Jan 16
2006
Deutschlands vergessene Blütejahre
News in Das Deutsche Kaiserreich 6 Kommentare »Wir stehen unter dem Eindruck, daß plötzlich eine ungeheure Macht in unserer Mitte aufgetaucht ist", schrieb die Londoner "Times" über die Ereignisse, die sich zu Beginn des Jahres 1871 zutrugen: Frankreich war von Preußen-Deutschland besiegt worden. In Versailles hatte Otto von Bismarck den preußischen König Wilhelm I. am 18. Januar 1871 zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Die Nation taumelte im Glück der Einheit, schien doch die alte Zwietracht überwunden zu sein.
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16. Jan 2006 um 11:27
Interessante Zahl wird da genannt:
[I]"Denn die Kontinentalmacht Deutschland brauchte weder für ihre territoriale Sicherheit noch für den Schutz ihrer Handelswege eine Schlachtflotte. Der Warenaustausch des Reiches war vor allem auf Europa gerichtet. Die überseeischen Kolonien, die hauptsächlich in den achtziger Jahren erworben worden waren, spielten dabei keine Rolle. Nicht einmal vier Prozent der Rohstoffe kamen von dort."[/I]
16. Jan 2006 um 22:11
Gibt es eigendlich 100% gesicherte Erkenntnisse, warum der Kaiser nach Afrika strebte und nicht weiter in den "Nahen Osten", ausser der in den Schulen gelehrte Satz: " Deutschland wollte auch sein Stück vom Kuchen der Kolonien"?
16. Jan 2006 um 22:39
Gibt es eigendlich 100% gesicherte Erkenntnisse, warum der Kaiser nach Afrika strebte und nicht weiter in den "Nahen Osten", ausser der in den Schulen gelehrte Satz: " Deutschland wollte auch sein Stück vom Kuchen der Kolonien"?
Also erstmal strebte er nach Osten (osmanisches Reich - Stichwort Bagdadbahn) und zweitens war es einfacher in Afrika Fuß zu fassen, weil dort noch einige "weiße Flecken" waren, im Gegensatz zum nahen Osten. Mit "weiße Flecken" meine ich nicht nur, nicht erkundete Gebiete, sondern vor allem Gebiete, in denen sich andere Großmächte noch nicht engagiert hatten.
18. Jan 2006 um 14:18
Nun man muss auch sehen, dass viele Gebiete, die später unter den Schutz des Reiches kamen von Privatiers und Geschäftsleuten aufgekauft worden waren - so vor allem in Süd-West und Ostafrika.
In Kamerun und Togo waren es eher Handelsniederlassungen von Bremer und Hamburger Kaufleuten.
So warf letztlich wenn man das Handelsdefizit betrachtet auch das kleine Togo am meisten ab, denn es war die einzige Kolonie, die mehr erwirtschaftete als sie kostete.
Das lag aber auch daran, dass sie eben als reine Handels- und Plantagenkolonie genutzt wurde.
18. Jan 2006 um 15:39
So warf letztlich wenn man das Handelsdefizit betrachtet auch das kleine Togo am meisten ab, denn es war die einzige Kolonie, die mehr erwirtschaftete als sie kostete.
Das lag aber auch daran, dass sie eben als reine Handels- und Plantagenkolonie genutzt wurde.
Wozu ziehst du da den Unterschied? Zu einer Siedlungskolonie?
In dem Fall passt das nicht ganz, denn schon in der Nachbarschaft (Kamerun) ist ebenfalls eine reine Handels- und Plantagenkolonie, der erhebliches Geld kostete. Der Hauptgrund, warum Togo "positiv" verlief, liegt meines Erachtens in der Tatsache, daß es dort keine Aufstände gegeben hat. Warum und wieso, wäre eine längere Diskussion.
06. Dez 2006 um 19:07
Wenn man verstehen will warum Deutschland sich während des Kaiserreichs kolonialpolitisch dermaßen engagierte, muss man den Charakter von Wilhelm II. untersuchen, da er, nach Bismarcks Rücktritt, im Allgemeinen die Kontrolle über die deutschen Geschicke an sich riss. Sein bekannter Satz lautet ja : "Der Dreizack gehört in die deutsche Faust!". Er war von einem Minderwertigkeitskomplex, der noch von den Erfahrungen seiner Kindheit herrührte (verkrüppelter Arm, hierarchische Erziehung etc.), geplagt. Nur so lässt sich das Bestreben des Reiches in die, eigentlich fast schon überholte Kolonialpolitik einzusteigen und solch horrende Summen für den Bau einer modernen Kriegsmarine auszugeben. De facto hat das deutsche Kolonialstreben auch die ehemaligen Erzfeinde England und Frankreich zu Bündnis veranlasst, dass sicher einer der Hauptgründe für die Niederlage November 1918 war.
mfg frost