Sep 29
2005
Der Märchenkönig und der Stallmeister
News in Persönlichkeiten in der Neuzeit 15 Kommentare »Fast 120 Jahre nach dem Tod des bayerischen "Märchenkönigs" Ludwig II. hat sich das Landgericht München I mit dessen Sexualleben befaßt. Bei dem Zivilprozeß ging es am Mittwoch um die Passage in einem Buch, wonach der Erbauer von Schloß Neuschwanstein ein Verhältnis mit seinem Oberst-Stallmeister Maximilian Karl Theodor Graf von Holnstein hatte. Einer von dessen Urenkeln hatte eine Ehrverletzung gesehen und auf Widerruf sowie Unterlassung geklagt.
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29. Sep 2005 um 10:12
Da die Boulevardpresse unter großem Trara angekündigt hatte, bei der Verhandlung am Mittwoch vor der Kammer für Pressesachen am Landgericht München I ginge es um nichts Geringeres als „um des Königs Unterhose“, und zwar um die des Bayernkönigs Ludwig II., war der Auflauf erheblich. In Wirklichkeit waren indessen weder der „Kini“ noch seine noch sonst eine Unterhose streitgegenständlich.
09. Okt 2005 um 10:30
Es ist schon erstaunlich, dass die Bayern von ihrem König Ludwig nicht wegkommen. Wo doch erwiesen ist, dass er von einer Preußin geboren wurde.
Die eventuelle Homosexualität des Königs und des Grafen Holnstein dürften heute doch keine Rolle mehr spielen. :rolleyes:
09. Okt 2005 um 13:44
Es ist schon erstaunlich, dass die Bayern von ihrem König Ludwig nicht wegkommen. Wo doch erwiesen ist, dass er von einer Preußin geboren wurde.
Die eventuelle Homosexualität des Königs und des Grafen Holnstein dürften heute doch keine Rolle mehr spielen. :rolleyes:
Ludwig II. zählt zu den großen mythischen Gestalten der Geschichte- in einer Reihe mit Leonardo, Marie Antoinette, Napoleon, Kaiserin Elisabeth, Prinzessin Diana usw.
Es geht doch dabei nicht nur um ihr "reales" Wirken (das gerade bei dem Kreis der obengenannten unterschiedlicher nicht sein kann), schon gar nicht um eine Wertung desselben.
Doch all diese Genannten umgibt ein reglerechter Mythenkreis, of tränennass die Grenze zum Kitsch überschreitend. Die fast pseudoreligiöse Verehrung dieser Personen benötigt auch weder nationale noch regionale Anknüpfungspunkte.
Allein die Fülle an "Sisi"-Literatur überragt an Quantität um vielfaches die historischen Publikation über das Österreich der zweiten Hälfte des 19. Jhdts.
Ludwig II. ist AUCH eine bayrische Identifikationsfigur, aber nicht nur. Die Menschen interessieren sich eben für solche Details der Geschichte - kann man auch durchaus mit der unlösbaren Fragen vergleichn ob der Neandertaler und der HSS sich nun gekreuzt haben oder nicht (vielleicht gabs ja da auch nur Beziehungen a la König und Stallmeister:rolleyes: ).
16. Okt 2005 um 10:07
Lieber Rovere,
ich würde Ludwig II. nicht unbedingt mit dem Neandertaler vergleichen. Etwas gesitteter war er doch.
Was sind schom Mythen?:confused: Er war ein König, der wunderschöne Schlösser hat bauen lassen.
16. Okt 2005 um 10:38
Lieber Rovere,

ich würde Ludwig II. nicht unbedingt mit dem Neandertaler vergleichen. Etwas gesitteter war er doch.
da, lieber heinz, hast du recht und sind wir einer meinung. der neandertaler verschwendete keine steuergelder, pflegte seine alten und verletzten und war wohl ein geselliger typ. so wie es den anschein hatte, war der neandertaler auch künstlerisch veranlagt.
Was sind schom Mythen?:confused: Er war ein König, der wunderschöne Schlösser hat bauen lassen.
richtig - da sollten sich unsere kanzler/-innen ein beispiel nehmen und auch schöne gebäude bauen, deren nutzen allein in ihrer schönheit liegt! :rolleyes:
07. Nov 2005 um 00:12
Leider wird heute wenig darüber diskutiert, warum Ludwig II zum Mythos wurde. Er war als König äußerst beliebt - im Gegensatz zu seinem Großvater Ludwig I -, weil er so viel für die kleinen Leute in Bayern tat. Ich erwähne nur die Aufhebung des Heiratsverbotes für Arme und die Gewerbefreiaheit auch in Südbayern, außerdem die Einführung einer Sozialversicherung. Die Schlösser erwiesen sich im Nachhinein als weitsichitige Investition, aber die interessierten die Leute damals eher weniger.
Er hatte das Militär, die etablierten Handwerksmeister mit ihren geschlossenen Gilden, die katholische Kirche und die Antisemiten gegen sich aufgebracht. Die Teutschtümler sowieso. Seine Weigerung, zur Reichsgründung in Versailles (auf französischem Territorium!) zu fahren haben die ihm nie verziehen.
Dewegen wurde er von einem Vierergremium von Psychiatern, die ihn nie untersucht hatten (nur von Gudden hatte ihn bei gesellschaftlichen Anlässen von ferne gesehen), für regierungsunfähig erklärt.
Um diese Absetzung vor dem Volk zu begründen, erfand man allerlei Negatives.
Später wurde er vermutlich auf der Flucht erschossen, ohne das dies aber geplant war.
07. Nov 2005 um 15:34
Liebe Jerimy,
dass er auf der Flucht erschossen wurde, ist mir neu. Ich hatte immer gedacht, er ist im See ertrunken?:confused:
Die Schlösser hatte er auch für sich gebaut. Dass soviele Touristen sie besichtigen, konnte er nicht wissen.:rolleyes:
07. Nov 2005 um 17:17
Später wurde er vermutlich auf der Flucht erschossen, ohne das dies aber geplant war.
Ich war ohnehin schon verwundert, dass die Verschwörungstheorien der Gugelmänner (http://www.guglmann.de/deutsch/index.htm) bisher noch nicht im Forum aufgetaucht sind. Sie sind mir Vorsicht zu genießen und halten keiner wissenschaftlichen geführten Hinterfragung stand.
Die Schlösser hatte er auch für sich gebaut. Dass soviele Touristen sie besichtigen, konnte er nicht wissen.
Ganz genau - wie von mir in diesem Beitrag schon dargelegt:
http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=44259&postcount=13
13. Dez 2005 um 12:12
ich glaube nicht das Ludwig so beliebt bei seinem Volk war. Durch seinen Schlösserwahn hat er sich wohl mehr Feinde gemacht, als man vermutet. gerade das Volk muß darunter ganz schön gelitten haben. Muß ja schließlich finanziert werden, das Ganze. Und letztlich wurde er dann von seinen eigenen Leuten ertränkt.
aber mal zu der Sache mit seinem Stallmeister. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht (ich könnte mir gut vorstellen das es stimmt), die Sache scheint immerhin bekannt genug, das das Verhältnis zwischen dem König und seinem Stallmeister in einem japanischen Comic (Manga) thematisiert worden ist.
Titel: Ludwig II. Zeichnerin: Kaori Yuki Jap. Ersterscheinungsdatum: 1996 (in drei Bänden)
13. Dez 2005 um 12:19
ah, tut mir leid, ein Fehler, die Zeichnerin heißt You Higuri
13. Dez 2005 um 13:01
Durch seinen Schlösserwahn hat er sich wohl mehr Feinde gemacht, als man vermutet. gerade das Volk muß darunter ganz schön gelitten haben. Muß ja schließlich finanziert werden, das Ganze.
Irrtum, Ludwig hat den Bau seiner Schlösser aus privaten Mitteln bezahlt und zwar voll. Nachdem ihm das Kabinett eine Bürgschaft für einen Kredit verweigert hatte, konnte er seine beiden unfertigen Schlösser (leider) nicht mehr fertig bauen. In einer konstitutionellen Monarchie kann Königs sich halt nicht einfach mal so am Staatssäckl vergreifen, wenn man kein eigenes Geld mehr hat.
Und letztlich wurde er dann von seinen eigenen Leuten ertränkt.
Ähhh, ja.... da gibts viele Theorien. Die Offizielle: Ludwig ertrank in Zustand geistiger Verwirrung im Starnberger See.
aber mal zu der Sache mit seinem Stallmeister. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht (ich könnte mir gut vorstellen das es stimmt), die Sache scheint immerhin bekannt genug, das das Verhältnis zwischen dem König und seinem Stallmeister in einem japanischen Comic (Manga) thematisiert worden ist.
Titel: Ludwig II. Zeichnerin: Kaori Yuki Jap. Ersterscheinungsdatum: 1996 (in drei Bänden)
Die Geschichte mit dem Oberst-Stallmeister wird wohl eines der ungelösten Rätsel um Ludwig bleiben, die etwas allgemeinere Theorie, dass Ludwig wohl eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt ist, findet ziemlich viele Anhänger.
06. Jan 2006 um 12:40
Irrtum, Ludwig hat den Bau seiner Schlösser aus privaten Mitteln bezahlt und zwar voll. Nachdem ihm das Kabinett eine Bürgschaft für einen Kredit verweigert hatte, konnte er seine beiden unfertigen Schlösser (leider) nicht mehr fertig bauen. In einer konstitutionellen Monarchie kann Königs sich halt nicht einfach mal so am Staatssäckl vergreifen, wenn man kein eigenes Geld mehr hat.
Soweit ich informiert bin wurde das ganze Geld erst nach seinem Tod von seiner Familie erstattet, oder irre ich mich da?
06. Jan 2006 um 15:37
Der Rummel um die - meines Erachtens erwiesene - Homosexualität Ludwigs II. zeigt eines ganz deutlich: Trotz aller liberalen Sprüche haben die meisten Deutschen satte Ressentiments gegenüber schwulen Leuten und die Ablehnung ist beim "gesunden Volksempfinden" stark ausgeprägt.
Für die meisten Bayern würde eine schwule Neigung ihren König "beflecken" und wo bliebe dann der ganze Mythos? Der wäre wohl zum Teufel, denn Homosexualität und Märchenkönig verträgt sich in den Augen Vieler überhaupt nicht.
Nur so ist es ja zu verstehen, dass die Nachfahren des Grafen Holnstein dieses "Kainsmal" unbedingt vermeiden möchten !!!
06. Jan 2006 um 16:05
Da hast Du Recht, Dieter.
Ich bin der Meinung das diese Einstellung ein dunkler Schatten aus der NS-Zeit ist der noch immer in den Köpfen der Deutschen herrumspukt.
In Ländern ohne faschistischer Vergangenheit ist diese Einstellung bei weitem nicht so ausgeprägt.
07. Jan 2006 um 14:12
ich glaube nicht das Ludwig so beliebt bei seinem Volk war. Durch seinen Schlösserwahn hat er sich wohl mehr Feinde gemacht, als man vermutet. gerade das Volk muß darunter ganz schön gelitten haben. Muß ja schließlich finanziert werden, das Ganze. Und letztlich wurde er dann von seinen eigenen Leuten ertränkt.
Liebe Cantarella,
das Volk wird Ludwigs Verschwendungssucht nicht begriffen haben. Dass es selbst diese Schlösser bezahlen mußte, soweit ist sicherlich nicht gedacht worden. Ich glaube schon, dass er bei den Bayern auch schon damals beliebt war.:rolleyes: