinbare) Essenz dieser Arbeit. Die, in meinen Augen, hanebüchenen Erkenntnisse und Schlagwörter brachten meinen Puls auf Höchstwerte.
Ich mußte mir auf diese Weise Luft verschaffen, sonst wäre ich wohl geplatzt.
Wenn ich, nach gründlichem Studium dieser Arbeit, zu einer anderen Einschätzung kommen sollte, werde ich das gern hier kundtun und mich auch beim Autor entschuldigen.
Ich denke, das ist das, was dazu mit dem jetzigen Kenntnisstand sagen wäre.