Mär 26
2005
Bismarcks Sturz
News in Das Deutsche Kaiserreich 8 Kommentare »»Der Lotse verläßt das Schiff«, hieß es in der englischen Presse, als Otto von Bismarck nach 28 Dienstjahren am 20. März 1890 seine Entlassung entgegennahm. Zwischen dem jungen Kaiser Wilhelm II. und seinem Kanzler war es zu einer tiefen Entfremdung gekommen. Der seit 1888 regierende Wilhelm II. wollte die Staatsgeschäfte nicht mehr dem Kanzler überlassen und verlangte von Bismarck über dessen Gespräche mit Abgeordneten informiert zu werden. Bismarck wies dieses Ansinnen jedoch unter Verweis auf eine fast 40 Jahre alte Kabinettsorder zurück und legte am 18. März sein Abschiedsgesuch vor. Sein Nachfolger wurde der General der Infanterie Leo von Caprivi.
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03. Apr 2005 um 15:21
Damit begann dann auch das Unglück. Der Rückversicherungsvertrag mit Rußland wurde nicht mehr erneuert. Deutschland hatte es dann mit zwei mächtigen Gegnern zu tun. Nämlich Rußland unf Frankreich. Das Vereinigte Königreich hielt sich noch neutral. :(
03. Apr 2005 um 23:11
Tja, hätte er mal lieber darüber nachgedacht, wem er die Kaiserwürde letztlich zu verdanken hatte...:rolleyes:
03. Apr 2005 um 23:25
Im Nachhinein ist es natürlich immer leicht Fehler zu erkennen, aber ich möchte euch bitten auch mal einen anderen Blickwinkel aus der Zeit und aus dem Gesichtspunkt des jungen Kaisers einzunehmen.
Bismarck hat sich standhaft geziert den fortschrittlichen Gedanken des Kaisers zu folgen, der volksnaher und eher bereit war sich der modernen Gesellschaftsstruktur anzupassen. Bismarck war wohl doch noch zu sehr in der Gedankenwelt der preußischen Junker verhaftet, der in der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie die vaterlandslosen Gesellen sah. Mit der neuen Klasse der Arbeiterschaft in der fortschreitenden Industrialisierung tat er sich schwerer als der junge Kaiser. Bismarck sah nur die Notwendigkeit etwas für sie zu tun, um sie von den "Rattenfängern" der Sozialdemokratie fern zu halten (Sozialgesetzgebenung). KWII schien mir da viel eher wirklich an deren Schicksal interessiert. Nicht, daß er die SPD mochte, aber er mochte auch die Arbeiter als Teil seines Volkes und machte sich Gedanken um ihr Wohl, doch wurde er bei seinem Kanzler, der ihn nicht ernst nahm, nicht gehört.
04. Apr 2005 um 00:03
Nunja das "sich Gedanken um ihr Wohl machen" sollte man vielleicht ein wenig relativieren,denn schließlich sind seine Bürger millionenweise im ersten Weltkrieg gestorben.
Was ich für ein großes Problem zwischen den beiden befinde,ist die jeweilige Haltung zu Kolonien.
04. Apr 2005 um 08:52
Nunja das "sich Gedanken um ihr Wohl machen" sollte man vielleicht ein wenig relativieren,denn schließlich sind seine Bürger millionenweise im ersten Weltkrieg gestorben.

Die Kriegsschuldfrage wurde ja in den zurückliegenden Jahrzehnten ausgiebig diskutiert. Wilhelms Bemühungen um ein Bündnis mit Rußland (Bündnisvertrag von Björko 1905) und seine Vorstellungen vom bevorstehenden Krieg ("Warum müssen wir Frankreich angreifen, wenn Österreich Krieg gegen Serbien führt?" 1914) sind für mich Belege, daß er diesen Krieg tatsächlich nicht wollte. Bei seinen Biografen (Röhl, Sombart etc.) und Historikern erzeugen diese Episoden ein mitleidiges Lächeln über Wilhelms Naivität. Er war ein (wichtiges) Rädchen im Uhrwerk das zum Weltkrieg führte, war mit Schuld am Krieg und diplomatisch oft tölpelhaft, aber er war weit davon entfernt die blutrünstige Bestie der amerikanischen Propaganda zu sein.
Aber das führt vom Thread-Inhalt jetzt etwas weg...
Dieser Punkt interressiert mich jetzt allerdings doch:
Was ich für ein großes Problem zwischen den beiden befinde,ist die jeweilige Haltung zu Kolonien.
Ich beschäftige mich bekanntlich recht intensiv mit der Kolonialgeschichte. Was mir so bisher an Quellen vorliegt, werte ich so, daß Wilhelm zwar von der Weltgeltung träumte und Kolonien als ein "Muß" in diesem Kontext ansah, er aber tatsächlich viel mehr Bedeutung in einer starken Flotte sah. Tatsächlich zeigte er wenig Begeisterung für seine Kolonien. Am ehesten noch, wenn sie als Kohlestützpunkte für die Flotte Bedeutung hatten. Wilhelm war nie in seinen Kolonien - nicht in einer, obwohl er gern reiste und wenn kolonialpolitisch etwas zu entscheiden war, taucht sein Name erst in "zweiter Reihe" auf. Die Entscheidungen wurden im Reichskolonialamt/ bzw. der Regierung getroffen.
Bismarcks Haltung ist bekannt. Von der totalen Ablehnung, über die Tolerierung von Handelskolonien unter Selbstverwaltung der großen Gesellschaften, über Schutzzusagen bis zur tatsächlichen, staatlichen Übernahme.
Da unterscheiden sie sich tatsächlich, aber [b]begeistert, aktiv und laufend enagiert[/b] waren sie beide nicht.
Meine Frau neckt mich regelmäßig: "Dein verehrter Kaiser war nie in seinen, von dir ebenso geliebten Kolonien. Das passt doch gar nicht zusammen!"
04. Apr 2005 um 15:42
In keinster Weise wollte ich im obigen Beitrag die Schuldfrage zuweisen,entschuldige,wenn es so rübergekommen sein sollte.Ansonsten schweige ich dazu,wollen ja relativ nahe beim Thema bleiben
Ja,es ist allgemein bekannt,dass die Flotte Wilhelms Liebstes war,aber was macht man mit einer großen Flotte dann?
04. Apr 2005 um 16:11
Ja,es ist allgemein bekannt,dass die Flotte Wilhelms Liebstes war,aber was macht man mit einer großen Flotte dann?

Auf den Meeren rumschippern, England ärgern und gelegentlich drohend vor der Küste schwadronieren
Okay. Für dich liegen die Themen Kolonien und Marine nah bei einander. Für uns Kolonialspezies sind die Marineenthusiasten etwas völlig anderes. So wie Kaninchen- und Taubenzüchter. Untereinander ziemlich fremd - für Aussenstehende aber Verrückte gleicher Manie. :still:
03. Aug 2007 um 09:55
Im Nachhinein ist es natürlich immer leicht Fehler zu erkennen, aber ich möchte euch bitten auch mal einen anderen Blickwinkel aus der Zeit und aus dem Gesichtspunkt des jungen Kaisers einzunehmen.
Bismarck hat sich standhaft geziert den fortschrittlichen Gedanken des Kaisers zu folgen, der volksnaher und eher bereit war sich der modernen Gesellschaftsstruktur anzupassen. Bismarck war wohl doch noch zu sehr in der Gedankenwelt der preußischen Junker verhaftet, der in der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie die vaterlandslosen Gesellen sah. Mit der neuen Klasse der Arbeiterschaft in der fortschreitenden Industrialisierung tat er sich schwerer als der junge Kaiser. Bismarck sah nur die Notwendigkeit etwas für sie zu tun, um sie von den "Rattenfängern" der Sozialdemokratie fern zu halten (Sozialgesetzgebenung). KWII schien mir da viel eher wirklich an deren Schicksal interessiert. Nicht, daß er die SPD mochte, aber er mochte auch die Arbeiter als Teil seines Volkes und machte sich Gedanken um ihr Wohl, doch wurde er bei seinem Kanzler, der ihn nicht ernst nahm, nicht gehört.
Sehr interessante Ansicht. Mir gefällt vorallem der Blickwinkel von damals, im Nachhinein ist man immer klüger. Das Geschehene aus dem Blickwinkel der jeweiligen Zeit zu sehen läßt interessante weil oftmals ausgeblende Aspekte zu Tage treten.
So ist das Geschehene viel leichter verständlich und so läßt sich besser eine Lehre daraus entnehmen. Nur so kann ich Handlungen von damals mit heutigen gegenüberstellen und Vergleiche ziehen. Die Menschen damals hatten genausowenig das Wissen von heute wie wir das Wissen von morgen haben.