Sep 23
2005
Der Augsburger Religionsfriede - Beginn einer neuen Zeit
News in Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648) 9 Kommentare »Der vor 450 Jahren geschlossene Augsburger Religionsfriede, dessen an diesem Wochenende gedacht wird, galt nur zwischen zwei Konfessionen einer Religion, nicht zwischen verschiedenen Religionen. Gleichwohl ist seine Bedeutung epochal: Zum ersten Mal wurde religiöser Absolutheitsanspruch von politischer Macht entkoppelt.
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28. Sep 2005 um 13:18
Zum ersten Mal? Moment mal! Im Mittelalter versuchte die Kirche mit Hilfe der [color=#800080]'Zwei-Schwerter-Lehre' (Zweigewaltenlehre)[/color] die politische Macht an sich zu reißen. O.k., dieses Vorhaben ist ihr letztlich nicht gelungen. Aber schon damals gab es eine Entkoppelung religiöser Absolutheitsansprüche von (angemaßter) politischer Macht.
Auch sollte man sich mal fragen, welcher Preis für diese Entkoppelung gezahlt werden musste:
[list]
[*]Wäre das ganze Reich entweder katholisch oder protestantisch geworden, wäre die Konfessionsfrage entschieden gewesen und die Reichsinnenpolitik hätte sich allein um die Frage gedreht, wie viel Macht die kaiserliche Zentralgewalt und wie viel Macht die Landesfürsten haben sollten. Möglicherweise hätte sich dann das Reich zu einem modernen deutschen Nationalstaat wandeln können.
[*]Da aber die Religionsfrage nicht entschieden wurde, konnten künftig die Konflikte zwischen Kaiser/Reich und einem Landesfürsten religiös aufgeladen werden. Preußens Friedrich II. beherrschte diese Masche ja perfekt, um für seine Anti-Reichspolitik die Sympathien der deutschen Protestanten zu finden.
[/list]Die Entkoppelung der Glaubenseinheit von der Reichseinheit stellte letztlich eine Station im Zerfallsprozess des Reiches dar. Die "neue Zeit", die durch den Augsburger Religionsfriede eingeläutet worden sein soll, war im Vergleich zu England, Frankreich, Spanien und Italien ein Sonderweg: die Entwicklung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates wurde durch bestehen gebliebene religiöse Gegensätze gehemmt.
28. Sep 2005 um 14:41
Gandolf,
erstens denke ich, dass schon vor Martin Luther weder von einem deutschen Nationalstaat geredet werden kann, noch einer in Sicht ist. Das Reich ist im Prinzip schon zerfallen, im Prinzip existiert für mich bereits seit dem Staufer Friedrich II nur noch ein recht lockerer Verband von Territorialstaaten.
zweitens: Was wäre die Alternative zu diesem Religionsfrieden gewesen?
Wie hätte man das Reich ganz katholisch oder ganz protestantisch halten wollen? Durch den Augsburger Religionsfrieden wurde ja ein schon bestehender Krieg beendet - den Parteien also eine religiöse Motivation für Konflikte eigentlich genommen! Übrigens drängten die katholischen Fürsten den Kaiser dazu, nach seinem Sieg im Schmalkaldischen Krieg den Protestanten gegenüber gemäßigt aufzutreten.
Welcher Preis hätte bezahlt werden müssen, für ein rein katholisches/protestantisches Reich? Mit Sicherheit wäre der nicht kleiner ausgefallen.
Die Fürsten und Teile des Auslandes suchten nach Vorwänden, um ihre Machtpositionen gegenüber dem Kaiserhaus Habsburg zu stärken - ja, die Religionsfrage lieferte einen Vorwand. Aber glaubt jemand ernsthaft, ohne diese Frage wäre es nicht zu Konflikten gekommen? Auch als Katholiken unter einem katholischen Kaiser/König hatten sich die Fürsten schon jahrhundertelang (erfolgreich!) bemüht, Partikularinteressen durchzusetzen ... ich kann keinen Ansatz erkennen, wieso ein rein katholischer Kreis von Fürsten nun plötzlich größeres Interesse an einem Nationalstaat gehabt haben soll. Im 30-Jährigem Krieg tritt das katholische Frankreich auf die Seite der Kaisergegner, protestantische Fürsten wecheln mehrfach auf die Seite des Kaisers (einige gegen Schweden, andere gegen Frankreich).
28. Sep 2005 um 16:00
Ich schließe mich den Ausführungen von Papa_Leo an; dennoch habe ich auch noch etwas hinzuzufügen...
Die Entkoppelung der Glaubenseinheit von der Reichseinheit stellte letztlich eine Station im Zerfallsprozess des Reiches dar... die Entwicklung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates wurde durch bestehen gebliebene religiöse Gegensätze gehemmt.
Das ist nicht bloß sehr vereinfacht, sondern sogar inkorrekt!
Um nur einmal einige Gegenbeispiele zu nennen:
Die bayerischen Wittelsbacher waren genauso Katholiken wie der Kaiser selbst, doch waren sie gerade zu jenen Zeiten unter denjenigen Reichsfürsten, welche jeglichem Zugewinn kaiserlicher Macht sehr argwöhnisch gegenüberstanden.
Auf der anderen Seite suchte Kursachsen (albertinische Wettiner) als bedeutendes lutherisches Territorium sehr intensiv Rückhalt beim Kaiser, was dieser erst durch sein Beharren auf dem Restitutionsedikt "verspielte".
Es ging bereits beim Augsburger Religionsfriede - wie auch später im Dreißigjährigen Krieg - eigentlich längst nicht mehr um die Religion/Konfession als solche, sondern ganz handfest um Machtpolitik!
Abgesehen davon macht gerade das kursächsische Beispiel andererseits auch deutlich, daß es nach den Schmalkaldischen Kriegen nicht mehr einfach ein katholisches und ein protestantisches Lager gab. Während bspw. auf Seiten der Protestanten die Lutheraner mit "Augsburg" durchaus leben konnten, war dies bei den Calvinisten anders, da sie dort schlicht und ergreifend unberücksichtigt geblieben waren und erst im Westfälischen Frieden 1648 als Reichskonfession anerkannt wurden.
28. Sep 2005 um 22:08
[/list]....Die Entkoppelung der Glaubenseinheit von der Reichseinheit stellte letztlich eine Station im Zerfallsprozess des Reiches dar. Die "neue Zeit", die durch den Augsburger Religionsfriede eingeläutet worden sein soll, war im Vergleich zu England, Frankreich, Spanien und Italien ein Sonderweg: die Entwicklung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates wurde durch bestehen gebliebene religiöse Gegensätze gehemmt.
Kann man dies auf lange Sicht hin nicht sogar umgekehrt sehen ?
Die unlösbar scheinende Verknüpfung des Kaisertums und des Reiches mit dem röm.-kath. Christentum war gelöst, die luth. Ketzterei war reichsrechtl. verankert und geschützt, die Krönung des Kaisers durch den Papst hörte auf . Wurde da nicht auch etwas anderes wirksam ?
Da man an den relig. Ausgleich in absehbarer Zeit nicht mehr glaubt, will man ohne und unabhängig von ihm die „gemeine Sicherheit im Hl. Reich teutscher Nation „( Augsb. Konfession )
das gegenseitige Vertrauen der Stände herstellen. Man will die „Teutsche Nation, unser geliebt Vatterland“vor Trennung und Untergang retten. Daraus folgt m.E. ; man stellt den Willen zum polit. Frieden im Reich (dem Vatterland ) , über die Einheit des Glaubens, deren Herstellung man in d. Theorie zwar nicht aufgibt, praktisch aber als nicht mehr erreichbar ansieht.
Ist es Zufall, daß man im Text der Confessio den Reichstitel ohne den bis dahin üblichen Zusatz : „Heiliges röm. Reich „benüzte ? Anerkannte man nicht hier das Faktum, das schon lange galt, daß das „röm. Reich „ in Wirklichkeit ein deutsches war ?
Ende des 15. Jahrh. Bestimmte man den Titel „Heiliges röm. Reich „ näher und genauer mit dem Zusatz : „ deutscher Nation „, jetzt liest man von „Teutscher Nation „ !
Könnte man in der Wirkung der Confessio nicht eine gewisse Parallelle zu den Vorgängen 40 Jahre später in Frankreich ziehen, ? Der einstige Hugenotte Heinrich IV. stellt sich aus Staatsraison an die Spitze der Politik, die nach schrecklichen Glaubenskämpfen den modernen erfolgreichen Staatsgedanken befördert.
Hier sind zwar 30-jähriger Krieg und westf. Friede dazwischen, der den Partikulargewalten in Deutschland große Selbstständigkeit einräumt, trotzdem befördert dieser doch gerade auch den „modernen Staatsgedanken „ wie dann z.B. in Brandenburg zu sehen sein wird.
28. Sep 2005 um 22:22
Kann man dies auf lange Sicht hin nicht sogar umgekehrt sehen ?

Die unlösbar scheinende Verknüpfung des Kaisertums und des Reiches mit dem röm.-kath. Christentum war gelöst, die luth. Ketzterei war reichsrechtl. verankert und geschützt, die Krönung des Kaisers durch den Papst hörte auf .
Zu der Zeit wurde der Kaiser schon nicht mehr vom Papst gekrönt ...
28. Sep 2005 um 23:29
Zu der Zeit wurde der Kaiser schon nicht mehr vom Papst gekrönt ...
Karl V., der zur Zeit des Augsburger Religionsfriedens noch amtierte, war immerhin noch vom Papst gekrönt worden.
Er war der letzte.
04. Okt 2005 um 16:46
[FONT=Arial][COLOR=black]erstens denke ich, dass schon vor Martin Luther weder von einem deutschen Nationalstaat geredet werden kann, noch einer in Sicht ist.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Natürlich ist 1555 kein Nationalstaat in Sicht. Aber die Entwicklung von den personalen Herrschaftsverbänden zum Staat und die Entstehung von Nationen sind Prozesse gewesen, die mehrere Jahrhunderte gedauert haben. Meine These lautet, dass der Augsburger Religionsfriede die konfessionellen Unterschiede bewahrte und diese die Entwicklung des Reiches zum Nationalstaat hemmte.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Das Reich ist im Prinzip schon zerfallen, im Prinzip existiert für mich bereits seit dem Staufer Friedrich II nur noch ein recht lockerer Verband von Territorialstaaten.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Auch der Zerfall des Reiches war ein Prozess. Dieser begann mit dem Niedergang der Staufer und endete mit der Abdankung des letzten Kaisers im Jahre 1806. Meine These hinsichtlich des Augsburger Religionsfrieden lautet, dass dieser eine Station in diesem Zerfallsprozeß darstellte.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Was wäre die Alternative zu diesem Religionsfrieden gewesen?[/COLOR][/FONT]
[COLOR=black][FONT=Arial]Wie hätte man das Reich ganz katholisch oder ganz protestantisch halten wollen? Durch den Augsburger Religionsfrieden wurde ja ein schon bestehender Krieg beendet - den Parteien also eine religiöse Motivation für Konflikte eigentlich genommen! Übrigens drängten die katholischen Fürsten den Kaiser dazu, nach seinem Sieg im Schmalkaldischen Krieg den Protestanten gegenüber gemäßigt aufzutreten.[/FONT]
[FONT=Arial]Welcher Preis hätte bezahlt werden müssen, für ein rein katholisches/protestantisches Reich? Mit Sicherheit wäre der nicht kleiner ausgefallen. [/FONT]
[FONT=Arial]Die Fürsten und Teile des Auslandes suchten nach Vorwänden, um ihre Machtpositionen gegenüber dem Kaiserhaus Habsburg zu stärken - ja, die Religionsfrage lieferte einen Vorwand. Aber glaubt jemand ernsthaft, ohne diese Frage wäre es nicht zu Konflikten gekommen? Auch als Katholiken unter einem katholischen Kaiser/König hatten sich die Fürsten schon jahrhundertelang (erfolgreich!) bemüht, Partikularinteressen durchzusetzen ... ich kann keinen Ansatz erkennen, wieso ein rein katholischer Kreis von Fürsten nun plötzlich größeres Interesse an einem Nationalstaat gehabt haben soll. Im 30-Jährigem Krieg tritt das katholische Frankreich auf die Seite der Kaisergegner, protestantische Fürsten wecheln mehrfach auf die Seite des Kaisers (einige gegen Schweden, andere gegen Frankreich).[/FONT][/COLOR]
[FONT=Arial][COLOR=black]Du hast sicherlich recht, dass die Entwicklung des Reiches zum deutschen Nationalstaat nicht allein von den konfessionellen Unterschiede gehemmt wurde, sondern auch[/COLOR][/FONT]
[LIST]
[*][FONT=Arial][COLOR=black]vom Machtgegensatz zwischen der kaiserlichen Zentralgewalt und den Landesfürsten sowie[/COLOR][/FONT]
[*][FONT=Arial][COLOR=black]von der geographischen Mittellage des Reiches und den sich hieraus ergebenden Interessen der europäischen Nachbarn an einem schwachen Reich.[/COLOR][/FONT][/LIST]
[FONT=Arial][COLOR=black]Vor diesem Hintergrund kann natürlich nicht behauptet werden, dass das Beseitigen der konfessionellen Unterschiede in jedem Fall dazu geführt hätte, dass sich das Reich zu einem Nationalstaat hätte entwickelt können. ABER die Chancen einer solchen Entwicklung wären sicherlich größer gewesen.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Die Alternative zum Religionsfrieden wäre gewesen, dass Karl V. sich damit begnügt hätte, seinen Sieg im Schmalkaldischen Krieg zur Durchsetzung der einheitlichen Religion zu nutzen. Stattdessen versuchte dieser neben diesem Ziel auch noch seine Idee vom kaiserlichen Bund durchzusetzen und mit dieser die Reichsverfassung inklusive der Machtstellung der Kurfürsten auszuhebeln. Dieses Vorhaben war natürlich Wasser auf die Mühlen der Kurfürsten, die unermüdlich gegen die Erstarkung der kaiserlichen Zentralgewalt wetterten.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Auf die Frage, warum bei Durchsetzung der einheitlichen Religion die Chancen größer gewesen wären, das Reich zu einem Staat und dann schließlich zu einem Nationalstaat zu entwickeln, sowie auf @[/COLOR]Arcimboldos Beitrag vom 28.9.05[COLOR=black] werde ich in einem anderen Beitrag gesondert eingehen.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Das ist nicht bloß sehr vereinfacht, sondern sogar inkorrekt![/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]:confused:[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Was[/COLOR] Dir als inkorrekt erscheint, scheint mir die Folge Deiner Leseschwäche zu sein.
[FONT=Arial]Auf den allseits bekannten Umstand, dass im Reich zwischen dem Kaiser und den Landesfürsten ein Machtkampf tobte, bin ich doch in meinem Beitrag ausdrücklich eingegangen („… [COLOR=black]und die Reichsinnenpolitik hätte sich allein um die Frage gedreht, wie viel Macht die kaiserliche Zentralgewalt und wie viel Macht die Landesfürsten haben sollten.“[/COLOR]).
04. Okt 2005 um 17:13
[FONT=Arial][COLOR=black]Was[/COLOR] Dir als inkorrekt erscheint, scheint mir die Folge Deiner Leseschwäche zu sein.
[/FONT]
[/FONT]
Vorsicht, bitte Vorsicht mit solchen Unterstellungen! Vielen Dank...
[FONT=Arial]Auf den allseits bekannten Umstand, dass im Reich zwischen dem Kaiser und den Landesfürsten ein Machtkampf tobte, bin ich doch in meinem Beitrag ausdrücklich eingegangen („… [COLOR=black]und die Reichsinnenpolitik hätte sich allein um die Frage gedreht, wie viel Macht die kaiserliche Zentralgewalt und wie viel Macht die Landesfürsten haben sollten.“[/COLOR]).
Die Reichsinnenpolitik drehte sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrhunderten darum, wieviel Macht die Zentralgewalt gegenüber den partikulären Gewalten haben sollte. Ansonsten hätte es nicht schon im späten Mittelalter einen Kurfürstenstand gegeben u.v.a.
Wenn Dein Einwand darauf abzielte, daß die Sanktionierung der konfessionellen Spaltung dies noch verschärfte, gebe ich Dir in bestimmten Punkten sogar Recht. Allerdings - um Dein Beispiel Friedrich II. von Preußen aufzugreifen - sind auch hier gewisse Relativierungen angesagt: erneut verweise ich als Beispiel auf die Nähe Kursachsens zum Kaiser; diese kam nicht erst dadurch zustande, daß August der Starke zwecks Anspruch des Hauses Wettin auf die polnische Krone zum Katholizismus konvertierte, sondern bestand seit dem Schmalkaldischen Krieg.
Apropos Schmalkaldischer Krieg...
Die Alternative zum Religionsfrieden wäre gewesen, dass Karl V. sich damit begnügt hätte, seinen Sieg im Schmalkaldischen Krieg zur Durchsetzung der einheitlichen Religion zu nutzen.
Diese Alternative ist aus dem Grund, daß sich das Hzm. Sachsen (eben das spätere Kursachsen) genau damals auf die kaiserliche Seite schlug (Moritz von Wettin "der Judas von Meißen"), praktisch hinfällig gewesen.
EDIT: Mir ist noch etwas dazu aufgefallen...
Vor diesem Hintergrund kann natürlich nicht behauptet werden, dass das Beseitigen der konfessionellen Unterschiede in jedem Fall dazu geführt hätte, dass sich das Reich zu einem Nationalstaat hätte entwickelt können. ABER die Chancen einer solchen Entwicklung wären sicherlich größer gewesen.
Versuche dies doch einmal in Anbetracht der Entwicklungen in den Nachbarstaaten (z.B. Frankreich) andersherum zu sehen: meiner Meinung nach braucht es nämlich bereits eine bestehende starke Zentralgewalt - ergo einen Zentralstaat -, um eine einheitliche Religion/Konfession im gesamten Land durchzusetzen...
05. Okt 2005 um 00:29
[FONT=Arial][COLOR=black]Natürlich ist 1555 kein Nationalstaat in Sicht. Aber die Entwicklung von den personalen Herrschaftsverbänden zum Staat und die Entstehung von Nationen sind Prozesse gewesen, die mehrere Jahrhunderte gedauert haben. Meine These lautet, dass der Augsburger Religionsfriede die konfessionellen Unterschiede bewahrte und diese die Entwicklung des Reiches zum Nationalstaat hemmte.[/COLOR][/FONT]
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[FONT=Arial][COLOR=black]Auch der Zerfall des Reiches war ein Prozess. Dieser begann mit dem Niedergang der Staufer und endete mit der Abdankung des letzten Kaisers im Jahre 1806. Meine These hinsichtlich des Augsburger Religionsfrieden lautet, dass dieser eine Station in diesem Zerfallsprozeß darstellte.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Du hast sicherlich recht, dass die Entwicklung des Reiches zum deutschen Nationalstaat nicht allein von den konfessionellen Unterschiede gehemmt wurde, sondern auch[/COLOR][/FONT]
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[*][FONT=Arial][COLOR=black]vom Machtgegensatz zwischen der kaiserlichen Zentralgewalt und den Landesfürsten sowie[/COLOR][/FONT]
[*][FONT=Arial][COLOR=black]von der geographischen Mittellage des Reiches und den sich hieraus ergebenden Interessen der europäischen Nachbarn an einem schwachen Reich.[/COLOR][/FONT][/LIST][FONT=Arial][COLOR=black]Vor diesem Hintergrund kann natürlich nicht behauptet werden, dass das Beseitigen der konfessionellen Unterschiede in jedem Fall dazu geführt hätte, dass sich das Reich zu einem Nationalstaat hätte entwickelt können. ABER die Chancen einer solchen Entwicklung wären sicherlich größer gewesen.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Die Alternative zum Religionsfrieden wäre gewesen, dass Karl V. sich damit begnügt hätte, seinen Sieg im Schmalkaldischen Krieg zur Durchsetzung der einheitlichen Religion zu nutzen. Stattdessen versuchte dieser neben diesem Ziel auch noch seine Idee vom kaiserlichen Bund durchzusetzen und mit dieser die Reichsverfassung inklusive der Machtstellung der Kurfürsten auszuhebeln. Dieses Vorhaben war natürlich Wasser auf die Mühlen der Kurfürsten, die unermüdlich gegen die Erstarkung der kaiserlichen Zentralgewalt wetterten.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Auf die Frage, warum bei Durchsetzung der einheitlichen Religion die Chancen größer gewesen wären, das Reich zu einem Staat und dann schließlich zu einem Nationalstaat zu entwickeln, sowie auf @[/COLOR]Arcimboldos Beitrag vom 28.9.05[COLOR=black] werde ich in einem anderen Beitrag gesondert eingehen.[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]:confused:[/COLOR][/FONT]
[FONT=Arial][COLOR=black]Was[/COLOR] Dir als inkorrekt erscheint, scheint mir die Folge Deiner Leseschwäche zu sein.
[FONT=Arial]Auf den allseits bekannten Umstand, dass im Reich zwischen dem Kaiser und den Landesfürsten ein Machtkampf tobte, bin ich doch in meinem Beitrag ausdrücklich eingegangen („… [COLOR=black]und die Reichsinnenpolitik hätte sich allein um die Frage gedreht, wie viel Macht die kaiserliche Zentralgewalt und wie viel Macht die Landesfürsten haben sollten.“[/COLOR]).
Du widersprichst dir!
Einmal sagst du der konfessionelle Gegensatz hätte die Reichseinheit gehemmt und du gehst darauf ein, dass man glaubt dies sei der dringendste Grund gewesen. Dann sagst du aber, dass nicht nur der religiöse Gegensatz für die Reichseinheit hinderlich war, sondern auch z.B. der Gegensatz Landesfürsten-Kaiser.
Manchmal verwirrend.
Zum Türken bauen nochmal.
Ich habe übrigens schon einen Türken gebaut, besser gesagt eine Türkin. Die ist heute 18 Monate alt!