Erich Mühsam

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»Sich fügen heißt lügen« – das ist sein Credo, Unerschrockenheit sein Lebensprinzip: Ein Anarchist im edelsten Sinne des Wortes.


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Erich Mühsam (1878-1934), Dichter, Bohemien und Revolutionär

Kein Bürger darf seines Lebens und seines Eigentums mehr sicher sein, so allein kann die moralische Widerstandskraft der Kapitalisten gebrochen werden«: Einen, der so etwas schrieb, wünscht man sich den als Zeitgenossen herbei? Oh ja! Ihn – nicht seine Zeit, das schreckliche 20.Jahrhundert: nicht die fünfjährige Haft, in der er Revolutionen herbeisehnte; nicht die Zensur seiner Schriften und die Ermordung seiner Freunde durch Reichswehr und rechtsnationale Freikorps. Aber ihn sehr wohl, der vor 75 Jahren von den Nazis im Konzentrationslager Oranienburg umgebracht wurde: den Freigeist Erich Mühsam.
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Ferdinand Lassalle

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Wenn heute einer die müde SPD auf Trab bringen könnte, dann er: Der Mann, der sie vor mehr als 140 Jahren gründen half.[/b]

Würden Träume ohne Weiteres Realität, würde er zum Retter der siechen deutschen Sozialdemokratie. Einer ihrer Gründer ist er schon. Vor 146 Jahren stand er in Leipzig in einem verrauchten Versammlungssaal vor den Delegierten aus deutschen Landen, um den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein aus der Taufe zu heben, den Vorläufer der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Vielleicht würde Ferdinand Lassalle jetzt erneut für die Sozialdemokratie antreten – der Volkstribun und Arbeiterführer, Theoretiker und Praktiker der Macht. Er würde der SPD neues Leben einhauchen, die verzagte und verkümmerte Partei an ihre Wurzeln erinnern, an ihren Geschichtsoptimismus und ihre Erfolge. Im Bundestag wäre er, den der alte Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel einen »gottbegnadeten Agitator« nannte, der geborene Oppositionsführer. Den öligen CSU-Baron zu G. würde der in Dutzenden Gerichtsprozessen geschulte Advokat und aristokratisch wirkende Lebemann mit Verweisen auf Hegel und Heraklit schwindelig reden. Angela Merkel hätte Lassalle rhetorisch sowieso im Sack.

Was könnte er auch heute der Partei noch geben! Heinrich Heine bescheinigte ihm eine »an Irrsinn grenzende Willenszähigkeit«, für Eduard Bernstein war er der »Erwecker der deutschen Arbeiterbewegung«. Um ihr zu ihrem Recht zu verhelfen, schrieb Lassalle 1863 die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in die Statuten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Zugleich verankerte er in der Sozialdemokratie den Glauben an den solidarischen Sozialstaat – nur der könne garantieren, sagte Lassalle, dass Freiheit nicht allein die Freiheit der Mächtigen ist, sondern zur Freiheit für alle wird. Den bürgerlichen Liberalen seiner Zeit warf er dagegen ihre »Nachtwächterideen« des Staates vor. Dessen vermeintliche Neutralität sei schließlich nichts anderes als Parteinahme für die wirtschaftlich Starken, zürnte er.
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Käthe Kollwitz

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Sie zeichnete die Elenden, Kranken, Betrogenen. Ihre Kunst ist Klage und Anklage – und hat nichts von ihrer Kraft verloren.[/b]

Den Arm emporgereckt, ein flehender Blick, den Mund zum Ruf geöffnet, daneben in steiler Handschrift der Appell: »Nie wieder Krieg«. Seit bald einem Jahrhundert wird dieses Plakat von der deutschen Friedensbewegung getragen und nachgedruckt. Doch Käthe Kollwitz, die Malerin und Bildhauerin, die Mahnerin, die Unbeugsame, gehört nicht nur wegen plakativer Appelle zu den ganz Großen. Sie hat sich vielmehr, wie wenige Künstler den Problemen ihrer (und unserer) Zeit zugewandt: dem Elend, dem Hunger, dem Krieg. Und sie hat die Opfer ins Zentrum ihrer Kunst gerückt und damit in die Öffentlichkeit geholt: die Geschundenen, die Betrogenen, die Kranken. »Ich will, dass meine Kunst Zweck hat«, sagte Käthe Kollwitz. »Ich will wirken.« Ihre Werke macht dies so aktuell wie unzeitgemäß. Denn ist nicht auch unsere Zeit, wie die ihre, eine, in der man gern wegschaut – weil man das Elend nicht erträgt, den Krieg nicht verhindern kann oder weil man sich einfach nicht interessiert? Kollwitz schaute hin und malte, was sie sah. Es war ihr mitnichten peinlich, unmittelbar zu wirken, das Gefühl des Betrachters schneller anzusprechen als den Intellekt. Kunst, geschaffen nur um der Kunst willen, war ihr fremd. Sie wollte aufrütteln.
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Die Ära der schwebenden Stoffwürste

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Als Passagiere noch in mahagonigetäfelten Gondeln unter gasgefüllten Zigarren saßen: Vor 100 Jahren wurde in Deutschland die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.[/b]

Die Geschichte der Passagierluftfahrt beginnt mit einem Crash. Am 28. Juni 1910 fährt der Zeppelin LZ 7Deutschland aus Düsseldorf ab. Er soll von nun an regelmäßig Gäste via Frankfurt nach Baden-Baden und zurück befördern. Unter den 23 Passagieren sind etliche Journalisten, die über die erste kommerzielle Zeppelin-Fahrt – nicht Flug, darauf besteht der Luftschiffer ebenso wie der Ballonfahrer – berichten sollen.

Die Flug-, Pardon Fahrgäste reisen bequem: Die Mahagonitäfelung der Passagierkabine ist mit Perlmutt eingelegt, Teppiche liegen in der Gondel unter der 127 Meter langen Zigarre aus Stoff und gasdichtem Rinderblinddarm. Doch einer der Daimler-Motoren stottert, ein Unwetter zieht auf.
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Wehrmacht: Missbrauchte Verbrechen

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Die »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« war nicht viel mehr als eine Hilfstruppe der NS-Propaganda.[/b]

Mitte September 1939, wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, erscheint in den Verordnungsblättern von Heer, Luftwaffe und Marine ein auf den 4. des Monats datierter Erlass des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), Wilhelm Keitel, mit dem er bei der Rechtsabteilung des OKW eine »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« einrichtet. Ihr Auftrag lautet, »die von den gegnerischen Militär- und Zivilpersonen gegen deutsche Wehrmachtangehörige begangenen Verstöße gegen das Völkerrecht festzustellen und zugleich die vom Auslande gegen die deutsche Wehrmacht in dieser Hinsicht erhobenen Anschuldigungen aufzuklären«.

Eine paradoxe Situation: Ausgerechnet in jener Kommandobehörde, die wenig später den Truppen mit mörderischen Anordnungen wie dem Kriegsgerichtsbarkeitserlass und dem Kommissarbefehl den Weg in den Vernichtungskrieg weisen wird, entsteht so eine Stelle, die sich hauptamtlich mit Kriegsverbrechen auseinandersetzen soll. Hatte sich damit etwa – wie von konservativen Historikern behauptet – mitten in Hitlers militärischer Schaltzentrale eine Zelle redlicher, aber ohnmächtiger Juristen etabliert?
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Gustav Radbruch

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Gibt es ein Recht über dem Gesetz? Kein Jurist ist in den globalen Konflikten der Gegenwart so aktuell wie er, der Professor aus Heidelberg.[/b]

Wie muss es gebebt haben in diesem Gelehrten während der Nazijahre. Gustav Radbruch, vor dem Krieg Rechtsprofessor in Heidelberg, Königsberg und Kiel, in der Weimarer Republik kurze Zeit SPD-Justizminister, war in Hitlers Reich ein verbannter Jurist, durfte nichts veröffentlichen. Aber wie er dann, 1945, seinen Geist entlädt! Was Radbruch zu sagen hat über die »Schandgesetze« und die Perversion, die dem Recht in den vergangen zwölf Jahren angetan wurde, passt auf eine Zeitungsseite. Dass die nicht Feuer fängt, ist erstaunlich.
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Friedrich Schiller

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Wie schwach und krank war sein Leib, doch wie kraftvoll ist sein Werk! Des Dichters klassisches Rezept: Eiserne, heitere Disziplin bis zuletzt.[/b]

Zehn Tage nach Friedrich Schillers Tod am 9. Mai 1805 präsentierte der weimarische Hofmedikus Wilhelm Ernst Christian Huschke das Obduktionsergebnis. »Folgendes Merckwürdige« habe er mitzuteilen: Die Rippenknorpel Schillers seien »starck verknöchert«, die rechte Lunge sei mit dem Rippenfell und dem Herzbeutel derart verwachsen, »daß es kaum mit dem Messer gut zu trennen war. Diese Lunge war faul u. brandig, breiartig u. ganz desorganisirt.« Das Herz? Ein »leerer Beutel«, runzelig und »ohne Muskelsubstanz«. Die Ränder der Leber »brandig«. Die Gallenblase »noch einmal so groß als im natürl. Zustande u. strotzend von Galle«. Auch die Milz übergroß. Die Nieren in »ihrer Substanz aufgelöst«, die Därme mit dem Bauchfell verwachsen. Blase und Magen indes in bester Ordnung. »Bey diesen Umständen«, so der Arzt knapp, »muß man sich wundern, wie der arme Mann so lange hat leben können.«
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Maria Sibylla Merian

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Frei von aller Konvention, geht die Naturforscherin und Künstlerin ganz eigene Wege. Ihre Expedition durch den Regenwald von Surinam wird ein einziger Triumph.


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Maria Sibylla Merian (1647-1717), Selbstbewusst in die Welt hinaus

Nur mal so gedacht: 12. Klasse, die Lehrerin bringt ihren Schülern ein Vorbild mit. »Eine ganz große Frau der Wissenschaft, eine berühmte deutsche Naturforscherin.« Müdes Lächeln bei den Teenagern. »Eine der Ersten, die den Zyklus von Ei zu Raupe zu Puppe zu Schmetterling beschrieben hat. Im 17. Jahrhundert, als die meisten Leute noch dachten, Insekten entstünden in einer Urzeugung aus Schlamm.« Demonstrative Ignoranz, höchstens über den altertümlichen Namen mokieren sich die Schüler: Maria Sibylla Merian. Die Lehrerin versucht sich an einem Gag: »Wir haben sie unzählige Male abgeschleckt, ihre gummierte Rückseite wenigstens.« Denn MSM prangte auf einer Briefmarke zu 40 Pfennig. »Und auch auf dem 200-Mark-Schein.«
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Weiter gedacht: Was hätte MSM denn wohl selbst erzählt? Zeitlebens geizte sie mit Persönlichem. Aber vor 17-Jährigen könnte man ja offen sprechen. Über das Leben eines bürgerlichen Mädchens, das 1647 in eine gut situierte Frankfurter Kupferstecherfamilie hineingeboren wird. Über die kreative Umgebung, musisch, handwerklich. Über Lebensmodelle. Maria Sibylla fand früh ihren eigenen Stil: Pflanzendarstellungen mit Raupen und Schmetterlingen, ästhetisch und akkurat. Als sie 1665 einen Schüler aus der stiefväterlichen Werkstatt heiratete, mit ihm nach Nürnberg zog, war sie eine aufstrebende Künstlerin. Ihre Bücher machten sie bekannt. Aber statt Reputation und Vermögen zu mehren, flüchtete sie 1685 aus ihrem bürgerlichen Leben. Sie schnappte sich ihre zwei jungen Töchter und zog für sechs Jahre in eine Landkommune engstirniger niederländischer Protestanten.

Hatten sie Erbstreitigkeiten in ihrer Familie entnervt? War ihr der Ehemann – die Biografen spekulieren über sexuelle Eskapaden und Seitensprünge – zuwider geworden?
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Carl von Carlowitz

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Wir können nicht wider die Natur, sondern nur mit ihr agieren: Der das erkannte, lebte vor 300 Jahren. Lasst uns seine Idee von »Nachhaltigkeit« endlich ernst nehmen.


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Carl von Carlowitz (1645-1714), Edelmann und Ökologe

Wörter können sich leider nicht wehren, wenn ihnen im Mühlwerk politischer Auseinandersetzungen die Bedeutung allmählich abhandenkommt. »Nachhaltigkeit«: Kaum hatten sich die Vereinten Nationen beim »Erdgipfel« in Rio 1992 auf den Anspruch geeinigt, in den Grenzen des Wachstums und mit Rücksicht auf kommende Generationen zu wirtschaften, da wurde der Begriff auch schon verwässert, verbogen, verkürzt oder als Tensid fürs greenwashing missbraucht. Mittlerweile gelten selbst Atomkraftwerke als nachhaltig, deren Müll ewig strahlt. Klaus Töpfer, langjähriger Chef der UN-Umweltorganisation, sagte einmal mit bitterem Spott: Wem zu den globalen Krisen gar nichts mehr einfalle, der rede von Nachhaltigkeit.

Wenn es nur der Verschleiß des Begriffs wäre, doch er spiegelt die Unzulänglichkeit des Handelns. Dabei wird inmitten der eskalierenden Klima- und Hungerkrisen jeden Tag wichtiger, was sustainability auch bezeichnet: Umwelt, Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit zusammenzuführen. Anlass genug, jenem Mann unter die Augen zu treten, der das Konzept ursprünglich erdachte; sich an der Nachdenklichkeit und Strenge zu orientieren, mit der er auf alten Kupferstichen unter der Lockenpracht einer französischen Allongeperücke seinen Nachfahren im metallenen Brustpanzer entgegenblickt, prinzipienfest.

Kaum ein brasilianischer Sojaplantagen-Zertifizierer, indischer Klimaschützer oder selbst deutscher Nachhaltigkeitsabteilungsleiter hat den Namen des Edlen Hans Carl von Carlowitz je gehört, der 1645 als Spross einer uralten Ritterdynastie auf Burg Rabenstein bei Chemnitz geboren wurde und zu einem der wirkungsmächtigsten Beamten Kursachsens aufstieg.
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Martin Luther

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Der Mensch kann sich ändern, die Welt sich erneuern – sprichst du nur das eine kleine Wörtlein: Nein.[/b]

Ich stamme aus Lutherland. Mein Vater war Pfarrer in Sangerhausen am Südharz. 1979 kam Westbesuch, eine Abordnung der evangelischen Partnergemeinde aus Steinheim am Main. Die Ärmsten vegetierten dort fern von Luther. Deshalb führte Vater sie an etliche St.-Martins-Stätten – nach Eisleben, wo Luther 1483 geboren wurde und 1546 starb, und ins Mansfelder Elternhaus.

Dort prangte an der Wand ein historischer Stich: Luthers Lebenswende. 2. Juli 1505, Gewitter bei Stotternheim. Luthers Freund Alexius, vom Blitz gemordet, liegt à la fromme Helene verkokelt im Acker. Luther, panisch, gelobt der heiligen Anna, im Falle seiner Rettung Mönch zu werden. Vater erklärte die Szene zur Legende. Falls überhaupt, sei Luthers Freund in einem anderen Gewitter gestorben. Flammender Protest! Nein!, rief eine Glaubensschwester. Nein, Herr Pfarrer! Es war wie auf dem Bilde! Meinen Luther lass ich nicht!
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Aus Juristen Demokraten machen

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Gustav Radbruchs langer Kampf für das Recht der Republik – ein Porträt des großen Juristen zu seinem 60. Todestag.[/b]

In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989 starb der letzte Flüchtling an der Berliner Mauer. Ein Schuss traf den jungen Mann mitten ins Herz. Der grausigen Tat folgten die üblichen Reaktionen des real existierenden Grenzregimes, gipfelnd in der Belobigung der Schützen mit Ordensverleihung und Geldprämie für den vorbildlichen Einsatz. Dass damit das letzte Wort noch nicht gesprochen war, lag an den Ereignissen im Herbst desselben Jahres, die das Recht der DDR binnen weniger Wochen in gesamtdeutsches Unrecht verwandelten.
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Im September 1991 begann der Prozess gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten, der erste dieser Art nach der Wiedervereinigung; der Todesschütze wurde schließlich im März 1994 wegen Totschlags verurteilt.

Juristisch war das nicht ganz unbedenklich. Laut Einigungsvertrag mussten Straftaten aus der DDR nach dem Recht der DDR behandelt werden. Danach war Totschlag zwar grundsätzlich strafbar, im Falle der Grenzsicherung an der Mauer jedoch gesetzlich erlaubt. Doch die Gerichte setzten sich über das Gesetzesrecht der DDR hinweg.

Mithilfe einer rechtsphilosophischen Argumentationskette aus dem Jahr 1946 ermittelten sie das eigentliche, wirkliche, wahre Recht des untergegangenen Nachbarn: Gesetze könnten zwar in aller Regel Verbindlichkeit für sich beanspruchen; eine Grenze finde dieser Grundsatz jedoch dort, wo der Widerspruch zwischen positivem Gesetz und Gerechtigkeit so unerträglich sei, »daß das Gesetz als ›unrichtiges Recht‹ der Gerechtigkeit zu weichen« habe.
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Sophie Scholl

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Man hat sie vielfach verkitscht. Doch ihr Leben ist nach wie vor ein Lehrstück über den Mut zu Erkenntnis und Selbsterkenntnis.


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Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose": Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst (v.l.n.r.), Foto von 1942

Müssen wir noch einmal an Sophie Scholl erinnern? Die Widerstandskämpferin feiern? Die junge Frau, Erzieherin, Philosophiestudentin, die mit ihrem Bruder und anderen Studenten der Weißen Rose im München des Jahres 1943 Flugblätter gegen die Nazis verteilte. Die als 22-jährige Frau dafür zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Wie oft haben wir davon gehört! Und natürlich auch den Film gesehen, Sophie Scholl – Die letzten Tage, und uns über dieses weitere Denkmal gefreut. Und sie beweint.

Dennoch kann die Antwort nur lauten: »Ja.« Denn ihr Leben und ihre Tat fordern uns dazu heraus. Ihre Geschichte berührt uns immer wieder von Neuem. Wir bewundern sie, gerade weil wir wahrscheinlich nicht so gehandelt hätten wie sie.
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Aber es ist nicht nur das Heldenhafte, das an der Figur der Sophie Scholl so fasziniert – sie ist eine Heldin, das ist gewiss. Doch sie war keine Lichtgestalt, sondern eine junge Frau, die zunächst auf die Verführungen der Nazis hereinfiel. Dann kamen die Zweifel, die Fragen, dann begann sie die große Lüge zu durchschauen und zog die Konsequenz aus dieser Erkenntnis.
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Jakob Fugger

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Man muss die neueste Technik, man muss die Erfindungen der Zeit nutzen. Der große Fugger hat gezeigt, wie man das macht.[/b]

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Jakob Fugger (1459-1525) wurde Fugger der Reiche genannt

Da wurde also vor 550 Jahren Jakob Fugger geboren, und bei der Zeitungslektüre kann man fast die Glocken läuten hören. »Er war ein Vorbild«, titelt die Welt. »Kreativität und Offenheit« bescheidet der Bayernkurier dem Jubilar. Dann kommt immer wieder dieselbe Geschichte von der Fuggerei. Dass der alte Jakob in seiner Heimatstadt 52 Sozialwohnungen eingerichtet habe. Dass er deswegen ein großer Sozialreformer gewesen sei. Und sowieso ein frommer Mensch.

Sollte man, ehrlich gesagt, schnell wieder vergessen. Der Fugger-Clan kontrollierte zeitweise an die zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Sie waren weit und breit die größten Grundbesitzer, wichtigsten Bankiers, vernetztesten Händler, einflussreichsten Bergbauer. Die paar Sozialwohnungen, mutmaßt der Autor Günter Ogger in seiner etwas polemischen Fugger-Biografie Kauf Dir einen Kaiser, waren bloß ein »Propagandatrick, um ein schwebendes Verfahren wegen schwerer Vergehen gegen die Antimonopolgesetze zu unterlaufen«. Jedenfalls konnte Jakob der Reiche dergleichen aus der Portokasse bezahlen.
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Wo der schreckliche Minotaurus wirklich hauste

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In griechischen Sagen war er ein brutales Mischwesen aus Mensch und Stier: der Minotaurus, gefangen in einem Labyrinth auf Kreta. Ein britischer Geograf will den Irrgarten jetzt gefunden haben - und warnt vor sehr realen Gefahren, die dort noch immer lauern.
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Bühne der Freiheit am Berliner Alex

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Die Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin war die Generalprobe zur Wende – auch für die Mitarbeiter des Deutschen Theaters.

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Am 04.11.1989 kam es zu einer Massenkundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin

Hans Rübesame arbeitet überm letzten Treppenabsatz, unterm Dach. Das passt. Er ist ganz oben. Wo der Kopf sitzt. Wo die Erinnerung im Standby-Modus verharrt.

Wenn man ihn in Betrieb setzt, eine Frage stellt oder einen Auftrag erteilt, verschwindet er im Halbdunkel zwischen Regalen voller Schätze. Zwischen 150 Jahre alten Textbüchern, Bühnenmanuskripten, Rollen-, Souffleur- und Inspizierbüchern, Proben- und Vorstellungsprotokollen, Programmheften, Plakaten, Bildern. Rübesame ist Archivar des Deutschen Theaters in Berlin. Er ist dunkel gekleidet wie vor Jahrzehnten, als er Bibliotheks- und Musikwissenschaftler wurde. In seinem krausen Kopfhaar ringen graue Härchen um Aufmerksamkeit. Er trägt einen Vollbart. Er ist irgendwie zeitlos.

Den Auftrag, den er jetzt erledigt, hat er sich gewünscht. Er muss nicht tief ins Halbdunkel, um die Pappmappen zu holen, in denen der Herbst 1989 steckt und alles, was dazugehört. Der 4. November, jener Samstag, als das Deutsche Theater nicht an der Reinhardtstraße Theater spielte, sondern auf dem Alexanderplatz seine Vorstellungen wahr machte. Weil das genau 20 Jahre her ist, soll Rübesame einen Schaukasten zusammenstellen.
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Es gab uns wirklich

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Ausreisepartys und Hausbesetzungen, Miss-Wahlen und der erste Kinderladen: Das Leben in der späten DDR war ganz anders, als der Westen denkt.

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Die Schauspielerin Corinna Harfouch und ihr Sohn Robert Gwisdek vor 24 Jahren in der Theaterkantine

Sie redet nur wegen dieses Fotos. Es beamt sie zurück in eine andere Zeit, die sie so entscheidend geprägt hat, in ein anderes Land, zurück zu der Frau, die sie einmal war. Als habe dieses Foto die Fähigkeit, das Geschwätz auszublenden und den eigenen, zugeschütteten Erinnerungskanal freizulegen.

Das Foto: Corinna Harfouch, Anfang 30 damals, sitzt im weißen Unterhemd vor einem Kaffee in der Kantine der Berliner Volksbühne, auf dem Schoß ihren kleinen Robert, anderthalb Jahre alt. Eine Momentaufnahme von 1985. Die DDR hatte noch fünf Jahre zu leben, für Corinna Harfouch begann damals ihre große Karriere. Sie sagt, sie antworte stets mit Schweigen auf all die Fragen nach Wende und DDR, Freiheit und Diktatur, "mich kotzt das alles an, weil durch diesen ganzen Rummel der eigene Blick verloren geht. Ich weiß manchmal nicht mehr, was sind meine Erinnerungen und was wird einem von außen aufgestülpt."
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Auf unheimlichem Boden

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Beim Anblick der Ruinen von Innsbruck durchzuckte es Leo Löwenthal: »Eigentlich nicht genug.« Der 1934 nach Amerika emigrierte Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung Max Horkheimers und Theodor W. Adornos reiste durch Nachkriegseuropa. Die deutschen Trümmerlandschaften konnten den jüdischen Literatursoziologen nach den deutschen Massenmorden nicht erschüttern. Dass das Land seiner Herkunft ihm keine Heimat werden würde, wusste er bald: Auf dem Münchner Oktoberfest erlebte er »dieselben grölenden, verblödeten Massen«, die dem Führer zugejubelt hatten. Und ein junger Taxifahrer erklärte Löwenthal die Dummheit Hitlers, sich mit den Juden angelegt zu haben; die hätten doch bekanntlich das Geld. Leo Löwenthal blieb in Amerika.

Sollte man nach Deutschland zurückkehren? Diese Frage trieb 1945 alle Emigranten um; leidenschaftliche Artikel und Briefe wurden damals darüber geschrieben. Und es gab tatsächlich Dichter und Denker, die, anders als Leo Löwenthal, zurückkehrten in das Land der Täter – wenige Jahre nachdem ihre Freunde und Verwandten in Auschwitz umgebracht worden waren und im Wissen, dass, wären sie geblieben, deren Schicksal sie ebenfalls ereilt hätte. Von heute aus erscheint diese Rückkehr als das irritierende, bewegende Wunder der deutschen Geistesgeschichte im 20. Jahrhundert.
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Nur der Irre überlebt in der irren Welt

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[b]Grimmelshausens »Simplicissimus« ist auch in der neuen, geschmeidigen Übersetzung von Reinhard Kaiser noch ein wüster Held.[/b]

In seiner Kurzen Geschichte der deutschen Literatur erwähnt Heinz Schlaffer den Simplicissimus nur am Rande. Der 1668/69 erschienene Roman des Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen schwächt Schlaffers zentrale These, die deutsche Literatur, abgesehen von der weitgehend vergessenen des Mittelalters, habe erst um 1750 begonnen, mit Klopstock, Wieland, Lessing. Alles davor Geschriebene sei, verglichen mit dem Niveau der europäischen Literatur, bloß epigonal und zweitrangig. Das ist nicht abwegig, wenn man sich vor Augen hält, dass es im 16. Jahrhundert für Cervantes, Montaigne oder Shakespeare keine deutschen Parallelen gibt, und das gilt auch für die Lebenszeit Grimmelshausens (1622 bis 1676), als Molière und Racine, Milton und Calderón Werke von weitreichender Wirkung schufen. Die Wirkung des Simplicissimus blieb auf Deutschland beschränkt, und dort stand er allein auf weiter Flur.

Das relative Zurückbleiben der deutschen Literatur hat viele Gründe, und den wichtigsten davon versteht man leicht, wenn man den Simplicissimus liest. Auf den rund 700 Seiten der neuen Ausgabe findet man nichts seltener als ein friedvolles Leben und nichts häufiger als Bestialität, Gewalt und Mord. Die verschiedenen Religionskriege, von denen der sogenannte Dreißigjährige (1618 bis 1648) nur der längste und heftigste war, hatten Mitteleuropa in einer Weise verheert, die noch lange nachwirkte, bis hin zu der verspäteten, ideologisch aufgeladenen Bildung einer deutschen Nation.
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Der Osten im Westen - Adenauerzeit (Teil 5)

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[b]Immer wieder versuchte die Regierung in Ost-Berlin, die Bonner Politik offensiv zu beeinflussen. Nicht ohne Erfolg, wie gerade die fünfziger Jahre zeigen.[/b]

Ein Adventskalender der Agitation: Wer im »Braunen Haus von Bonn« das richtige Fensterchen öffnete, dem blickte ein »Hitlergeneralstäbler« mit Prügelstock entgegen – dem Kasperl gleich, der auf das Krokodil eindrischt. Bei dem aufwendig gestalteten Papierkunstwerk, 1956 im VEB Gravo-Druck in Halle hergestellt, handelte es sich um eines der frühesten Produkte im deutsch-deutschen Schlagabtausch, die ostentativ auf die NS-Vergangenheit zielten. Diese war aus Sicht der DDR allein im Westen »unbewältigt«, und als neuester Beweis dafür galt die »Remilitarisierung« der Bundesrepublik. Die Vereidigung der ersten Bundeswehr-Freiwilligen im November 1955 und das Wehrpflichtgesetz vom folgenden Sommer, das immerhin auch die Ablehnung von SPD und FDP im Bundestag gefunden und zu vehementen öffentlichen Protesten geführt hatte, lieferten Ost-Berlin idealen Propagandastoff: Nun hatten die alten Nazis in Bonn also auch die militärische Macht zurück!
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Die Wurzeln des Bösen

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Eine Gedankenreise in die Vorgeschichte unserer Art zeigt, was uns zu Menschenfeinden macht.

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Blick zurück in die Stammesgeschichte: Aggression erbte der Mensch von seinen Vorfahren – sie bescherten ihm die Furcht vor dem "Bösen", brachte aber auch die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens hervor

Sie sind absolut friedfertig. Die Stammesangehörigen der Mangyan können keiner Fliege etwas zuleide tun. Im Hochland der philippinischen Insel Mindoro leben diese Eingeborenen zwischen Süßkartoffel- und Maniokfeldern und kennen weder Mord noch Totschlag. Sie arbeiten nur gemächlich, statten sich häufig gegenseitig Besuche ab, verschwatzen generell viel Zeit.

In großen Häusern leben fünf Familien unter einem Dach, ohne Wände, aber mit vielen Feuerstellen. Zwanzig Mal am Tag wird gekocht. Gegenseitig biete man sich dann dampfende Süßgerichte an, berichtet der Völkerkundler Jürg Helbling. Eine poetische Szene, fast zärtlich, während draußen kalter Nebel und Regen den Blick auf die bewaldeten Berge nehmen. Gibt es das Paradies also doch? »Dieses Volk ist die absolute Ausnahme«, sagt Helbling. Dreimal hat er die Ureinwohner besucht, sie beobachtet und insgesamt zwei Jahre lang bei ihnen gelebt. »Danach«, sagt der Anthropologieprofessor der Universität Luzern, »hat mich dann die Regel interessiert.«
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Die Amper-Migranten

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Fürstenfeldbruck - Rund 1500 Jahre alte Skelette aus Emmering bringen neues Leben in die Debatte um die Herkunft der Bajuwaren.

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Die Skelette sollen Aufschluss über die Völkerwanderung geben.

Die Knochen verraten, dass die frühen Emmeringer Zugereiste waren. Und sie ermöglichen Wissenschaftlern Erkenntnisse darüber, aus welcher Gegend die Migranten an die Amper kamen.

Die rund 400 Skelette, die vor einigen Jahren großteils vom historischen Verein Bruck in Emmering ausgegraben wurden, könnten Licht in eines der dunklen Kapitel der Geschichte Bayerns bringen. Denn welche Stämme sich in der Zeit der Völkerwanderung zwischen 500 und 750 nach dem Abschied der Römer an Isar und Amper ansiedelten, ist nicht ganz klar.
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Chirurgie des 19. Jahrhunderts - Theater der Höllenqualen

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London. Mehr Späne, bitte! Das Blut läuft und hat sich in der Holzbox unter dem Operationstisch mit Holzspänen zu einem "bloody porridge" vermischt – das Zeichen für den Chirurgen, nach mehr Spänen zu verlangen, auf dass es in der Barockkirche unter dem Operationssaal nicht von der Decke tropfe.

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Säge zum Amputieren: Operationsbesteck aus dem 19. Jahrhundert.

Die Schreie des Patienten, dessen Bein mangels Anästhesie in weniger als zehn Minuten amputiert sein muss, werden lediglich durch einen Holzstock abgemildert, in den er sich verbissen hat. Doch zum Glück befinden wir uns nicht am Beginn des 19. Jahrhunderts, und auch die Amputation ist nur eine Vorführung. Das Umfeld ist freilich original. Der Operationssaal datiert von 1822. Betäubung und antiseptische Behandlungsmethoden waren damals nicht bekannt.
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Einen Doktor für den Prinzen

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Mauscheleien um akademische Titel haben eine lange Tradition. Sie kamen in den besten Kreisen vor.

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Die Uni Bonn Anfang des 20. Jahrhunderts: Hier war Prinz August Wilhelm nicht erfolgreich

Schon der spätere Kaiser Wilhelm II. hatte eine Universität besucht. Für einen gottbegnadeten Thronprätendenten war das allerhand. Doch sein Studium diente weniger einer wissenschaftlichen Ausbildung, es war eine wohlwollende Geste gegenüber dem bürgerlichen Bildungsideal. Folglich frönte Prinz Wilhelm vor allem dem feuchtfröhlichen Korpsleben, vier Semester lang, ohne Abschluss. Prägender wurde für ihn der Militärdienst. So sollten es auch seine fünf Söhne halten: zweckfrei studieren. Alle taten das – bis auf einen: August Wilhelm, Jahrgang 1887. Der wollte einfach kein Soldat sein. Ersatzweise wurde für ihn eine Karriere im höheren preußischen Verwaltungsdienst ins Auge gefasst. Doch das setzte ein achtsemestriges Jurastudium mit gutem Staatsexamen voraus. War das einem Kaisersohn zuzumuten?
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Als die Journalisten frech wurden - Adenauerzeit (Teil 4)

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[b]So geschickt es Adenauer zunächst noch verstand, die Medien zu lenken – bald schon entwickelte sich eine neue, kritische Öffentlichkeit.[/b]

»Kritik scheint das oberste Gebot«, empörte sich im Herbst 1962 ein Referent des Bonner Bundespresseamtes. In aller Breite listete er die »Entgleisungen« einer Redaktion auf, die mit »einseitigen« Berichten versuche, die »Maßnahmen der Bundesregierung zu torpedieren«. Das interne Papier war nur der Auftakt. Kurz darauf setzten mehrere Spitzenbeamte energische Protestschreiben an die Verantwortlichen auf.

Ihre Empörung gipfelte in der Behauptung, die Arbeit der Journalisten erinnere »bestürzend an Methoden der Nationalsozialisten und Kommunisten vor 1933«. Gemeint war das Fernsehmagazin Panorama, mit dem der Norddeutsche Rundfunk im Juli 1962 ins Hauptprogramm der ARD gekommen war und das nicht nur Politiker oder Ministerialbeamte reizte. Erst kurz zuvor hatte die Polizei im niederrheinischen Geldern ein Panorama- Team verhaftet, das einen Beitrag über einen Lehrer und dessen Vergangenheit als KZ-Aufseher drehte.
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»Lust auf Weltuntergang«

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[b]Im November kommt ein neuer Katastrophenfilm von Roland Emmerich ins Kino. Diesmal soll die Erde im Jahr 2012 untergehen – sagen angeblich die alten Maya.[/b]

DIE ZEIT: Dem Kalender der Maya zufolge geht am 21.12.2012 angeblich die Welt unter. Sie entziffern die Schrift dieser Kultur. Müssen wir uns fürchten?

Nikolai Grube: Nein, denn diese Prophezeiung gibt es nicht, weder im Maya-Kalender noch an irgendeiner Stelle der Hieroglyphen-Inschriften.
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(C) Daniel Oswald