Jan 20
2006
Märtyrerin oder Mörderin?
News in Persönlichkeiten in der Neuzeit 4 Kommentare »Maria Stuart war schon zu Lebzeiten eine umstrittene und zugleich faszinierende Herrscherfigur – und sie ist es bis heute geblieben. Dabei schwankte das Urteil nicht zuletzt vor dem Hintergrund der konfessionellen Blickrichtung.
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01. Mär 2006 um 09:45
In erster Linie war Maria Stuart Opfer von Machtkämpfen. Es ging um zwei Themen
1. Der schottische Thron gelangte so an England.
2. Die Protestanten (hier: Anglikaner) setzten sich gegen die Katholiken durch.
Beide Themen waren von historischer Bedeutung, daher schon mal einen Justizmord wert.
In Punkto ehelicher Treue war Maria sicher nicht besser oder schlechter als ihre ZeitgenossInnen, auch Meuchelmorde waren an der Tagesordnung. Das konnten sich die Royals damals leisten (Demokratie und Enthüllungsjournalismus waren unbekannt), SOFERN sie eine entsprechende Machtposition hatten. Im gegenteiligen Fall war der Vorwurf beliebig. Ehebruch z.B. war immer ein wohlfeiler Vorwand für Justizmorde.
Delikat ist die persönliche Geschichte ihrer Kontrahentin, Elisabeth I. Ihr Vater, Heinrich VIII hatte bekanntlich sechs Frauen von denen zwei geköpft wurden, darunter Elisabeths Mutter Anna Boleyn.
Heinrich war kein Wüstling, sondern selbst Opfer der Machtkämpfe im Zusammenhang mit der Reformation, seine Frauen waren immer abwechselnd katholisch und protestantisch, je nachdem welche Fraktion bei Hofe die Oberhand hatte; dann wurde gegen die jeweils aktuelle Frau heftigst intrigiert bis sie weg war.
Die Protestantin Anna Boleyn wusste das, deshalb achtete sie peinlichst darauf, nie allein mit einem Mann in einem Zimmer zu sein; sie wusste ja, dass alle nur auf die Chance lauerten, ihr Ehebruch vorzuwerfen. Nur bei ihrem Bruder ließ sie diese Vorsichtsmaßnahme außer Acht - und wurde prompt wg. Inzest verurteilt & enthauptet.:P
Soll man also annehmen, dass ihre Tochter Elisabeth bei der Beseitigung ihrer eigenen Rivalin allein von moralischer Empörung beseelt gewesen sein soll ? Wo deren Tod auch noch so vorteilhaft für sie war ?
Wer's glaubt...
01. Mär 2006 um 10:06
Heinrich war kein Wüstling, sondern selbst Opfer der Machtkämpfe im Zusammenhang mit der Reformation, seine Frauen waren immer abwechselnd katholisch und protestantisch, je nachdem welche Fraktion bei Hofe die Oberhand hatte; dann wurde gegen die jeweils aktuelle Frau heftigst intrigiert bis sie weg war.
Das ist falsch. Katholisch war nur die erste Frau, Katharina von Aragon, Witwe seines Bruders Arthur. Heinrich hatte ja einen Dispens für diese Heirat erbeten (die Ehe mit Schwägerinnen war ja verboten) und diesen auch erhalten. Ironischerweise argumentiert er bei seinem Ansuchen auf Annulierung auf die Ungültigkeit der Ehe bei der selben Institution (dem Papst) die das gültige Zustandekommen derselben erlaubt haben.
Alle weiteren Gattinen Heinrichs waren Protestantinnen.
01. Mär 2006 um 10:13
Soll man also annehmen, dass ihre Tochter Elisabeth bei der Beseitigung ihrer eigenen Rivalin allein von moralischer Empörung beseelt gewesen sein soll ? Wo deren Tod auch noch so vorteilhaft für sie war ?
Das einfach war die Sache nicht. Prozess und Hinrichtung eines Souverains durch ein Gerichtsurteil gabs vorher im "christlichen Abendland" nicht, da hat Elisabeth ein Tabu gebrochen. Herrscher meuchlings ermorden, das hats immer gegeben. Aber einen gesalbten Monarchen - von Gott eingesetzt - durch von Menschen gesetztes Recht verurteilen und sogar hinrichten zu lassen, das war unerhört! Elisabeht hat ja durch diese Tat ihren eigenen Status als Monarchin "überprüfbar" gemacht und eine Präzedenzfall geschaffen. Und prompt bezieht sich das Parlament, dass über die Hinrichtung Charles I. verhandelt, auf den Fall Maria Stuart.
Dieser Aspekt ist mE die wahre historische Bedeutung der Hinrichtung 1587, der erste Schritt zur Demontage des Gottesgnadentums und der verbürgerlichung des Staates.
01. Mär 2006 um 11:18
Katholisch war nur die erste Frau, Katharina von Aragon
Alle weiteren Gattinen Heinrichs waren Protestantinnen.
http://www.pbs.org/wnet/sixwives/meet/ch_handbook_bg4.html
Auch Catherine Howard, Nr. 5, geköpft, war auch katholisch (wenn auch nicht sehr tugendhaft)