Am 23. August 1531 handelte Philipp Melanchthon in einem Brief an den Basler Griechischprofessor Simon Grynaeus über eine delikate Angelegenheit, die damals Professoren der bedeutendsten Universitäten beschäftigte: Die stürmische Liebe, die der englische König Heinrich VIII. für Anna Boleyn, die schöne und kluge Hofdame seiner Gattin, empfand, liess ihn den Konflikt mit Papst Clemens VII. wagen. Heinrich hatte sich schon lange um die Scheidung von Katharina von Aragon bemüht, da sie ihm in den drei Jahrzehnten ihrer Ehe nicht den ersehnten Thronfolger geschenkt hatte. Mit spitzfindigen juristischen Argumenten wollte Heinrich bei der römischen Kurie einen Dispens im Blick auf eine mögliche Wiederheirat erwirken.
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