Revolution mit Hamburgern

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1989 fällt die Berliner Mauer, 1991 löst sich die Sowjetunion auf - und in der Zwischenzeit ist es in Moskau auch noch zu einer Konsum-Revolution gekommen: Am 31. Januar 1990 wird am Puschkin-Platz das erste McDonald's-Restaurant eröffnet. Die Metropole hat den Verbrauchern zu dieser Zeit noch kaum etwas zu bieten. Die Moskauer müssen sich in den Geschäften ausweisen. Sie werden bevorzugt versorgt, denn die Nahrungsmittel reichen nicht für diejenigen aus, die aus der Provinz in die sowjetische Hauptstadt kommen. Nach den politischen Umwälzungen, die KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow in die Begriffe "Perestroika" ("Umgestaltung") und "Glasnost" ("Offenheit") gekleidet hat, steht das amerikanische Schnell-Restaurant nun für kommerzielle Innovation. "Es war ein Zeichen des Umbruchs, der da in diesem riesigen Land stattfand", erinnert sich WDR-Korrespondent Hermann Krause. "McDonald's - die Inkarnation des American Way of Life - öffnete seine Türen."

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Winkelemente des Kapitalismus


Am Eröffnungstag ist das Interesse der Bevölkerung gewaltig: Vor dem McDonald's-Restaurant bildet sich eine drei bis vier Kilometer lange Schlange.
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In Frankreichs Armen

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Vor 50 Jahren entließ Paris 14 afrikanische Staaten in die Unabhängigkeit. Doch die neu gewonnene Souveränität wurde für viele von ihnen nur zur Fortsetzung der Kolonialisierung mit anderen Mitteln – wie das Beispiel Gabun zeigt.


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Ein Kolonialsoldat lässt sich von Afrikanern durch den Busch tragen. Diese Zeichnung, etwa aus dem Jahr 1850, verdeutlicht, mit welchen Selbstverständnis die Kolonialisten ihre Macht demonstrierten

Das Jahr 1960 ist Afrikas annus mirabilis. Zwischen Januar und November entstanden 17 neue Staaten. Darunter waren allein 14 Länder, die zum französischen Kolonialreich gehört hatten, wie Niger, Mali und der Tschad. Wunderbar war dieses Jahr der sogenannten Entkolonialisierung vor allem für das französische West-und Zentralafrika, weil sie hier – anders als in Frankreichs Kolonien auf Madagaskar, in Indochina und Algerien – ohne Kampf und fast ohne Blutvergießen verlief.

Das Wunder hat eine längere Vorgeschichte, und die beginnt mit dem deutschen Sieg über Frankreich im Sommer 1940. Zur Stunde der Kapitulation befand sich der Brigadegeneral und Unterstaatssekretär Charles de Gaulle bereits in London und rief die Franzosen von dort aus via BBC zum Widerstand gegen die Besatzer auf. Der Akt erschien vielen als hilflos, verfügte de Gaulle doch über keinerlei Mittel, und so folgte denn auch nur eine kleine Minderheit seiner Landsleute dem Londoner Aufruf.

Hoffnung für de Gaulle kam aus Afrika. Im August 1940 erklärte der Gouverneur von Französisch-Äquatorialafrika, Félix Éboué, seine Solidarität mit dem Rebellen de Gaulle. Éboué war der erste schwarze Gouverneur in Frankreichs Geschichte. Bis 1943 distanzierten sich alle französischen Kolonien außer Indochina vom Vichy-Regime des Marschalls Pétain, das nach der Niederlage den nicht besetzten Teil Frankreichs beherrschte und mit Hitler kollaborierte.
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Preußische Präzision

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Zuckende Froschschenkel, selbst gewickelte Magnetspulen und zornige junge Männer: Wie Berlin zum Zentrum der aufstrebenden Naturwissenschaften wurde.


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Apoll im Labor. Mit diesem Experiment ermittelte der Berliner Physiologe Emil Du Bois-Reymond um 1850 elektrische Ströme im Muskel

Ein Abend im November 1847. Ort der Handlung: Berlin. Genauer: das dicht bevölkerte "Medizinerviertel" südlich der Charité, in etwa das, was man heute ein "Szeneviertel" nennen würde. Hier leben Künstler, Studenten, Lebedamen neben Handwerkern, Kaufleuten, Gelehrten und Offizieren. Die meisten Häuser sind schon dunkel. Nur in einer kleinen Wohnung in der Karlstraße 21, der heutigen Reinhardtstraße, brennt noch Licht.

Beim Schein einer Petroleumlampe beugt sich ein junger Mann über einen Experimentiertisch. Zwischen zwei Metallstativen ist ein enthäuteter Froschmuskel eingespannt. Feine Drähte führen von der Aufhängung zu elektrischen Apparaturen. Das blasse, kaum bleistiftdicke Gebilde zieht sich zusammen – der Muskel zuckt. Der junge Mann ist begeistert. Freudig erregt notiert er das Ergebnis des Versuchs. Dann springt er auf, geht in der halbdunklen Stube auf und ab. "Elektrizität!", ruft er aus. Sein Name: Emil Du Bois-Reymond, 28, Arzt und Wissenschaftler, Spross einer Hugenottenfamilie.
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Brandstifter im Biedermeier

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Wie man in Minden und andernorts den Hass auf die Juden schürte – und die Epoche zur Ursprungszeit des modernen Antisemitismus in Deutschland wurde.


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1843: In Minden rufen handgeschriebene Pamphlete mit Juden-Karikaturen zum Progrom auf

Im September 1843 kommt es in einem Geschäft der westfälischen Stadt Minden zu einem peinlichen Zwischenfall. Ein jüdischer Ladengehilfe bietet einer christlichen Frau beim Einkauf eine Oblate mit der Frage an: Ob sie auch einen Messias nehmen wolle? Das Ereignis sorgt für große Aufregung.

In den folgenden Nächten werden handgeschriebene Flugblätter verbreitet, auf denen sich Mindener über die angebliche Hostienschändung beschweren und zum »Verderben der Juden« aufrufen: »Christen! Der Jude fängt an, mit unserm grössten Heiligthume Spott zu treiben; er giebt den Kindern unsere Hostien, wodrin wir beim heiligen Abendmahle unsern Heiland verehren – zum Spott – sagt dabei: Hier habt ihr einen Messias. Fresst euren Heiland auf! – Schon das[s] ein Jude unsere Hostien verkauft ist eine Schande für die ganze Christenheit, nun noch dazu dieser Spott – das ist zuviel! – Verderben den Juden + diesen Verräthern unseres Heilands, diesen Blutsaugern der Christen. Der Jude arbeitet nicht und lebt bes[ser] wie wir, also fort mit diesem Ungezief[er], unser Vermögen hat er. Nöthiget ihn die[s] wieder abzugeben und dann: Marsch mi[t] diesen Müssiggängern!!«
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Werner von Siemens: Ein Kabel zu Ruhm und Ehre

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Vor 150 Jahren sollte ein Telegrafenkabel Suez mit Karachi verbinden. Es funktionierte nie richtig – aber für Werner von Siemens war das Projekt ein Schritt zum Erfolg.[/b]

Triumphe der Technik sind manchmal kurzlebig: Das erste Telegrafenkabel auf dem Boden des Atlantik hält gerade mal einen Monat. Am 16. August 1858 gratulieren Queen Victoria und US-Präsident James Buchanan einander durch den Draht zur Leistung der Ingenieure, im September ist Funkstille. Die Isolierung hält dem Wasserdruck nicht stand.

Das Scheitern der einen ist das Glück des anderen. Werner von Siemens erhält nach dem transatlantischen Debakel von der britischen Regierung den Auftrag, alle öffentlichen Telegrafenleitungen auf der Insel zu prüfen. Und die Firma Newall & Co. heuert ihn an, um das Verlegen eines Kabels zwischen Indien und Ägypten zu überwachen. Für seine 1847 gegründete "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" bedeutet der Einstieg in den wichtigen britischen Markt einen Schub an internationalem Renommee.
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Siemens hat mit Johann Georg Halske den Zeigertelegrafen zur Serienreife entwickelt, ein Gerät, das die Stellung eines Zeigers auf einer Buchstabentafel auf ein Empfangsgerät mit der gleichen Tafel überträgt. Auch, als sich das schnellere Morse-System durchsetzt, benutzen zum Beispiel Eisenbahner noch den Zeigertelergrafen, weil jeder ihn ohne Kenntnisse eines besonderen Alphabets bedienen kann.
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Wer sich am Dynamo reibt

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Vergleich ohne Sieger: Die Ausstellung "Wir gegen uns" erzählt kleine und große Sportgeschichten aus beiden Teilen Deutschlands.


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Ein Tor gegen den Klassenfeind: Jürgen Sparwasser erzielt das legendäre Tor für die DDR bei der WM 1974

Bevor der Kalte Krieg zu Ende ging, kam er noch in der Kreisklasse vorbei. Er baute sich vor der untersten Fußballliga auf und wollte auch hier in Gut und Böse teilen. Die Bösen waren eine Clique von Freizeitkickern im Norden Hessens, die mit dem Fahrrad zum Bolzplatz fuhren und sich linksalternativ gaben. Sie nannten sich FSC Dynamo Windrad. Doch Dynamo durfte nicht mitspielen in Kassel, so entschied es der hessische Fußball-Verband Mitte der achtziger Jahre, denn Dynamo war DDR, der Klassenfeind. Bestätigt hat diese Auffassung das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, der Name ähnele "zu sehr den Gepflogenheiten der Vereine in der DDR bzw. in den Ostblockstaaten".

Von solchen politischen Spielen erzählt die Ausstellung Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland, die bis zum 5. April im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen ist und von Mai bis Oktober dann im Haus der Geschichte in Bonn. Sie zieht die großen historischen Linien genauso nach wie die kleinen Spuren, und vielleicht steckt in den fast vergessenen Begebenheiten wie der um Dynamo Windrad sogar mehr Aussage als etwa in den beiden prominentesten Sportbegegnungen zwischen Bundesrepublik und DDR, dem Sprintduell Heidemarie Rosendahl gegen Renate Stecher bei den Olympischen Spielen 1972 in München und dem Sparwasser-Tor bei der Fußball-WM 1974.
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Das vergessene Lager

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In Schwetig nahe Frankfurt (Oder) wurden zwischen 1940 und 1945 Tausende Zwangsarbeiter gequält und getötet.

„An der Büro-Wand des Kommandanten hingen unterschiedlich große Ochsenziemer. Der Neuankömmling konnte sich aussuchen, mit welchem er anschließend geschlagen wurde.“ 25 Peitschenhiebe gehörten Zeitzeugenberichte nach zum berüchtigten Aufnahmeritual für verhaftete Zwangsarbeiter unterschiedlichster Nationen im Arbeitserziehungslager Schwetig (heute Swiecko), das die Gestapo Frankfurt von Oktober 1940 bis Januar 1945 betrieben hatte. Ein beliebtes „Vergnügen“ der Wachleute soll es dort gewesen sein, die Häftlinge durch das Lager zu jagen und sie dabei mit Kabeln zu schlagen.
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Der Mythos vom Ursprung des Aids-Virus

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Von Geheimdiensten und Gerüchten: Erzeugte einst das US-Militär das HI-Virus? Die Stasi streute diesen Mythos. Was ist dran? Der Genetiker Erhard Geißler erinnert sich.[/b]

Seit es Aids gibt, gibt es Verschwörungstheorien zu dieser Krankheit. Ende der 80er-Jahre war es vor allem die Behauptung, der Aids-Erreger sei in amerikanischen Labors "gezüchtet" worden, die Aufregung hervorrief. Das Gerücht wurde von dem DDR-Mediziner Jakob Segal verbreitet, der dazu 1987 in einem Interview der Tageszeitung von Stefan Heym befragt wurde. Heute behauptet die Zeitung, es habe sich um eine gezielte Kampagne der Stasi gehandelt.

Reichlich zwanzig Jahre ist es her, dass Desinformationen von der Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in die Welt gesetzt wurden. Einige ihrer ehemaligen Obristen fahren damit munter fort, und einige Journalisten und ihre Leser fallen immer noch darauf herein. Dabei geht es um die von der Wissenschaft längst beantwortete Frage nach der Herkunft des Erregers der Immunschwäche Aids.
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"Mitgelaufen wie ein dummer Depp" - Sturm auf die Stasi-Zentrale

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Vor 20 Jahren besetzten Demonstranten die teils schon verwüstete Berliner Stasi-Zentrale. Hatte der Geheimdienst bei der Aktion selbst die Finger im Spiel?


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Verwüstete Stasi-Zentrale: Aufgebrachte Demonstranten hatten am 15. Januar 1990 das Hauptgebäude der Staatssicherheit der DDR im Berliner Stadtteil Lichtenberg gestürmt

Die Stimmung in der Lichtenberger Ruschestraße ist aufgeladen, als Christian Halbrock gegen 17 Uhr dort eintrifft. "Stasi raus, Stasi raus"-Rufe schallen durch das Halbdunkel an diesem trüben 15. Januar 1990. Der 26-Jährige ist dem Aufruf des Neuen Forums gefolgt, sich an der Zentrale des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit zu versammeln, um dem Treiben hinter den Mauern ein Ende zu bereiten und die Vernichtung der Akten des verhassten Geheimdienstes zu stoppen. Viele haben Mauersteine mitgebracht – denn wenn es nicht gelinge, die Stasi zum Aufgeben zu bewegen, müsse man sie eben einmauern, so der Aufruf.

Halbrock hat seine unangenehmen Erfahrungen mit dem Machtapparat der DDR. Als Mitbegründer des Friedens- und Umweltkreises an der Glaubenskirche 1983 hat er immer wieder mit dessen Häschern zu tun gehabt. Ausgerechnet in dieser Kirche am Lichtenberger Roedeliusplatz, die dem ausgedehnten Stasi-Gelände gegenüberliegt, hat er mit Wolfgang Rüddenklau und anderen Mitstreitern die Mächtigen herausgefordert. Und jeden Tag musste Halbrock in der Ruschestraße an dem streng bewachten, düsteren Gebäudekomplex vorbeilaufen, wenn er sein Kind in den kirchlichen Kindergarten in der Pfarrstraße brachte.

Nun steht er hier inmitten von etwa 2000 anderen Leuten, die auf das Tor zulaufen, das sich kurz zuvor wie auf wundersame Weise geöffnet hat. In einer dichten Menschentraube schiebt sich auch Halbrock durch das Tor, folgt im Innenhof dem Strom links hinüber zu einem erleuchteten Gebäude, dringt mit den anderen ein. Es ist Haus 18, der Versorgungstrakt der Stasi mit Ladenpassage, Kaufhalle, Kantine und einem Kongresszentrum.

"Ich bin mitgelaufen wie ein dummer Depp", erinnert sich Halbrock, der heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stasiunterlagenbehörde beschäftigt ist. Sie kommen an ein paar eingetretenen Türen, abgerissenen Plakaten, einem umgekippten Souvenirstand vorüber. Aber Halbrock sieht niemanden, der Verwüstungen anrichtet.

Es ist eine Mischung aus Wut und Triumph, die die Menschen bewegt. "Es war mir damals egal, was passierte", sagt Halbrock. "Ein Denkmal zu stürzen, macht einfach Spaß. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, das ganze Gelände in die Luft zu jagen." Das Bewusstsein, dass da etwas zu schützen und aufzuarbeiten war, war bei ihm wie wohl bei den meisten der Eindringlinge eher schwach entwickelt. "Es war auch ein bisschen unheimlich: Diese große Zusammenballung von Menschen, die keine Kommunikation untereinander hatten", erinnert sich Halbrock. Und er wundert sich, dass ihnen keine Stasi-Leute, kein Wachpersonal begegneten.
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Stürmung der Stasizentrale in Berlin vor 20 Jahren

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Vor 20 Jahren wurde die Berliner Stasi-Zentrale besetzt. Dabei gelang den Tschekisten offenbar ein letzter Schachzug.
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Neandertaler: Glamour am Flachkopf?

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[b]Der Fund von Schmuck und Kosmetika rüttelt weiter am Bild des tumben Neandertalers. Der Urgeschichtler Nicholas Conard über die Bedeutung der Entdeckung.[/b]

Schon seit Jahren bröckelt das Bild, wonach der Neandertaler ein primitives Wesen war. Aber eine Bastion blieb dem modernen Menschen immer noch: die Kunst. Doch jetzt präsentiert der Wissenschaftler João Zilhão von der englischen Universität Bristol von Neandertalern bemalte Muscheln, die belegen sollen, dass auch der Vetter des Homo sapiens ein Gefühl für Ästhetik und Symbolik hatte. Vier Muscheln haben eine Öffnung, so dass man sie an einer Schnur um den Hals tragen konnte, zwei von ihnen sind in Rot- und Ockertönen bemalt. Entdeckt wurden die Muscheln in zwei Höhlen nahe Murcia im Südosten Spaniens. Das Erstaunliche: Die Muscheln sind 50000 Jahre alt, stammen also aus einer Zeit, als der moderne Mensch noch gar nicht in Europa heimisch war (PNAS, online). In einer fünften, nicht durchbohrten Muschel fand Zilhão schließlich kleine, gelbliche Farbklümpchen. Die Muschel sei als Behälter für die Pigmente verwendet worden, vermutet der Anthropologe. Entweder um sie darin zu lagern oder für die Anwendung vorzubereiten. Die Zusammenstellung lege nahe, dass die Neandertaler sie als eine Art "Glitzer-Make-Up"verwendet hätten.
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Freie Arbeiter statt Sklaven

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Waren die Menschen, die die Pyramiden erbauten, angesehene Personen? Das legen die Beilagen von zahlreichen Gräbern nahe, die Archäologen in Ägypten entdeckt haben.[/b]
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Grundmauern des antiken Sigeion freigelegt

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Deutsche Archäologen haben in der heutigen Türkei Teile der antiken Stadt Sigeion ausgegraben. Die Nachfolgestadt Trojas war eine Schaltstelle des Schwarzmeerhandels.[/b]

In der Nähe von Troja in der heutigen Türkei haben Tübinger Archäologen erste Grundmauern von griechischen Häusern der antiken Stadt Sigeion freigelegt. Die Grabungen seien von Bedeutung, weil Sigeion als Schaltstelle des Schwarzmeerhandels in der Antike ein Ort war, an dem viele Kulturen aufeinandergetroffen seien, teilte die Universität Tübingen am Dienstag mit.

Von Beginn an wussten die Forscher um die Existenz der Stadt. "Bereits im 18. oder 19. Jahrhundert war bekannt, dass sich in diesem Gebiet einst Sigeion befand", sagt Thomas Schäfer, Direktor des Instituts für Klassische Archäologie. "Es konnte jedoch nicht gegraben werden, da die türkische Armee die Gegend als militärisch wichtigen Stützpunkt nutzte."
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Die 2007 an der Charité entdeckte Frauenleiche wird bestattet

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Vermutungen, bei der unbekannten Toten handle es sich um die 1919 ermordete Rosa Luxemburg, haben sich nicht bestätigt. Die Leiche der Revolutionärin bleibt verschwunden.


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Rote Nelken auf einer Gedenktafel für die vor 90 Jahren ermordete KPD-Gründerin Rosa Luxemburg. Das Grab der Revolutionärin ist allerdings leer

Begonnen hatte alles mit einer unidentifizierten Frauenleiche, die der Leiter der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos, 2007 im Fundus seines Instituts an der Berliner Charité entdeckt hatte.

Der Rechtsmediziner vermutete damals, bei dem Körper, Kopf, Hände und Füße fehlten, könne es sich um die Leiche der 1919 ermordeten Rosa Luxemburg handeln. In dem offiziellen Obduktionsbericht zu Rosa Luxemburg stieß er auf einige Ungereimtheiten. "Obwohl bekannt ist, dass Rosa Luxemburg zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Kopfschuss getötet wurde, konnten die Pathologen keine Spuren eines Einschusses finden", sagte Tsokos damals im Interview mit ZEIT ONLINE.

Außerdem sei die Leiche bei der Leichenschau nicht als Rosa Luxemburg identifiziert worden – lediglich vor Beginn der rechtsmedizinischen Untersuchung sei der Name der Revolutionärin gefallen. Die litt an einer angeborenen Hüftverschiebung, wodurch ihre Beine unterschiedlich lang waren. "Auch davon steht in dem Obduktionsbericht von 1919 nichts", sagte Tsokos.
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Marodes Machtsymbol

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Als der Bau vor 50 Jahren begann, war der Assuan-Staudamm ein Symbol für arabische Aufbruchsstimmung, erfolgreiche sowjetische Machtpolitik und den Fortschritt. Heute ist er ein Denkmal für die fatalen Folgen des Glaubens an die Technik.[/b]

Seit 4000 Jahren leben die Menschen im Niltal von den Nährstoffen und Mineralien, die der Fluss jeden Sommer aus seinem ostafrikanischen Einzugsgebiet anschwemmt: Das alljährliche Hochwasser lagert Nilschlamm auf den Feldern ab, bewässert und düngt sie. "Kemet" heißt das alte Ägypten, "Schwarzes Land", nach dem saftigen Boden, den der Nil bringt.

Doch der Rhythmus des Flusses birgt Gefahren: Fluten und Dürren, biblische Plagen. In modernen Zeiten wächst die Bevölkerung Ägyptens, die Versorgung wird zu knapp, um die Ernte den Launen des Flusses preiszugeben; die Baumwolle für den Export ist zu wertvoll. Eine Möglichkeit muss her, die Fluten zu regulieren. Einen ersten Staudamm bei Assuan (auch Aswan geschrieben) bauen die britischen Besatzer von 1882 bis 1902. Er ist zu niedrig, um das saisonale Hochwasser zurückzuhalten.
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Wie das Aids-Virus nach Fort Detrick kam

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DESINFORMATION Noch heute geistert die These vom CIA-gemachten Aids-Virus durchs Internet. Ursprung: KGB und Stasi. Erstveröffentlichung 1987: taz
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Als die Stasi uns benutzte

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Auch die taz war Teil der geheimdienstlichen Klaviatur, auf der die DDR-Staatssicherheit zu klimpern wusste. So gibt es bis heute die These vom CIA-gemachten Aidsvirus, von der taz erstveröffentlicht.
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Der deutsch-französische Minister

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Deutschland war seine Heimat, Frankreich sein Schicksal, Weimar seine Welt: Das erstaunliche Leben des Karl Friedrich Reinhard, der für kurze Zeit sogar das Pariser Außenamt führte.[/b]

Ein deutsch-französischer Minister? [i]Pourquoi pas?![/i] Kann gewiss nicht schaden. Im Übrigen gab es ihn schon einmal. Zwar nicht ganz so, wie Präsident Nicolas Sarkozy ihn sich vielleicht vorstellt – aber doch als einen Mann, der in und zwischen beiden Landen lebte und Politik machte.
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Ein Telefon für die Westentasche

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Im Jahr 2010 werde jeder Mensch ein Taschentelefon haben, prophezeite Robert Sloss vor 100 Jahren. Seine Vision wurde übertroffen: Heute haben viele sogar mehrere Handys.[/b]

"Netz besetzt": Da will man noch während des Feuerwerks per Handy Neujahrsgrüße loswerden – und kommt einfach nicht durch. Kein Wunder, denn zum Jahreswechsel verschicken die Deutschen etwa 300 Millionen SMS, fünfmal so viele wie an einem Durchschnittstag.

Vor 20 Jahren noch waren diese Massen an Mobiltelefonen undenkbar – dabei prophezeite Robert Sloss bereits vor 100 Jahren in einem Aufsatz für das 1910 erschienene Buch Die Welt in 100 Jahren: "Jedermann [wird] sein eigenes Taschentelefon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist." Wer Robert Sloss war, ist nicht genau überliefert; es heißt, er sei ein US-Journalist gewesen. Seine Vision vom "drahtlosen Jahrhundert" jedenfalls wurde Wirklichkeit.
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Älteste hebräische Inschrift entziffert

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In Israel ist die älteste bekannte Inschrift auf Hebräisch entziffert worden. Die Inschrift aus dem 10. Jahrhundert vor Christus enthält Anweisungen zum Umgang mit Armen, Sklaven, Fremden, Witwen und Waisen.
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"Deutschland, einig Vaterland"

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Der Text der DDR-Nationalhymne galt seit 1972 als unerwünscht. Am 5. Januar 1990 jedoch, im Jahr der deutschen Einheit, ließ der Ministerrat der DDR unter Hans Modrow (SED/PDS) offiziell verlauten: Die Hymne darf wieder gesungen werden - und damit auch die Zeile "Deutschland, einig Vaterland".
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Obdachloser Waliser legte Nazis herein

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Es war eines der spektakulärsten Täuschungsmanöver im Zweiten Weltkrieg: Mit Hilfe eines als Offizier verkleideten Toten war es den Briten gelungen, Deutschland von der 1943 geplanten Invasion in Sizilien abzulenken. Ein Professor behauptet nun, die Identität dieses Toten enthüllt zu haben.
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Forscher finden riesiges Grab mit rätselhaftem Loch

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In der ägyptischen Totenstadt Sakkara ist Archäologen ein spektakulärer Fund geglückt. Bei Ausgrabungen stießen sie auf zwei 2500 Jahre alte Gräber. Eines davon ist das größte, das bisher in der Nekropole entdeckt wurde - und beherbergt ein Mysterium.
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Utopia im Urwald

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Befreite Theologie lange vor der Befreiungstheologie: Auf den Spuren der Jesuiten in Paraguay, die dort 1609 ihr einzigartiges Missionswerk begannen.

Wo die Musik spielt im Armenhaus Südamerikas, da ist Chávez nicht weit. An diesem Sonnabend warten die Indianer von Armonia im Nordwesten Paraguays auf ihn. 40 Familien aus dem Chaco haben sich in der Siedlung nahe der bolivianischen und der argentinischen Grenze zusammengeschlossen. Sie kamen aus den Wäldern und schlagen sich inzwischen mit Tagelohn, Kleintierhaltung und Feldarbeit durch. Kontakte mit der Außenwelt haben sie nicht gesucht. Bis sie den Brief schrieben, den Chávez las.

Schüchtern stehen sie da, der Lehrer Oswaldo vorweg, die Schulkinder hinter ihm. Oswaldo ist zugleich der Kazike von Armonia, also der »Häuptling«. Doch kaum einer versteht sich so gut darauf, Urbevölkerung und Armen die Scheu zu nehmen, wie Chávez – Favio Chávez, 33-jähriger Umweltingenieur und Musiker aus Leidenschaft.

Er schüttelt die Hände, seine Begleiter ziehen die Plane vom Pick-up. Dort oben ist ein kleines Orchester ohne Musiker versammelt. Zupf- und Streichinstrumente lugen aus Kisten und Kartons. Schon steht Chávez auf der Ladefläche und schwingt eine der Gitarren. Ihretwegen haben die Indianer an das von Paraguay aus gestartete Musikprojekt Sonidos de la Tierra (Klänge der Erde) geschrieben. Vier Gitarren und dazu Lernhilfen wünschte Oswaldo für seine besten Musikschüler. Das sind drei Mädchen im Teenageralter und ein kleiner Junge, der sein Glück und die Gitarre kaum fassen kann.

Der Pulk zieht in den Schulraum. Chávez klemmt sich in eine Bank und stimmt die Gitarren. Bernarda, die 39-jährige Ordensschwester aus seinem Team, erklärt dem Schulleiter, was durch seine Unterschrift rechtsgültig wird: dass die Instrumente im Gemeindebesitz bleiben und den Kindern nicht mitgegeben werden dürfen, dass eine Lehrerin aus der Stadt jede Woche für vier Stunden kommen wird, dass der Kazike seine Schüler zum Üben anhalten muss.

Chávez beginnt zu spielen, reicht auch Oswaldo eine Gitarre. Plötzlich ist alle Scheu verflogen. Im Duett spielen der Ingenieur aus der fernen Hauptstadt Asunción und der Indianer aus dem Chaco Lautenmusik von Johann Sebastian Bach.

Chávez und Oswaldo haben sich an diesem Tag zum ersten Mal gesehen – und doch sind beide Wiedergänger einer gemeinsamen Geschichte, die vor genau 400 Jahren begann. Damals waren es jesuitische Padres, die sich vom Jahre 1609 an aus Asunción in die Urwälder Paraguays und die benachbarten Regionen der heutigen Staaten Brasilien, Bolivien, Argentinien und Uruguay aufmachten.
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Wie Friedrich I. Berlin zu wahrer Größe verhilft

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Bis 1. Januar 1710 ist Berlin kaum mehr als ein kleines Städtchen. Preußenkönig Friedrich I. ändert das durch eine angeordnete Vereinigung. Von Hellmuth Vensky[/b]

Nur eine Stadt in Deutschland kann sich berechtigt Metropole nennen. Na gut, man mag Erfurt die Thüringenmetropole nennen, Nürnberg die Frankenmetropole und Euskirchen die Eifelmetropole. Aber die einzige Stadt in Deutschland, die keinen Lachkrampf auslöst, wenn sie als Metropole bezeichnet wird, ist ja wohl Berlin. Dabei gibt es dieses hauptstädtische Berlin erst seit 300 Jahren.
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(C) Daniel Oswald